merken
PLUS Wirtschaft

Sächsische Aufbaubank holt bei Coronahilfen auf

Die staatliche Förderbank SAB in Dresden hat den Großteil der Corona-Hilfsgelder an Sachsens Wirtschaft ausgezahlt. Die neue Chefin setzt neue Ziele.

Der Säulengarten vor dem Neubau der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in Leipzig: Trotz Corona ziehen in sechs Wochen die ersten 200 Banker von Dresden nach Leipzig. Die Hilfsprogramme sollen weiterlaufen.
Der Säulengarten vor dem Neubau der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in Leipzig: Trotz Corona ziehen in sechs Wochen die ersten 200 Banker von Dresden nach Leipzig. Die Hilfsprogramme sollen weiterlaufen. © dpa-Zentralbild/Jan Woitas

Dresden. Millionen-Zuschüsse aus dem Hotelzimmer: Als sächsische Behörden wegen Corona einen großen Teil ihrer Angestellten ins Homeoffice schickten, mietete die Sächsische Aufbaubank (SAB) Räume im benachbarten Dorint-Hotel in Dresden an. Auch von dort aus bearbeiteten die fast 1.200 Mitarbeiter der landeseigenen Förderbank voriges Jahr die Hilfsanträge sächsischer Unternehmer.

Trotz aller Kritik am Tempo: Laut Vorstandschefin Katrin Leonhardt, erst seit Juli im Amt, sind die Coronahilfen „leistungsfähig abgewickelt“ worden. Sachsen liege im Bundesvergleich auf vorderen Rängen, allerdings sei das nicht jederzeit gelungen.

Anzeige
Die neuesten Modelle von Lexus entdecken
Die neuesten Modelle von Lexus entdecken

Inspiriert vom Heute - geschaffen für das Morgen. Ein Leitsatz, den Lexus mit seinen Automodellen verkörpert. Jetzt die neuesten Luxus-Modelle entdecken.

Auf ihrer Bilanzpressekonferenz sagte Leonhardt am Dienstag, noch mehr Personal für die Hilfsanträge hätte nicht zu mehr Geschwindigkeit geführt. Denn die Anträge seien in der Regel elektronisch und oft „taggleich bewilligt“ worden. Manchmal mussten Antworten von Finanzbehörden oder Steuerberatern abgewartet werden. „Der Personaleinsatz war genau richtig“, sagte die SAB-Chefin. Zeitweise hätten 40 Mitarbeiter vom Landesamt für Finanzen geholfen.

Vorstandschefin Katrin Leonhardt will die Sächsische Aufbaubank "vereinfachen, standardisieren und digitalisieren". Die Standorte Leipzig und Dresden würden gleichberechtigt.
Vorstandschefin Katrin Leonhardt will die Sächsische Aufbaubank "vereinfachen, standardisieren und digitalisieren". Die Standorte Leipzig und Dresden würden gleichberechtigt. © Sebastian Kahnert/dpa

54 Prozent der sächsischen Firmen bekamen Coronahilfe

Jetzt sind laut SAB die November- und Dezemberhilfen in Sachsen zu rund 98 Prozent ausgezahlt, von den Überbrückungshilfen III bisher 71 Prozent – dort kommen aber noch Anträge hinzu. Mehr als die Hälfte der sächsischen Unternehmen haben Corona-Hilfen bekommen: 54 Prozent.

Die SAB erteilte 152.000 Bewilligungen – teilweise mit Überstunden und Feiertagsarbeit. Die Bank habe Corona „als Sprungbrett“ genutzt, um schneller und moderner zu werden, sagte der zuständige Leiter Harald Herter.

Wegen der Corona-Hilfen ist allerdings anderswo „Arbeit liegengeblieben“, räumte Vorstandsmitglied Ronald Kothe ein. Im Jahr zuvor hatte die SAB rund 6.600 Anträge mehr zu Nicht-Corona-Themen bewilligt. Für dieses Jahr hat sich die Förderbank vorgenommen, wieder mehr Geld für Wirtschafts- und Wohnungsbauförderung auszugeben.

Im vorigen Jahr blieben die Anträge auf Kredite „deutlich hinter den Erwartungen zurück“. Auch Unternehmen, die weniger unter Corona zu leiden hatten, blieben wegen der allgemeinen Unsicherheit vorsichtig mit Investitionen. Im SAB-Geschäftsbericht steht, dass die Bank starken Zuwachs bei Beratungen für Unternehmen in Schwierigkeiten hatte.

Bisher ist das der Sitz der SAB in Dresden, nahe dem Großen Garten. Im benachbarten Dorint-Hotel statt im Homeoffice wurde ein Teil der Corona-Anträge bearbeitet, um Ansteckungen zu vermeiden. Nun wird Leipzig die Zentrale.
Bisher ist das der Sitz der SAB in Dresden, nahe dem Großen Garten. Im benachbarten Dorint-Hotel statt im Homeoffice wurde ein Teil der Corona-Anträge bearbeitet, um Ansteckungen zu vermeiden. Nun wird Leipzig die Zentrale. © Jürgen Lösel

Wohnungsbaukredite blieben liegen

Zuschüsse für Wohnungsbau wurden der Bank voriges Jahr sehr gerne abgenommen. Dagegen blieb die Nachfrage nach Krediten hinter den Erwartungen zurück. Für Bildung und Soziales gab es weniger Fördermittel – Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hatte das jüngst mit der „Förderlücke“ zwischen zwei EU-Siebenjahresperioden begründet, aber neue Hilfen angekündigt.

Die SAB verteilte voriges Jahr fast 3,8 Milliarden Euro Fördermittel, davon rund 40 Prozent über Corona-Programme. Als erstes Bundesland stellte Sachsen Mitte März ein Programm „Sachsen hilft sofort“ vor, mit dem fast 20.000 Unternehmen ein zehnjähriges zinsfreies Darlehen bekamen. Freilich folgte rasch die Forderung nach Zuschüssen statt Krediten. Die Zuschüsse kamen dann vom Bund.

Laut Bank-Chefin Leonhardt wird die SAB sich künftig stärker um Wirtschaftsförderung kümmern und das Kreditgeschäft ausweiten – zusammen mit anderen Banken. Die Anträge sollen weiter vereinfacht, digitalisiert und beschleunigt werden.

Wie andere Banken macht auch die SAB weniger Gewinne mit dem Zinsgeschäft. Leonhardt erwartet, dass die Niedrigzinsen dauerhaft bleiben. Für dieses Jahr rechnet sie mit einem stabilen Geschäft, aber weniger Gewinn.

SAB behält Kundencenter in Görlitz und Chemnitz

Wegen der Ansteckungsgefahr arbeitet auch jetzt noch mehr als die Hälfte der Bankangestellten zu Hause. Zusätzliche Schichten passend zur Kinderbetreuung wurden eingeführt. Dennoch hält die SAB am geplanten Teil-Umzug von Dresden in die neue Leipziger Zentrale fest.

„In sechs Wochen ziehen wir mit einem Teil unserer Mannschaft um“, sagte Leonhardt. Der Neubau biete „neue Arbeitswelten“ mit viel Platz. Zunächst ziehen dort gut 200 Beschäftigte ein, ab Anfang nächsten Jahres sollen es über 400 werden. Der Standort Dresden bleibe gleichwertig.

Weiterführende Artikel

"Der Staat pumpt sich zurzeit leer"

"Der Staat pumpt sich zurzeit leer"

Hans-Joachim Kraatz, Steuerberater und Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe Sachsen, findet Fehler bei den Überbrückungshilfen.

Was Sachsens Firmen von Europa haben

Was Sachsens Firmen von Europa haben

Geld-Umverteilung über Brüssel: Ohne EU-Zuschüsse gäbe es seinen Betrieb so nicht, sagt ein Chemnitzer Experte für 3D-Druck. Seine Kollegen planen schon für den Mars.

Sachsen unterstützt den sozialen Wohnungsbau

Sachsen unterstützt den sozialen Wohnungsbau

Die Mittel für den sozialen Wohnungsbau werden aufgestockt. Zudem gibt es nun auch Unterstützung für Regionen abseits der Großstädte.

Sachsen legt Härtefallprogramm auf

Sachsen legt Härtefallprogramm auf

Ab Mai stehen 75 Millionen Euro zur Verfügung für Unternehmen und Selbstständige, die bislang keine Corona-Hilfen beantragen durften.

Leonhardt sagte auf Nachfrage, die Kundencenter in Görlitz und Chemnitz blieben erhalten, dazu zweimal pro Woche Sprechstunden in Weißwasser im Büro für Strukturentwicklung. Die SAB sei auch künftig zuständig für Themen wie Energiewende, Strukturwandel, Digitalisierung und Bildung.

Mehr zum Thema Wirtschaft