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Sachsens größtes Bordell ist jetzt ein Corona-Testcenter

Nach der Schließung wegen Corona schulte der FKK-Saunaclub in Leipzig auf Covid-Tests um und bietet seinen Service jetzt rund um die Uhr.

Von Sven Heitkamp
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Der FKK-Saunaclub in Leipzig ist wohl eines der bekanntesten Freudenhäuser in Sachsen. Da der Betrieb bereits seit November untersagt ist, hat sich die Geschäftsführung entschieden, ein 24/7-Testzentrum zu öffnen.
Der FKK-Saunaclub in Leipzig ist wohl eines der bekanntesten Freudenhäuser in Sachsen. Da der Betrieb bereits seit November untersagt ist, hat sich die Geschäftsführung entschieden, ein 24/7-Testzentrum zu öffnen. © Jürgen Lösel

Leipzig. Corona-Testzentren wurden schon an den erstaunlichsten Orten eröffnet, in Kneipen, Kirchen und Konzerthäusern etwa. In Leipzig gibt es jetzt die wohl ungewöhnlichste Adresse für den schnellen, kostenlosen Covid-Test: im FKK Saunaclub „Am Wasserturm“ – Sachsens größtes Freudenhaus. Prostitution und Bordellbetriebe sind seit 21. November per Corona-Notfall-Verordnung wieder im Lockdown, statt regem Verkehr herrscht seither tote Hose.

Franziska Mantello, die Geschäftsführerin des Clubs, hat aus der Not eine Tugend gemacht: Test statt Triebe, Stäbchen statt Spitze. An dem weit über die Stadt bekannten roten Haus steht jetzt in großen Lettern: „Testzentrum“.

Ein ganz moralisches Angebot. Gleich vorn an der Rezeption, wo sonst Bademäntel, Handtücher und Spindschlüssel ausgegeben werden, warten die Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter nun mit Wattestäbchen, Testkit und Schutzvisier auf die nächsten Kunden.

Eigentlich arbeitet Sabine Jahn an der Rezeption des FFK-Saunaclubs in Leipzig. Nun führt sie stattdessen Coronatests durch.
Eigentlich arbeitet Sabine Jahn an der Rezeption des FFK-Saunaclubs in Leipzig. Nun führt sie stattdessen Coronatests durch. © Jürgen Lösel

„Warum nicht?“, fragt Franziska Mantello. „Wir haben den Platz, wir haben die Kapazitäten und wir sind erfahrene Dienstleister. Bei uns wird jeder freundlich behandelt.“

Das Konzept für das Testzentrum sei von der Stadt abgenickt, und Erfahrungen mit dem Testen hat das Team im Lusttempel ohnehin. „Wir haben schon eine Weile im regulären Betrieb Gäste, Mädels und Mitarbeiter getestet“, erzählt Mantello.

Schließzeit? Gibt es im FFK Saunaclub nicht

Das Besondere sind neben dem Ambiente die Testzeiten: Geöffnet ist rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche. „Ein Testzentrum, das nur wochentags von 8 bis 18 Uhr offen ist, nutzt Schichtarbeitern oder Außendienstlern auf der Durchreise doch nichts“, sagt Mantello. „Die brauchen einen Test zu anderen Zeiten.“

Selbst mitten am Nachmittag herrscht daher beinah unbekümmertes Kommen und Gehen auf der Schwelle zum Rotlicht: Alle paar Minuten steckt jemand fragend den Kopf durch die gläserne Schiebetür: Ein Monteur auf der Durchfahrt zum nächsten Auftrag.

Eine Frau, die ihre Mutter im Seniorenheim in der Nähe besuchen will. Ein Familienvater mit Schnupfen, der Klarheit will. Ein junges Pärchen, das am nächsten Morgen in die Schweiz reisen muss. Die meisten kommen ohne Termin und lassen sich von der verruchten Adresse nicht abschrecken.

Vom FKK ist derzeit nichts geblieben im Saunaclub.
Vom FKK ist derzeit nichts geblieben im Saunaclub. © Jürgen Lösel

Unter einem silbernen Kronleuchter nehmen die Kunden auf einem einfachen schwarzen Stuhl neben der Tür Platz – direkt vor einem lebensgroßen Bild einer hübschen Blonden im roten Kleid. Empfangsdame Sabine Jahn oder eine ihrer Kolleginnen dreht das Stäbchen routiniert und extrem vorsichtig in der Nase des Gastes. Gut zehn Minuten später druckt sie das Testergebnis aus.

Wie viele Kunden bisher schon kamen, darüber schweigt die Geschäftsführerin. Es gehe nicht um Einnahmen, sagt sie. Sondern darum, das Personal weiter zu beschäftigen und das Haus offen zu halten. Immerhin beschäftigt der weitläufige FKK Saunaclub auf drei Etagen 20 festangestellte Mitarbeiter, darunter ein ganzes Küchenteam, Servicekräfte, eine Wäscherei, Empfangsdamen und drei Hausmeister, die das Haus Tag und Nacht am Laufen halten.

Nachts ist immer ein Mann dabei

Elf Mitarbeiter habe sie zu den Corona-Test-Schulungen beim Roten Kreuz geschickt, um den Drei-Schicht-Betrieb durchzuhalten. Nachts arbeitet immer einer der Männer. Auch die rührige Chefin selbst hat die Lizenz zum Testen. „Ich bin immer Vorbild“, sagt die 49-jährige gelernte Floristin mit italienischen Wurzeln, die viele Jahre ihres Lebens im Rotlichtmilieu verbracht hat. Seit 2013 ist sie Chefin des Saunaclubs.

Im regulären Betrieb zahlen die Gäste 60 Euro für Sauna, Buffet und Getränke. „Alle anderen Wünsche handeln die Gäste mit den Mädels selbst aus“, sagt Mantello. Derzeit seien die jungen selbstständigen Frauen allerdings weitergezogen, um anderswo Geld zu verdienen. Sie hofft, dass sie bald zurückkehren können zum geregelten Verkehr. „Auf Dauer“, sagt sie, „ist das Testzentrum allein doch nicht befriedigend.“