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Sachsen will Sputnik V nicht selbst vorbestellen

Sachsen bestellt keinen russischen Impfstoff Sputnik V. Ministerpräsident Kretschmer will das dem Bund überlassen. Andere Länder greifen jedoch schon zu.

Sachsen hat Angebote für den russischen Impfstoff Sputnik V abgelehnt.
Sachsen hat Angebote für den russischen Impfstoff Sputnik V abgelehnt. © MTI/AP

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will dem Bund die Verhandlungen über eine mögliche Vorbestellung des russischen Impfstoffs Sputnik V überlassen und nicht zusätzlich für Sachsen reservieren. "Es ist richtig, wenn der Bund die Verhandlungen übernimmt", sagte Kretschmer gegenüber Sächsische.de. Grundvoraussetzung sei jedoch dessen Sicherheit und somit die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA).

Nach Informationen von Sächsische.de hat Sachsen zwar nicht direkt ein Sputnik-Kaufangebot aus Russland erhalten. Vielmehr hat eine Anwaltskanzlei in Berlin im Auftrag eines tschechischen Großhändlers auch in Sachsen den Impfstoffbedarf und Optionierungen für Sputnik angeboten. Sachsen ist aber im Gegensatz zu anderen Bundesländern darauf nicht eingegangen.

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Kretschmer: Alle verfügbaren Impfstoffe sollten genutzt werden

Bei den Themen Gesundheit, Medizin, Impfstoff gehe es sehr viel um Vertrauen. "Russland ist ein großes Land der Wissenschaft und ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass die dortige Wissenschaft im Stande ist einen leistungsfähigen Impfstoff herzustellen“, betonte Kretschmer. Er werde seine Ende April bevorstehende Moskau-Reise auch für Gespräche über die Impfstoff-Forschung und die Erfahrungen Russlands mit der Pandemie nutzen.

Zugleich bedauerte Kretschmer, dass Impfstoff in Deutschland noch immer so knapp ist. "Das einzige was uns sicher durch diese Pandemie bringen wird, ist eine Immunisierung der Bevölkerung", sagte Kretschmer. "Erst wenn ein Großteil der Menschen geimpft ist, werden wir zur Normalität zurückkehren können." Daher sollten auch alle verfügbaren Impfstoffe genutzt werden.

Ähnlich wie Kretschmer äußerte sich auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Er sei gegen Alleingänge der Länder bei der Bestellung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V., erklärte er auf Anfrage. Ramelow sehe die Bundesregierung weiterhin in der Pflicht, einen Rahmenvertrag für den Bezug des Impfstoffs für Deutschland zu schließen.

Verwunderung über Bayern

Thüringens Regierungschef hatte sich immer wieder dafür ausgesprochen, Sputnik V nach seiner Zulassung in Deutschland einzusetzen. Er habe darüber mehrfach mit Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) gesprochen, so der Regierungssprecher.

Ramelow habe deshalb mit Verwunderung auf das Vorpreschen von Bayern reagiert. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Mittwoch erklärt, Bayern habe sich mit einem Vorvertrag 2,5 Millionen Impfdosen Sputnik V für den Fall einer EU-Zulassung des Wirkstoffs gesichert.

Auch Mecklenburg-Vorpommern hat sich eine Million Impfdosen gesichert. Wie Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU) am Donnerstag in Schwerin mitteilte, hat sich das Land gegenüber Russland eine Option auf eine Million dieser Impfdosen gesichert.

Daten bescheinigen hohe Wirksamkeit

"Wir sind aktuell noch in einer Phase, wo es große Abhängigkeiten von noch zu wenigen Herstellern gibt", begründete Glawe den Vorstoß. "Die Kosten belaufen sich voraussichtlich für den Bund auf rund zehn Millionen Euro», hieß es in der Mitteilung von Glawes Ministerium.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft derzeit den Antrag auf Zulassung von Sputnik V in der EU. Im April werden Experten der EMA in Russland zur Begutachtung der Produktion und Lagerung des Impfstoffs erwartet.

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