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Sachsen wollen große Kultur-Events zurück

In der Corona-Zeit wurde vor allem das Live-Erlebnis vermisst, zeigt eine Umfrage. In einer Frage ticken die Sachsen ganz anders als Deutschland.

Andere Zeit, andere Welt: Open-Air-Konzert mit Schlagersänger Roland Kaiser im Jahr 2018 am Dresdner Elbufer.
Andere Zeit, andere Welt: Open-Air-Konzert mit Schlagersänger Roland Kaiser im Jahr 2018 am Dresdner Elbufer. © Ronald Bonß

Ein bisschen Normalität ist seit einigen Wochen wieder zu erleben in Sachsens Theatern, Konzerthäusern und Museen. Das Publikum kehrt allmählich zurück. Aber nicht nur Abstand und Masken bleiben. Viele Häuser haben die Sorge, ein Großteil der Menschen könnte langfristig auf Kultur im öffentlichen Raum verzichten. Sei es aus Angst vor dicht gedrängten Menschenmassen in einer längst nicht vollständig geimpften Gesellschaft. Sei es wegen der Erkenntnis nach vielen Monaten Lockdown: Kultur kann man auch gut und günstig zu Hause genießen. Wozu also noch groß ausgehen?

Zugleich hegen etliche Kultur-Institutionen die Hoffnung, die Zukunft der Branche nach Corona könnte in kleineren, exklusiveren und intimeren Veranstaltungen liegen. So der Tenor, als Sächsische.de vor einigen Wochen mehrere Veranstalter dazu befragt hat. Doch was erwarten die Menschen wirklich von der Kultur, wenn die Corona-Pandemie gebändigt ist? Was haben sie am meisten vermisst, worauf können sie verzichten? Dazu haben Sächsische.de und die Meinungsforscher von Civey mehrere Umfragen gestartet.

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Demnach wünscht sich eine Mehrheit der Sachsen nach der Corona-Zeit vor allem große Events zurück. Fast 40 Prozent nannten diesen Wunsch. Etwa 20 Prozent gaben hingegen an, sie fühlten sich nun in vollen Räumen unwohl. Ebenfalls circa 20 Prozent äußerten den Wunsch, sie wünschten sich jetzt mehr kleinere Kultur-Formate. Und nur rund zehn Prozent meinten, sie würden nach der Lockdown-Erfahrung künftig öfter Kultur-Angebote zu Hause nutzen, wie zum Beispiel Streaming-Aufführungen oder Netflix-Filme.

Der Bedarf an exklusiveren und intimeren Kultur-Formaten scheint sich also in Grenzen zu halten. Zu diesem Befund passen auch die Antworten auf die Frage, was das Kultur-Publikum in der Corona-Zeit am meisten vermisst hat: An vorderster Stelle stehen hier Live-Bühnenauftritte (25 Prozent) und "schick Ausgehen" (21 Prozent).

Das gepflegte Foyer-Gespräch in den Pausen oder nach den Aufführungen scheint demgegenüber nur eine Minderheit vermisst zu haben: Nur acht Prozent der Befragten haben im Lockdown den Austausch mit anderen Zuschauern vermisst. Und gerade mal vier Prozent gaben an, dass ihnen die Nähe zu Künstlerinnen und Künstlern gefehlt hat.

Die Frage, inwieweit Kultur zu den "systemrelevanten" Branchen zählt, wurde in den vergangenen Monaten intensiv diskutiert. Deshalb wollten wir in einer weiteren Umfrage wissen, welchen Stellenwelt die Kultur nach der Corona-Pandemie in der Gesellschaft hat. Eine breite Mehrheit von über 60 Prozent antwortete, dass sie Kultur für unverzichtbar hält. Doch immerhin ein Viertel der Befragten war der Meinung, Kultur sei generell verzichtbar.

In all diesen Fragen entsprechen die Umfrage-Ergebnisse aus Sachsen in der Tendenz ungefähr den bundesweiten Ergebnissen, mit teilweise nur leichten prozentualen Unterschieden. In einem Punkt jedoch weicht Sachsen ganz deutlich von der deutschlandweiten Stimmung ab: Bei der Frage, ob die 2-G-Regel - also Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene - für den Kulturbereich sinnvoll sei, sind die Sachsen gespalten: 49 Prozent der Befragten antworteten mit Ja, auf der anderen Seite lehnten 45 Prozent die 2-G-Regel für die Kultur ab.

Bundesweit ist die Zustimmung deutlich höher: 68 Prozent der Deutschen halten die 2-G-Regel in Theatern, Konzerten etc. für vernünftig. Und nur 28 Prozent lehnen sie ab.

Für das Gesamtergebnis der Umfrage wurden die Antworten von 5.002 bis 5.005 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten vom 20. bis zum 21. September berücksichtigt. Die daraus ermittelten Sachsen-Stichproben betragen 306 bis 328 Befragte. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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