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Sorge vor Jojo-Effekt: Die Corona-Lage vor Pfingsten

Feiertage, an denen sich Familien treffen, stehen in Zeiten von Corona unter veränderten Vorzeichen. Wie ist die Situation vor Pfingsten? Ein Überblick.

Experten mahnen angesichts der Corona-Lockerungen zur Vorsicht.
Experten mahnen angesichts der Corona-Lockerungen zur Vorsicht. © dpa-Zentralbild

Berlin/Dresden. Bitte nur im kleinsten Kreis: So oder so ähnlich lauteten die Appelle aus Politik und Wissenschaft vor Weihnachten und Ostern zur Eindämmung des Coronavirus. Nach zähen Lockdown-Monaten folgt jetzt Pfingsten und die Zeichen scheinen zumindest etwas auf Entspannung zu stehen: Die Fallzahlen und Inzidenzen sind zuletzt gesunken, immer mehr Menschen - aber längst nicht alle - sind geimpft.

Trotz sinkender Werte sind die Zahlen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts insgesamt weiter zu hoch. "Die Gefahr ist noch nicht gebannt", sagte Präsident Lothar Wieler am Freitag. Das gelte auch für die Pfingstfeiertage mit ersten Öffnungsschritten. "Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder Oberhand gewinnt, weil wir auf einmal zu viel wollen", sagte Wieler.

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In vielen Städten und Kreisen wurden Corona-Maßnahmen wegen gesunkener Sieben-Tage-Inzidenzen aufgehoben. Zum Beispiel in Berlin dürfen Straßencafés und Biergärten erstmals seit Monaten wieder Gäste empfangen. In Sachsen ist in den Städten Leipzig und Dresden sowie im Vogtlandkreis und Nordsachsen Außengastronomie möglich.

Auch die Kontaktbeschränkungen sind jetzt vielerorts lockerer als zuletzt. Nicht wenige Familien dürften die Chance auf ein Wiedersehen nutzen, gerade wenn die älteren Mitglieder erste Impfungen hinter sich haben. Auch Ausflüge und Kurztrips scheinen nun wieder sorgloser möglich zu sein. Ist das alles eine gute Idee - oder eine riskante?

Die aktuelle Entwicklung der Corona-Fallzahlen

Ein Blick auf die Lage: Laut den RKI-Zahlen vom Freitagmorgen haben die Gesundheitsämter in Deutschland binnen eines Tages 8.769 weitere Infektionen gemeldet. Eine Woche zuvor waren es 11.336. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz wird mit 67,3 angegeben (Vortag: 68,0; Vorwoche: 96,5). Allerdings unterscheidet sich die Situation regional sehr stark.

Auch in Sachsen hatte sich die Lage zuletzt etwas entspannt. Der einstige bundesweite Corona-Hotspot Vogtland hat jetzt die niedrigste 7-Tage-Inzidenz in Sachsen. Am Freitag wies das Robert Koch-Institut den Wert dort mit 47,3 aus. Damit überholte der Vogtlandkreis die Stadt Leipzig und lag als einzige Region im Freistaat unter der Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von 7 Tagen.

Sachsenweit stieg die Inzidenz vor dem Pfingstwochenende leicht auf 86,6 (Vortag: 85,5). Stärker ist das Infektionsgeschehen im bundesweiten Vergleich nur in Thüringen (106,4).

Laut Robert Koch-Institut wurden in Sachsen 35 neue Todesfälle gemeldet. Damit sind seit Beginn der Pandemie mehr als 9.500 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben. Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt um fast 650 auf mehr als 280.900.

Die Kurve der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen zeigt weiterhin nach unten. Mit Stand Donnerstag wurden dort deutschlandweit knapp 3.600 Betroffene versorgt. 38,1 Prozent der Bevölkerung hat mit Stand Donnerstag mindestens eine Erstimpfung gegen Covid-19.

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Droht der Corona-Jojo-Effekt?

Trotz der positiven Entwicklung mahnte etwa das RKI zuletzt wiederholt Vorsicht an. Die Sorge: ein Rückfall durch allzu voreilige Öffnungsschritte. Wenn Menschen die Pandemie nicht mehr ernst nehmen, könnten die Zahlen angesichts des immer noch hohen Anteils an Ungeimpften wieder hochschnellen.

Zwar seien die bisherigen Erfolge bei der Eindämmung unübersehbar, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Freitag mit Blick auf die Inzidenzen in allen Bundesländern. Auch die Infektionszahlen bei den Jüngeren gingen deutlich zurück. Doch immer noch gebe es auch rund 1.300 Corona-Tote pro Woche. "Das ist immer noch eine schrecklich hohe Zahl", sagte Wieler.

Manche Fachleute befürchten einen Jojo-Effekt: Aus einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 könnte demnach schnell wieder eine Sieben-Tage-Inzidenz über 100 werden - einige Lockerungen müssten dann gemäß der Notbremsen-Regelung wieder zurückgenommen werden. Auch ein Berliner Gastronom zeigt sich der Gefahr bewusst: Mit allzu vielen Vorräten decke er sich vor der Öffnung der Außenterrasse lieber erst einmal nicht ein.

Könnte eine größere vierte Welle auch schon vor dem Herbst drohen? "Die Lehre des letzten Sommers und Herbstes ist es, aufmerksam zu bleiben", erklärt Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie auf dpa-Anfrage. "Die indische Variante mit höherer Infektiosität hat das Potenzial, eine neue Welle auszulösen, weil derzeit das Impfprogramm noch nicht weit genug fortgeschritten ist." Es sei gut, dass nur nach und nach Maßnahmen zurückgenommen würden - daher erwarte er "zumindest keine große Welle".

Anteil der indischen Variante steigt in Deutschland

Die in Indien entdeckte Variante (B.1.617) hat nach aktuellsten RKI-Daten, die sich auf die Lage vor etwa vor zwei Wochen beziehen, einen Anteil von zwei Prozent an den untersuchten Proben. Tendenz steigend. Auch die mittlerweile in Deutschland vorherrschende Variante aus Großbritannien hatte klein angefangen.

Die Physikerin Viola Priesemann sagte dem "Spiegel" kürzlich: "Wir müssen aufpassen, dass wir den Immunitätsgewinn nicht weglockern." Jedes kleine bisschen mehr an Infektionen, die nun zugelassen würden, könne den Rückgang auf einen Wert unter die Inzidenz von 50 deutlich verlangsamen. "Wir müssen also genau überlegen, welche Freiheiten wir schon jetzt nehmen." Obwohl auch sie einen guten Sommer erwarte, bleibe aus wissenschaftlicher Sicht ein gewisses Risiko.

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Zumindest das Wetter dürfte dem Infektionsschutz an Pfingsten vielerorts kaum in die Hände spielen. Ein kräftiges und beständiges Hochdruckgebiet, das sommerliches Wetter beschere, ist laut Deutschem Wetterdienst nicht in Sicht. Wer risikoärmere Treffen im Freien plant, könnte vielleicht dann doch auf geschlossene Räume ausweichen - und sollte dann wohl bedenken, dass die Gefahr ansteckender Aerosole noch nicht gebannt ist. (dpa)

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