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Rettung für die Waldidylle Gohrisch

Das ehemalige Kurhaus stand viele Jahre leer. Eine Unternehmerfamilie aus Pirna hat das Objekt jetzt für 1,6 Millionen Euro saniert - und als Pension eröffnet.

Wollen die "Waldidylle" in Gohrisch wieder zu einer touristischen Perle machen: Bauunternehmer Ralf Böhmer mit seiner Tochter Jana, die die Pension künftig betreibt.
Wollen die "Waldidylle" in Gohrisch wieder zu einer touristischen Perle machen: Bauunternehmer Ralf Böhmer mit seiner Tochter Jana, die die Pension künftig betreibt. © Steffen Unger

Der Kurort Gohrisch entwickelt sich zum neuen Urlaubermagneten in der Sächsischen Schweiz. Nachdem Anfang des Jahres der Landgasthof Quartier 5 im ehemaligen "Annas Hof" eröffnet wurde, kommt nun eine weitere Adresse hinzu. Die Pension "Waldidylle" wird wiedereröffnet.

Das einstige Kurhaus, das 1904 erbaut wurde, gehörte über Jahrzehnte zu den Hotelperlen in Gohrisch. Zu DDR-Zeiten wurde die denkmalgeschützte Villa an der Papstdorfer Straße als Ferienheim des Kabelwerkes Oberspree genutzt. Nach der Wende kaufte eine Familie aus dem Kurort das Objekt von der Treuhand, um es als Pension zu betreiben. Viele Jahre ging das Konzept auf. Dann war es mit der "Waldidylle" vorbei.

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Corona-Krise zum Umbau genutzt

Die goldenen Zeiten sollen nun zurückkehren. Dafür will ein bekannter Unternehmer aus Pirna sorgen: Ralf Böhmer. Er hat das Objekt vor einem Jahr gekauft. Genau zu Beginn der Corona-Krise. Für Böhmer, Inhaber der Firmen Lohmen Bau Pirna GmbH und der Ralf Böhmer GmbH, war der Beginn der Krise dennoch kein Grund, das Projekt fallenzulassen. "Im Gegenteil", sagt er.

Eine Maklerin sei wenige Wochen zuvor auf ihn zugekommen, um ihm die leer stehende "Waldidylle" schmackhaft zu machen. Das rund 8.000 Quadratmeter große Grundstück und die etwa 800 Quadratmeter große Villa waren damals jedoch wenig ansehnlich. Das Grundstück war zugewuchert, das Haus in einem schlechten Zustand. "Es herrschte der Charme von 1985", sagt Böhmer. Das Projekt reizte den Bauunternehmer dennoch und der Kauf war besiegelt.

In der Weihnachtszeit begannen die Bauarbeiten - oder besser gesagt der Abriss. Das Haus, hinter dem der berühmte Malerweg entlang führt, musste entkernt und aufwendig saniert werden. Für Böhmer, der ein Spezialist in Sachen Bau ist, war das vergangene halbe Jahr dennoch eine Herausforderung. "Durch die Corona-Pandemie kam es zu Verzögerungen, der Ablauf geriet ins Stocken", erklärt er. Hinzu kamen die gestiegenen Materialpreise. Rund 1,6 Millionen Euro hat er am Ende in den Kauf und die Sanierung der "Waldidylle" investiert, die nun als Pension in Betrieb gehen kann.

Farbschema auf Rhododendron abgestimmt

Dass es den Urlaubern künftig an nichts fehlt, dafür wird Ralf Böhmers Tochter Jana sorgen. Als neue Chefin des Hauses kümmert sie sich um das Tagesgeschäft. Bereits beim Umbau hat sie mitgewirkt und auch die Inneneinrichtung ausgesucht: Diese orientiert sich an einem ganz speziellen Thema, das typisch ist für Gohrisch - dem Rhododendron.

In fast jedem Vorgarten wächst die Alpenrose. Auch rund um die "Waldidylle" ist der Rhododendron zu finden. Künftig auch in der Villa. Viele Gästezimmer schmückt Tapete mit dem klassischen Blumenmotiv. Auf die lila Blüten und das Türkis der Blätter wurde das Farbschema der Pension angepasst. Vorhänge und Betten in Türkis treffen auf Polstermöbel in zartem Rosé.

Vom Gastraum und der neu gebauten Terrasse können Besucher den Blick hinüber zum Lilienstein genießen.
Vom Gastraum und der neu gebauten Terrasse können Besucher den Blick hinüber zum Lilienstein genießen. © Steffen Unger
Im Garten der Pension "Waldidylle" entsteht derzeit ein Teich mit Saunahaus. In der finnischen Sauna sollen bis zu acht Personen schwitzen können.
Im Garten der Pension "Waldidylle" entsteht derzeit ein Teich mit Saunahaus. In der finnischen Sauna sollen bis zu acht Personen schwitzen können. © Steffen Unger
Wald und Idylle vereint in einer Tapete im Eingangsbereich der Pension "Waldidylle".
Wald und Idylle vereint in einer Tapete im Eingangsbereich der Pension "Waldidylle". © Steffen Unger
Rhododendren sind typisch für Gohrisch. Die Alpenrosen finden sich zum Beispiel an den Wänden in den Ferienzimmern wieder.
Rhododendren sind typisch für Gohrisch. Die Alpenrosen finden sich zum Beispiel an den Wänden in den Ferienzimmern wieder. © Fotograf Dipl.-Ing. Sebastian W

Insgesamt 15 Gästeeinheiten gibt es in der neuen Villa "Waldidylle" und dem Nebengebäude - acht Doppelzimmer, ein Familienzimmer mit zwei Schlafzimmern und sechs Ferienwohnungen. Manche Zimmer sind mit einer kleinen Küche ausgestattet, manche sogar barrierefrei. "In der Pension bieten wir täglich Frühstück an", sagt Jana Böhmer. Auf einen eigenen Restaurantbetrieb habe man dagegen bewusst verzichtet. "In Gohrisch gibt es genügend gute Gasthäuser", sagt Ralf Böhmer.

In den Sommerferien ausgebucht

Abheben will sich die Pension dennoch. Nicht nur mit der direkten Lage am Malerweg. Auf dem Parkplatz gibt es eine Ladestation für Elektroautos. Im Garten entsteht derzeit ein Teich mit Saunahaus und Liegewiese. Bis zu acht Personen sollen in der finnischen Sauna schwitzen können.

Jana Böhmer hat bereits bis in den Herbst hinein Reservierungen entgegen genommen. "Die Ferienwohnungen sind in den Sommerferien bereits komplett ausgebucht", sagt sie. Die Neueröffnung hätte sich über Mundpropaganda herumgesprochen, obwohl kaum Werbung dafür gemacht wurde. Die Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück gibt es in der Nebensaison beispielsweise für 95 Euro.

Für das nächste Jahr steht bereits das nächste Projekt an. Dann wollen Jana und Ralf Böhmer, die die Waldidylle als OHG betreiben, die Pension zertifizieren lassen. "Wir rechnen aufgrund des hohen Standards mit vier Sternen", sagt Jana Böhmer.

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