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Bloß kein Druck bei den Corona-Impfungen an Schulen

Sachsen führt Corona-Impfungen ab sofort auch in Schulen durch. Auch der Landkreis Mittelsachsen setzt darauf, allerdings mit Vorsicht.

In Sachsen können Impfungen gegen das Coronavirus ab dieser Woche auch an Schulen durchgeführt werden. In Mittelsachsen sollen das Mobile Impfteams ermöglichen.
In Sachsen können Impfungen gegen das Coronavirus ab dieser Woche auch an Schulen durchgeführt werden. In Mittelsachsen sollen das Mobile Impfteams ermöglichen. © dpa

Döbeln. Die Zahl der Impfungen gegen das Coronavirus lässt Medizinern zufolge noch immer zu wünschen übrig. "Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen", erklärte Virologe Christian Drosten zuletzt im Deutschlandfunk. Die Quote sei zu niedrig, die Hospitalisierungsrate bei der Delta-Variante zu hoch. Er rechne fest damit, dass Kontaktbeschränkungen im Herbst wieder nötig werden.

Um die Impfquote in Sachsen zu erhöhen, will der Freistaat freiwillige Impfangebote nun auch an Schulen unterbreiten. Am gestrigen Montag ist die Aktion gestartet.

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14.000 Anmeldungen für Corona-Impfungen, 4.000 pro Tag

Das Angebot sei nicht nur freiwillig, sondern auch kostenlos, betonte das Sächsische Kultusministerium, das dieses zusammen mit dem Sächsischen Sozialministerium und in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) bereitstellt.

Der Aktion war eine Umfrage an Sachsens Schulen vorausgegangen, um vorab festzustellen, wie viele Schülerinnen und Schüler sich impfen lassen wollen. Darüber hinaus können auch Eltern, das Schulpersonal und sonstige Interessenten mitmachen.

14.000 Personen sollen sich Stand Montag zurückgemeldet haben, hieß es sowohl aus dem Kultusministerium als auch vonseiten des DRKs. "Wenn wir davon ausgehen, dass die Impfzentren pro Tag 4.000 Menschen impfen können, ist die Quote okay", sagte DRK-Pressesprecher Dr. Kai Kranich.

Die Impfzentren sollen vor allem in den kreisfreien Städten zum Einsatz bei der Aktion kommen. Schülerinnen und Schüler aus Leipzig, Chemnitz und Dresden könnten sich dort impfen lassen.

In den ländlichen Regionen, wie beispielsweise dem Landkreis Mittelsachsen, wollen die Behörden hingegen auf mobile Impfteams sowie sogenannte Stützpunktschulen setzen.

Erste Bedrohungen gegenüber Schulen in Sachsen

Statt alle Schulen in einem Einzugsgebiet einzeln zu versorgen, soll eine Schule als Stützpunkt fungieren. An vorher festgelegten Terminen kommen Impfteams und Impfwillige dort zusammen und letztere erhalten den Piks.

Welche Schule im Landkreis Mittelsachsen als Stützpunkt fungiert und wann dort die ersten Impfungen durchgeführt werden, dazu äußerten sich DRK und Kultusministerium auf Anfrage nicht. Der Grund: Nachdem einige Schulen bereits vorab durchgesickert waren, sollen diese von Impfgegnern bedroht worden sein. "Am Montag kam es zu einer Demonstration in Borna, eine weitere war für Schkeuditz angekündigt", berichtete Dirk Reelfs, Pressesprecher des Kultusministeriums.

Vonseiten des Landratsamtes Mittelsachsen gab es indes grünes Licht für die Aktion. "Das Impfen hat eine Schlüsselfunktion zur Überwindung der Pandemie", teilte Pressesprecher André Kaiser mit. "Daher ist es wichtig, dass es weiterhin zahlreiche Impfangebote gibt - mit dem Ziel eine hohe Impfquote zu erreichen."

Zu viel Aufwand für Lehreinrichtungen?

Auch Nicole Möller, Vorsitzende des Kreiselternrates Mittelsachsen sowie des Landeselternrats, sprach sich gegenüber Sächsische.de für das Impfen aus. Nach eineinhalb Jahren Pandemie sei es ein wichtiges Ziel, die Schulen offenzuhalten und möglichst wieder einen konstanten sowie zuverlässigen Regelbetrieb sicherzustellen.

Bereits im Vorfeld hatten die Räte jedoch Kritik geübt, dass nach monatelangem unregelmäßigen Unterricht die Schulen nun auch noch dafür verantwortlich gemacht würden, die Impfungen für ihre Schülerinnen und Schüler zu organisieren. "Die Schulen müssen bereits testen. Organisatorisch ist das ein großer Mehraufwand", sagte Nicole Möller.

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Statt in den Lehreinrichtungen plädieren sie dafür, die Impfungen wie gehabt in Impfzentren oder Arztpraxen durchführen zu lassen. Sie warnen davor, dass es durch die Aktion zu Verstößen gegen den Datenschutz kommen könnte, Kinder und Jugendliche sowie ihre Eltern unter Druck geraten könnten.

"Die Anonymität in Arztpraxen und Impfzentren ist an den Schulen zwangsläufig aufgehoben. Es ist sofort klar, wer sich impfen lässt und wer nicht. Und bei Heranwachsenden ist Gruppendruck, der dem Wunsch nach Zugehörigkeit folgt, naheliegend", hieß es in einer Mitteilung des Landeselternrats. "Genau das kann die persönliche Impfentscheidung hinsichtlich pro oder auch contra beeinflussen.“

"Jeder Geimpfte ist ein Schritt in die richtige Richtung“

Die Behörden setzen bei der Aktion deshalb auf Sensibilität, wollen keinen Druck entstehen lassen. "Am Ende ist es immer eine Entscheidung der Person selbst beziehungsweise auch der Eltern, ob eine Impfung erfolgt", sagte Landratsamts-Pressesprecher André Kaiser.

Das Angebot sei freiwillig. Auch eine angemeldete Person könne ihre Bereitschaft, sich impfen zu lassen, jederzeit zurücknehmen.

Über die Wichtigkeit der Aktion scheint es dabei jedoch keine Zweifel bei den Behörden zu geben. "Jeder weitere Geimpfte ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte René Illig, Leiter Soziale Dienste des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen, über das Vorhaben.

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