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Sachsens Wettlauf um Corona-Apps

Wer setzt sich bei Veranstaltern von Weihnachtsmärkten und Konzerten durch? Dresdner bieten konkurrierende Technik.

Die Corona-App Pass4all von Jörg Meißner (links) und Kathleen Parma wird beim Familienfest Goldener Reiter ausprobiert. Veranstalter Frank Schröder nutzt die Technik, aber die Namen von Besuchern erfährt höchstens das Gesundheitsamt.
Die Corona-App Pass4all von Jörg Meißner (links) und Kathleen Parma wird beim Familienfest Goldener Reiter ausprobiert. Veranstalter Frank Schröder nutzt die Technik, aber die Namen von Besuchern erfährt höchstens das Gesundheitsamt. © Marion Doering

Dresden. Das wird ein Test, der für viele sächsische Weihnachtsmärkte Vorbild werden kann: Beim Familienfest Goldener Reiter am kommenden Wochenende will der Dresdner Veranstalter Frank Schröder zeigen, wie Hygiene und Corona-Warnung funktionieren. Schröder ist auch Organisator des Weihnachtsmarktes auf der Prager Straße in Dresden und bietet als einer der ersten seinen Besuchern die Corona-Warn-App namens Pass4all an. Sie ist von Dresdnern entwickelt worden.

Schröder will die Warteschlangen vor den Bratwurstbuden mit kleinen Zäunen regulieren und alle halbe Stunde über Lautsprecher zum Abstandhalten auffordern. Doch vor allem möchte er seinen Gästen möglichst die Meldezettel mit Namen und Telefonnummer ersparen. 

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Erste Veranstalter setzen sie ein

Wer am kommenden Wochenende vor der Bühne am Goldenen Reiter sitzen und dem Sänger Anthony Weihs oder dem Roland-Kaiser-Double Steffen Heidrich zuhören möchte, der kann zwar eine Karte mit seinen Kontaktdaten in eine Box werfen – damit das Gesundheitsamt im Fall einer Corona-Infektion die Besucher informieren kann. Doch Veranstalter Schröder findet es umständlich, Zettel zwei Wochen lang geordnet aufzubewahren, dann zu vernichten oder im Infektionsfall dem Gesundheitsamt zum Digitalisieren zu bringen.

Die Dresdner App Pass4all soll eine Erleichterung für Besucher, Veranstalter und Gesundheitsamt werden. Schröder sagte bei einem Pressegespräch am Dienstag, damit unterstütze er zugleich eine Erfindung aus der Region. Pass4all wurde von der Dresdner Softwarefirma Casonex programmiert. Um die Vermarktung kümmert sich unter anderem Jörg Meißner, der mit Krimi-Dinnerpartys selbst Erfahrung als Veranstalter hat. Meißner möchte, dass möglichst viele Besucher von Märkten und Konzerten seine App installieren. Im Google-Playstore und im Apple-Store lässt sie sich gratis herunterladen. Bezahlen müssen nur die Veranstalter – an die neue Pass4all GmbH in Dresden. Der Leipziger Konzertveranstalter Mawi setzt die App schon ein.

Angeblich sicherer, und aus Dresden

Anonym, schnell und sicher soll die App funktionieren, sagt Meißner. Wer ein Konzert besucht oder etwa den Abschnitt eines Weihnachtsmarkts vor einer Bühne, der scannt am Eingang einen dort angebrachten QR-Code. Das genügt, damit die Daten des Besuchers im Infektionsfall dem Gesundheitsamt gemeldet werden können – und nur dem. Laut Meißner bekommen weder sein Unternehmen noch die Veranstalter die Namen der Besucher heraus. Die Gäste selbst jedoch können in der Historie auf ihrem Smartphone nachlesen, wo sie gewesen sind, und das Gesundheitsamt im Fall einer Corona-Infektion informieren.

Mit QR-Codes arbeiten auch die Dresdner Marius Gebert und Jonas Kellert, die über ihre Internetseite guestident.de ebenfalls Smartphones zur Kontaktnachverfolgung bei Veranstaltungen einsetzen wollen. Die Jugendlichen stellen ihre Anwendung gratis zur Verfügung, suchen aber Sponsoren. Bei Guestident steht nach eigenen Angaben „Einfachheit im Mittelpunkt“. Gäste sollen nicht erst eine App herunterladen müssen. 

Marius Gebert und Jonas Kellert (l.) haben eine Corona-Warnlösung fürs Handy entwickelt, die übers Web statt über eine App läuft.
Marius Gebert und Jonas Kellert (l.) haben eine Corona-Warnlösung fürs Handy entwickelt, die übers Web statt über eine App läuft. © privat

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Die Macher von Pass4all dagegen werben damit, ihre App biete mehr Datensicherheit und mehr Funktionen als die Web-Lösung. Eine Konkurrenz zur Corona-Warn-App, die von der Bundesregierung empfohlen wird und Nutzer informiert, wenn sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben, wollen sie nicht sein – aber eine Ergänzung.

www.pass4all.de
www.guestident.de
www.zusammengegencorona.de

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