merken
PLUS Sebnitz

Wirte in der Sächsischen Schweiz bei 2G skeptisch

Im Gastgewerbe rumort es. Schon bei der 3-G-Regel kommen Wirte wegen der Kontrollen an ihre Grenzen. Und manche lehnen die Corona-Regeln ganz ab.

Die 2-G-Regel ist freiwillig. Die Gastwirte in der Sächsischen Schweiz haben dennoch die Nase voll.
Die 2-G-Regel ist freiwillig. Die Gastwirte in der Sächsischen Schweiz haben dennoch die Nase voll. © Kristin Richter

Gastwirte kennen sich mit Zahlen gut aus. Mal sind sie schlecht, mal super. Doch mit zwei Zahlen steht ein Großteil der Gastronomen in der Sächsischen Schweiz mittlerweile auf Kriegsfuß - mit den Ziffern 3 und 2 und mit den Corona-Regeln, die dahinter stehen. Die bringen Gastronomen in arge Bedrängnis.

Gerd Rothländer vom Gasthaus "Weiße Taube" in Pirna hat draußen ein Schild stehen: Hier gilt die 3-G-Regel. Daran halten sich er und sein Team. Sie kontrollieren, ob Gäste getestet, geimpft oder genesen sind. Bei einem Großteil stößt das auf Verständnis, aber nicht bei jedem. "Wir haben viele Gäste eingebüßt. Bei uns haben schon ganze Gesellschaften deswegen abgesagt. Einige sonst große Feierrunden sind kleiner geworden", sagt Rothländer. Manche Leute wären sogar noch bereit, sich fix testen zu lassen, aber nach 17 Uhr bekommt man offenbar nirgends mehr einen Test in Pirna.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Vor allem aber ist der Ton der Gäste rauer geworden. Als Gastwirt müsse man sich jetzt schon einiges von den Kunden anhören, wie zum Beispiel: "Wenn sie unser Geld nicht brauchen, gehen wir in eine andere Gaststätte." Und genau damit steht Rothländer auf Kriegsfuß. Nicht, weil die Leute eine andere Gaststätte wählen, sondern weil sie in eine gehen, wo die 3-G-Regeln nicht so genau genommen werden. "Wir setzen sie durch und sind die Blöden", schimpft der Wirt. Und er ärgert sich vor allem darüber, dass nicht kontrolliert wird, ob die Gaststätten diese Vorschriften auch einhalten.

Die 3-G-Regel bedeutet: Wer nicht vollständig geimpft ist oder nicht als genesen gilt, muss entweder einen Antigen-Schnelltest (maximal 24 Stunden alt) oder einen PCR-Test (maximal 48 Stunden alt) vorlegen. Tests sind damit für viele eine Voraussetzung unter anderem zum Besuch von Innengastronomie. Gleiches gilt für Beherbergungen etwa in Hotels und Pensionen.

Freiwillig können Wirte die 2-G-Regel anwenden. Bei der reicht ein Test nicht aus, hier haben nur Geimpfte oder Genesene Zutritt. Die dürfen sich aber dann ohne Abstand und Maske bewegen. Damit wären wieder Partys und große Feiern fast wie im Normalzustand möglich. Deshalb haben einige Dresdner Gastwirte bereits von der Regel Gebrauch gemacht.

Angst ums Stammpublikum

Die Stimmung in der Sächsischen Schweiz aber ist schlecht. Zum Thema möchten sich viele Gastronomen gar nicht öffentlich äußern. "Unser Ort ist gespalten. Ich möchte nicht noch mehr Gäste einbüßen", heißt es zum Beispiel von einem Gaststättenbetreiber. Wieder andere sagen offen, dass sie nicht kontrollieren, weil es personell nicht zu schaffen ist, schon gar nicht in den Stoßzeiten. Und Stammkunden aus der Nachbarschaft könne man sowieso nicht wegschicken. Wenn sich das herumspreche, könne man ganz zumachen. So einige Argumente.

Und es gibt diejenigen, die für sich einen eigenen Weg gewählt haben, wie das Eis-Café Mario Gelato in Bad Schandau. Auf dem Facebook-Post ist deutlich zu erkennen: Die 3-G-Regel gilt dort nicht. Und die Betreiber begründen das auch. "Wir werden unsere gesunden Gäste nicht aussperren. Es reicht. Die Gastronomie war seit Beginn an sicher. Wir haben Maßnahmen und Regeln eingehalten, Konzepte geschaffen. Wir sind glücklich über jeden Gast." Es sei Aufgabe der Gastronomen, den Menschen einen Treffpunkt zu bieten. Das Eis-Café hat sich deshalb auch der nicht umstrittenen Aktion "Alle sind willkommen" angeschlossen.

Wirte befürchten noch Schlimmeres

"Mit der Einführung der 3-G-Regel können wir leben, bei 2G wird es schon schwieriger, und mit einer sogenannten 1-G-Regel, wie es Österreich plant, was dann später vielleicht auch in Deutschland kommen wird, werden wir alle einen bis zu 50-prozentigen Umsatzrückgang erleben", befürchtet Christian Heinze von der Pension Goldstück und vom Gasthof "Zum Roten Haus" in Bad Schandau. Einige würden dann am Ende wohl das Licht ausmachen.

Im Landhotel "Zum Erbgericht" im Stolpener Ortsteil Heeselicht sieht man der 2-G-Regel ebenfalls sorgenvoll entgegen. Schon jetzt merke man, dass die Urlauber verunsichert sind. Es gebe inzwischen auch schon Stornierungen, sagt Philipp Haufe. "Wir fällen die Entscheidungen nicht und haben auch darauf keinen Einfluss. Wir sind aber in jedem Fall immer die Buhmänner", sagt er.

Weiterführende Artikel

Corona: Was Görlitzer Wirte von 2G halten

Corona: Was Görlitzer Wirte von 2G halten

Zu kompliziert, zu viel Aufwand: Die neue Corona-Schutzverordnung sehen Gastronomen in Görlitz kritisch. Parteiübergreifend.

Der Sommer sei generell gut gelaufen. Und alle Gastronomen in der Sächsischen Schweiz hätten gezeigt, dass es funktionieren kann. Jede Gaststätte habe ihr Hygienekonzept, an das man sich auch halte. "Im Supermarkt, wenn sich die Menschen an den Wühltischen tummeln, sagt auch keiner was", so der junge Mann. Egal welchen Weg man einschlage, es werde nie der richtige oder der falsche sein. Davon geht er aus. "Aus gastronomischer Sicht ist das alles einfach nur doof. Wir wollen doch nur die Gäste glücklich machen", sagt er.

Mehr zum Thema Sebnitz