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Übersterblichkeit in Sachsen drastisch gestiegen

Die Zahl der Verstorbenen im Freistaat ist in den kälteren Monaten 2020 erneut gestiegen. Daran hat auch das Coronavirus seinen Anteil.

Die Sterblichkeit in Sachsen nimmt weiter zu. Vor allem seit Mitte Oktober liegt die Zahl deutlich über dem Durchschnitt. Auch Corona hat seinen Anteil daran.
Die Sterblichkeit in Sachsen nimmt weiter zu. Vor allem seit Mitte Oktober liegt die Zahl deutlich über dem Durchschnitt. Auch Corona hat seinen Anteil daran. © picture alliance/dpa/Europa Press

Dresden. Von Mitte Oktober bis Mitte November sind in Sachsen deutlich mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Vorjahre. Das zeigt eine aktuelle Sonderauswertung der Sterbestatistik des Statistischen Bundesamtes, die am Freitag vorgestellt wurde. Zwar ist bei der Auswertung zu sehen, dass die Zahlen über das Jahr hinweg auf etwa dem gleichen Niveau zum Vorjahr sind, doch ab den kälteren Kalenderwochen steigt die Zahl deutlich.

Nach dem Anstieg der Corona-Infektionen steigt auch die Zahl der Todesfälle weiter an: Nach vorläufigen Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind bundesweit Mitte November etwa neun Prozent mehr Menschen gestorben als im Schnitt der Vorjahre. Vor allem für Sachsen meldete Destatis am Freitag eine hohe Übersterblichkeit. Basis ist eine Sonderauswertung der vorläufigen Sterbefallzahlen, die aktuell bis zur 47. Kalenderwoche zur Verfügung steht.

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Anstieg um bis zu 46 Prozent über dem Durchschnitt

So starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in der Woche vom 9. bis 15. November (Kalenderwoche 46) in diesem Jahr 1.321 Menschen. Im Jahr 2019 waren es im Vergleich nur 1.041. Auch in den Vorjahren 2016, 2017 und 2018 gab es je etwa 300 weniger Todesfälle als 2020. Die Übersterblichkeit gegenüber dem Vorjahr betrug in dieser Kalenderwoche 26,9 Prozent. Nach Angaben des Sächsischen Sozialministeriums starben in diesen sieben Tagen 223 Menschen an Corona - das ist ein Anteil von 16,8 Prozent.

Noch deutlicher zeigt sich der Anstieg der Übersterblichkeit in der darauffolgenden Woche vom 16. bis 22. November (Kw 47). Dort sind nach bisherigen Erkenntnissen von Destatis insgesamt 1.504 Menschen im Freistaat gestorben. Das sind etwa 500 Personen mehr als noch in den Jahren 2016, 2017, 2018 und 2019.

"Die Differenz zum Durchschnitt der vier Vorjahre nimmt derzeit von Woche zu Woche deutlich zu", so das Demografie-Team von Destatis. Das seien demzufolge 46 Prozent über dem Durchschnitt. Der Anteil von Corona-Toten in der Woche vom 16. bis 22. November liegt nach Angaben des Sozialministeriums bei 20 Prozent - also 301 Verstorbene mit Sars-CoV-2-Infektion.

Bundesweit starben zwischen 16. und 22. November in Deutschland mindestens 19.600 Menschen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilt. Auch in vier anderen Bundesländern lag die Übersterblichkeit im zweistelligen Bereich: in Baden-Württemberg, Brandenburg, Thüringen um jeweils zwölf Prozent und Nordrhein-Westfalen um zehn Prozent.

Altersdurchschnitt der Corona-Toten in Sachsen gestiegen

Eine Entwicklung, die nach Angaben einer Sprecherin der sächsischen Behörde nicht überraschend sei: "Anhand der Meldezahlen gibt es derzeit keine Infektionskrankheit außer Covid-19, die eine erhöhte Mortalität der Bevölkerung begründen würde. Der registrierte, teilweise starke Anstieg der Übersterblichkeit in Sachsen war aufgrund der Covid-19-Meldezahlen leider zu erwarten."

Im Vergleich mit den offiziellen Influenza-Zahlen des Sozialministeriums zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Während 2017 (80 Todesfälle), 2018 (176) und 2019 (75) die Gesamtsumme der erfassten Grippefälle-Toten im gesamten Freistaat bei 331 lag, ist die Zahl der Corona-Verstorben deutlich höher. Von Pandemie-Beginn im März bis Mitte Dezember 2020 verzeichnet das Ministerium allein 1.943 verstorbene Menschen, und es werden täglich mehr.

Doch die Sprecherin des Gesundheitsministeriums warnt vor voreiligen Schlüssen: "Allerdings dürfte die Dunkelziffer bei Influenza-Todesfällen generell erheblich höher sein, als dies bei Covid-19-Todesfällen der Fall ist, da Covid-19 eine starke Aufmerksamkeit, eine gesteigerte Überwachung, erfährt".

Symbolbild: Die Zahl der Corona-Toten steigt immer mehr. Aber auch der Altersdurchschnitt der Verstorbenen erhöht sich im Freistaat Sachsen.
Symbolbild: Die Zahl der Corona-Toten steigt immer mehr. Aber auch der Altersdurchschnitt der Verstorbenen erhöht sich im Freistaat Sachsen. © Marijan Murat/dpa

Eins zeigt sich jedoch bei den Corona-Todesfällen im Freistaat dennoch. Der Altersdurchschnitt der Verstorbenen hat sich in den letzten Wochen gesteigert. Nach Ministeriumsangaben lag er während der ersten Welle bis Anfang Juni bei 82 Jahren und während der jetzigen Welle seit Anfang August bei 85 Jahren.

"Der Altersmedian hat sich somit seit Beginn der Pandemie nur leicht verändert und es ist auch nicht zu erwarten und es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Wert nicht ändern wird", so das Sozialministerium. "Nichtsdestotrotz versterben auch durchaus jüngere Menschen an Covid-19."

So starben in den Altersklassen 25 bis 29 Jahre und 30 bis 39 Jahre jeweils ein Corona-Infizierter. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es zwei und bei den 50-bis 59-Jährigen bereits 14 Verstorbene mit Sars-CoV-2-Infektion. Den höchsten Anteil hat die Altersklasse 80 bis 89 Jahre mit 490 Corona-Toten.

Viele Corona-Tote in Sachsen mit Grunderkrankungen

Grundsätzliche Voraussetzungen dafür, dass ein Verstorbener als Covid-19-Todesfall durch das Gesundheitsamt erfasst und an die zuständige Landesstelle sowie weiter an das Robert Koch-Institut übermittelt wird, sind dem Sozialministerium zufolge zum einen der labordiagnostische Nachweis von Sars-CoV-2 mittels PCR-Test bei dem Patienten in Verbindung mit der Einschätzung eines Arztes, dass die Infektion zum Tod des Patienten geführt hat.

Die Meldung des Todesfalles durch den Arzt könne einerseits auf dem direkten Weg an das zuständige Gesundheitsamt oder im Rahmen der durch einen Arzt ausgestellten Todesbescheinigung erfolgen. In Sachsen werden die Todesbescheinigungen dann durch die Gesundheitsämter überprüft, erklärt das Sozialministerium auf Anfrage.

"Wenn auf diesen Covid-19 als todesursächlich vermerkt ist, ob nun an erster, zweiter oder dritter Stelle, erfolgt gegebenenfalls die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt", sagt eine Sprecherin. Prinzipiell gelte die Maßgabe, dass ein an Covid-19 verstorbener Patient ohne eine Infektion nach Einschätzung des behandelnden Arztes noch leben würde, auch wenn er bereits zuvor an anderen schweren Vorerkrankungen gelitten hat.

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Sie erklärt weiter: "Der hohe Altersdurchschnitt allein gilt jedoch schon als Risikofaktor. Aus den wenigen vorliegenden Angaben lässt sich ableiten, dass bei einem nicht unerheblicher Anteil der Betroffenen Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- und Lebererkrankungen vorlagen." (mit dpa)

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