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Fünf Regeln für ein faires Trennungsjahr

In der Pandemie kommt es häufiger zu Streit. Wenn es gar nicht mehr geht, hilft besonnenes Vorgehen.

Vor der Scheidung kommt erst ein Trennungsjahr. In dieser Zeit gibt es für die Eheleute einiges zu tun - und anderes zu lassen. Sonst scheitert der Scheidungsantrag im schlimmsten Fall.
Vor der Scheidung kommt erst ein Trennungsjahr. In dieser Zeit gibt es für die Eheleute einiges zu tun - und anderes zu lassen. Sonst scheitert der Scheidungsantrag im schlimmsten Fall. © 123rf

Von Sabine Meuter und Kornelia Noack

Den ganzen Tag zu Hause mit dem Partner verbringen, Arbeiten im Homeoffice, umgeben von Kindern, die Hilfe beim Homeschooling benötigen – die Pandemie ist für viele Partnerschaften ein Stresstest. Experten sagen bereits eine Scheidungswelle voraus. Die jüngsten verfügbaren Zahlen stammen von 2019. Vor den sächsischen Familiengerichten wurden in diesem Jahr 6.283 Ehen geschieden – 140 mehr als 2018.

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Die Auswirkungen der Pandemiezeit werden sich erst viel später zeigen. Denn vor einer Scheidung muss das Trennungsjahr abgewartet werden. „Diese zwölf Monate sollen Eheleute in erster Linie vor einem übereilten Entschluss bewahren und die Versöhnung ermöglichen“, sagt Tim Hofmann, Geschäftsführer der Notarkammer Sachsen. Doch welche Regeln gelten im Trennungsjahr? „Eine ganze Reihe“, erklärt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht.

1. Kein gemeinsamer Haushalt

Während des Trennungsjahres müssen die Ehegatten getrennt leben. In der Regel zieht einer der Ehepartner aus der gemeinsamen Wohnung aus. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, dass beide das Trennungsjahr in der Wohnung verbringen – dann aber getrennt von Tisch und Bett. „Keinesfalls dürfen die Eheleute dann gemeinsam einen Haushalt unterhalten“, stellt der Berliner Rechtsanwalt Steffen Zimmermann klar. Kochen, Wäsche waschen, Lebensmittel einkaufen und anderes müssen getrennt passieren. Bei einer gemeinsamen Wohnung sind die Räume aufzuteilen und jeder Ehepartner darf nur noch bestimmte Zimmer nutzen.

In der Corona-Zeit dürfte die räumliche Trennung für viele Paare zu einer Herausforderung werden. Eine neue Wohnung zu finden, ist schwierig. Auch der Umzug zu einem Freund ist kaum mit den geltenden Kontaktbeschränkungen vereinbar. Ob Gerichte künftig die corona-bedingten Einschränkungen berücksichtigen, ist noch offen.

2. Trennung schriftlich dokumentieren

Das Jahr beginnt damit, dass einer der Eheleute dem anderen den Trennungswunsch mitteilt und die Trennung dann erfolgt. Sie ist schriftlich mit Datum zu dokumentieren, um im späteren Scheidungsverfahren ein Beweismittel zu haben. „Das kann formlos auf einem Stück Papier geschehen, auf dem beide unterschreiben“, so Becker.

Auch mit einem anwaltlichen Schreiben kann einer der Partner dem anderen seine Trennungsabsicht mitteilen. Generell gilt: Der Ehepartner mit dem geringen Einkommen hat einen Anspruch auf Trennungsunterhalt. „Die Angemessenheit und damit auch die Höhe des Unterhalts bestimmen sich nach den gemeinsamen ehelichen Lebensverhältnissen“, so Hofmann. Gibt es gemeinsame Kinder, dann bleibt es im Trennungsjahr beim gemeinsamen Sorgerecht – so lange kein Elternteil die Übertragung der Alleinsorge beantragt.

Weitere Regeln im Trennungsjahr: Der Elternteil, der die minderjährigen Kinder betreut und versorgt, erfüllt dadurch seine Unterhaltsverpflichtung. Der andere Elternteil ist verpflichtet, Barunterhalt zu leisten. Außerdem hat ein Partner Anspruch darauf, dass er Auskunft über das Vermögen des anderen bekommt.

3. Gegenstände fair aufteilen

In der Trennungszeit ist der nicht erwerbstätige Ehegatte über die Familienversicherung des angestellten Erwerbstätigen mitversichert. Auch wichtig: „Die Gegenstände aus dem gemeinsamen Haushalt sind möglichst einvernehmlich aufzuteilen“, sagt Becker. Also: Wer bekommt die Handtücher, wer das Geschirr, wer den Schrank? Tim Hofmann rät: „Die Ehegatten können ihre Rechtsverhältnisse zueinander durch eine Scheidungsvereinbarung regeln und damit vor allem die vermögensrechtlichen Scheidungsfolgen vorziehen.“

Zimmermann empfiehlt, früh mit einem Anwalt die Situation zu besprechen. So vermeidet man Fallen, die das Scheidungsverfahren gefährden können. Ein Beispiel: Denkbar ist, dass ein Partner sich scheiden lassen will und der andere nicht. So kann der Scheidungsunwillige den Trennungswillen anzweifeln. Dies kann durch gespeicherte SMS, E-Mails, Briefe oder Whatsapp-Nachrichten geschehen.

4. Möglichst wenig Kommunikation

„Eine Falle kann eine sehr freundliche, zugewandte und umfangreiche Kommunikation sein“, warnt Zimmermann. Ergibt sich aus dem Wortlaut eine starke Nähe der Beteiligten, wird das Gericht die Scheidung mangels Trennungswillen nicht durchführen. Dagegen spricht auch ein gemeinsames Weihnachtsfest. Oder ein gemeinsames Konto. Das bedeutet also: Keine Feiern jedweder Art und das gemeinsame Konto auflösen. Dazu gehört auch, laufende Zahlungen, die bisher für den anderen geleistet worden sind, einzustellen. Gemeinsame Konten und Sparverträge sollten aufgelöst, die Bezugsberechtigung von Lebensversicherungen geändert und gemeinsame Versicherungen gekündigt werden.

Bestehen Testamente, sind sie gegebenenfalls zu widerrufen. In einem Trennungstestament kann einer den anderen in der Trennungszeit auf den Pflichtteil beschränken. Steuerrechtlich können sich Eheleute für das Trennungsjahr weiterhin gemeinsam veranlagen lassen.

5. Trennungsjahr nicht verkürzen

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Wovon abgeraten wird: Das Trennungsjahr wahrheitswidrig zu verkürzen. Denn im Laufe des Scheidungsverfahrens kann einer der Beteiligten doch die Wahrheit sagen. „Dies kann zur Folge haben, dass der Scheidungsantrag kostenpflichtig abgewiesen wird“, sagt Zimmermann. Auf die Beteiligten kann ein Strafverfahren wegen Verdachts des Prozessbetrugs zukommen. Übrigens: Leben die Partner mit dem Ziel der Versöhnung für bis zu drei Monate zusammen, ist das Trennungsjahr nicht „gehemmt“ oder „unterbrochen“. (dpa/rnw)

Telefonforum zum Thema Scheidung: Wer bekommt was?

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Sie können Fragen bis Dienstag, 13 Uhr, auch als E-Mail an [email protected] schicken.

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