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Sachsen: So funktionieren Corona-Tests für Grenzgänger

Die neue Pflicht ab Montag trifft vor allem Polen und Tschechen. Sächsische Firmen haben Ideen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Testen ist jetzt Pflicht. Am Rasthof bei Kodersdorf an der A4 wurde ein Corona-Testcenter aufgebaut (Foto). Auch in Zittau soll eine Teststation entstehen.
Testen ist jetzt Pflicht. Am Rasthof bei Kodersdorf an der A4 wurde ein Corona-Testcenter aufgebaut (Foto). Auch in Zittau soll eine Teststation entstehen. © LausitzNews.de/Toni Lehder

Vorschrift für Grenzgänger: Wer zur Arbeit die sächsische Grenze zu Polen oder Tschechien überquert, braucht künftig einen negativen Corona-Test.

Wer muss sich jetzt testen lassen?

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Der Freistaat Sachsen verpflichtet ab Montag alle Menschen zum Corona-Test, die zur Arbeit nach Sachsen einreisen (Grenzgänger) oder aus Sachsen ausreisen (Grenzpendler). Ungefähr 10.000 Polen und 9.000 Tschechen fallen unter diese neue Regelung der sächsischen Corona-Quarantäne-Verordnung. Manche pendeln täglich, manche wöchentlich. Auf etwa 6.000 schätzt die Landesregierung die Zahl der Sachsen, die zur Arbeit auspendeln. Sie alle müssen sich mindestens einmal pro Woche testen lassen, am besten vor Beginn der Arbeit. Ursprünglich war zweimal geplant, doch der Protest war stark.

Was droht bei Verstoß?

Wer sich nicht testen lässt, muss sich in Quarantäne begeben. In den Betrieb zu gehen, ist dann also nicht mehr erlaubt. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld von mindestens 500 Euro rechnen.

Wo gibt es den Test?

Corona-Schnelltests reichen aus, dabei gibt es nach einer Viertelstunde das Ergebnis. Tests aus Polen oder Tschechien werden anerkannt, es gibt sie etwa im Krankenhaus Zgorzelec oder dem Laboratorium Boleslawiec. Außer Ärzten bieten auch manche Apotheken und private Testcenter die Tests an, in der Regel nach Anmeldung. Das Testmaterial lässt sich laut Sozialministerium für „wenige Euro“ über Apotheken oder zum Beispiel Betriebsärzte beziehen. Doch der gesamte Test kostet zum Beispiel bei Covimedical auf dem Autobahn-Rasthof Kodersdorf 34,95 Euro. 45 Euro berechnet die City-Apotheke im Dresdner Hauptbahnhof. Auf den Internetseiten dieser Anbieter sind Anmeldungen im Kalender auf fünf Minuten genau möglich. In Tschechien haben voll krankenversicherte Bürger Anspruch auf einen kostenfreien Schnelltest pro Woche.

Was können Betriebe für ihre Mitarbeiter organisieren?

Die Kodersdorfer Autoräderfabrik des Unternehmens Borbet meldet ihre rund 200 Grenzgänger beim Testcenter an der Autobahntankstelle an. Personalchefin Mareike Knöschke berichtet von einer „tagfüllenden Aufgabe“, weil auch die polnischen Adressen der Mitarbeiter in die Online-Anmeldung eingegeben werden müssen. Die Zusammenarbeit mit dem Testcenter sei aber gut, voraussichtlich müssten die Angaben für kommende Tests nicht jedes Mal neu eingetragen werden. Borbet bekomme eine Sammelrechnung. Knöschke ist froh, dass es das Testcenter gibt, aber unglücklich über die kurzfristigen und veränderlichen Vorgaben der Landesregierung. Vorige Woche habe Borbet schon nach den ursprünglichen Anweisungen eine Vereinbarung über Tests mit einer Apotheke geschlossen und müsse ihr jetzt Kosten erstatten. Außerdem wollten Grenzpendler eine Antwort auf die Frage, warum für sie die Testpflicht gilt, aber nicht für Kollegen mit einer Wohnung wenige Kilometer näher, in Deutschland.

Können Unternehmen die Tests auch selbst machen?

Die Lausitzer Früchteverarbeitung in Sohland an der Spree hat selbst ein Testzentrum für ihre Beschäftigten eingerichtet. Firmenchef Maximilian Deharde freut sich, dass eine Angestellte in seinem Lebensmittellabor früher am Krankenhaus in Bautzen eine Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin abgeschlossen habe. Sie wird nun montags ihre Kollegen testen. Für etwa zehn Grenzgänger der Firma gilt die Testpflicht, doch Deharde bietet allen rund 100 Beschäftigten auf Wunsch die Tests an. Beim Probelauf diese Woche fielen alle negativ aus. Deharde berichtet von guter Zusammenarbeit mit der Saxonia-Apotheke in Dresden – sie habe im Frühjahr von ihm Alkohol für Desinfektionsmittel bezogen. „In der Not arbeitet man meistens gut zusammen“, sagt der Firmenchef.

Welche Schutzvorschriften sind beim Testen einzuhalten?

Das Deutsche Rote Kreuz bietet für zehn Euro Schulungen an, damit Betriebe eigene Mitarbeiter zum Testen einsetzen können. Beim DRK-Bildungswerk Sachsen gibt es den Online-Kurs und die praktische Einweisung. Wer testet, braucht mindestens eine FFP2-Maske zusammen mit einer dicht schließenden Schutzbrille oder einem langen Visier, Schutzkittel – und Handschuhe, die nach jedem Probanden zu wechseln sind. Schwangere Frauen dürfen nicht testen.

Wie ist der Test nachzuweisen und bei welchem Amt?

Meldepflichtig ist nur ein positives Testergebnis – das Gesundheitsamt ist zu informieren. Wer negativ getestet wurde, sollte ein Dokument mit diesem Ergebnis dabei haben. Dazu gehört: Name der getesteten Person, Adresse, Geburtsdatum, Angabe der testenden Stelle und Datum des Tests. Wer in einer medizinischen Einrichtung oder einem Pflegeheim arbeitet und dort mindestens einmal wöchentlich getestet wird, kann auch eine Bescheinigung des Arbeitgebers über die regelmäßige Testung mitführen.

Was ist zu tun, wenn der Test positiv ausfällt, also Corona festgestellt wird?

Wer ein positives Testergebnis bekommt, muss sich unverzüglich „in häusliche Isolation“ begeben. Gesundheitsamt und Arbeitgeber sind zu informieren, außerdem die Kontaktpersonen der vorangegangenen 14 Tage. Ein PCR-Test beim Arzt kann feststellen, ob das Schnelltest-Ergebnis stimmt.

Wo gibt es die zehn Euro vom Staat?

Wenn der Arbeitgeber dem Grenzpendler die Testkosten erstattet oder den Test auf eigene Kosten machen lässt, unterstützt das der Freistaat Sachsen mit zehn Euro pro Test. Dazu wird es Formulare bei der Landesdirektion Sachsen geben, aber die Anträge können frühestens in vier Wochen gestellt werden.

Was gilt für Studenten und Auszubildende?

Die Testpflicht gilt grundsätzlich auch für sie, aber aus „sozialen Gründen“ verzichtet die Landesregierung vorerst darauf.

Was sagen Sachsens Wirtschaftsvertreter zum Verfahren?

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Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Sachsen (DBG) hat am Donnerstag gefordert, die sächsische Testpflicht umgehend zurückzunehmen. Landeschef Markus Schlimbach sagte, mit der neuen Einreiseverordnung des Bundes drohe Grenzgängern die Pflicht, sich alle 48 Stunden testen zu lassen. Dafür gebe es keine Kapazitäten. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden, Detlef Hamann, sprach von einem „überraschenden Vorstoß des Bundes“. Der könnte alles auf den Kopf stellen, was in den vergangenen Tagen in Verhandlungen über praktikable Kompromisse erreicht worden sei. Die Testpflicht sei auszusetzen, bis Klarheit über die Bedeutung der neuen Vorgaben herrsche.

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