merken
PLUS Pirna

Ein Spiel, das es ohne Corona nicht gäbe

Florian Thalmann aus Schmilka liebt Rätsel. Als Spieleabende mit Freunden im Lockdown tabu waren, suchte er Alternativen - und wurde Erfinder.

"Rätseln macht glücklich": Christian Krebs (li.) und Florian Thalmann haben das Spiel zum Lockdown erfunden.
"Rätseln macht glücklich": Christian Krebs (li.) und Florian Thalmann haben das Spiel zum Lockdown erfunden. © Sabine Gudath

Ohne Corona wäre Florian Thalmann wohl nie auf diese Idee gekommen. Der 30-Jährige, der ursprünglich aus Schmilka in der Sächsischen Schweiz stammt, ist dieses Jahr unter die Spieleentwickler gegangen. Zusammen mit seinem Lebensgefährten Christian Krebs erfand er die "Lockdown Adventures" - Spiele zum Lockdown. Eine Idee, die aus der Not heraus entstanden ist.

Doch alles der Reihe nach: Florian Thalmann und Christian Krebs sind schon immer verrückt nach Spielen. Vor allem nach den sogenannten "Escape Rooms", die es seit 2013 in Deutschland gibt. Bei dem Konzept wird eine kleine Gruppe in einen Raum gesperrt, der vollgestopft ist mit Rätseln, Schlössern und versteckten Mechanismen. "Ziel des Spiels ist es, innerhalb einer vorgegebenen Zeit alle Aufgaben zu entdecken, zu lösen, Schlüssel zu finden und Schlösser zu knacken, um am Ende aus dem Raum zu entkommen", erklärt Florian Thalmann. Etwa 50 dieser Räume hat der 30-Jährige bereits getestet. Die Rätselräume gibt es inzwischen auch als Brett- oder Kartenspiele für zu Hause. Etliche haben Thalmann und sein Freund ausprobiert - meist mit Freunden.

Stars im Strampler aus Pirna
Stars im Strampler aus Pirna

So klein und doch das ganz große Glück: Wir zeigen die Neugeborenen aus Pirna und Umgebung.

Escape Rooms wegen Corona geschlossen

Wegen der Corona-Pandemie waren die Ausflüge in die Spielewelt jedoch im Frühjahr plötzlich tabu: "Escape Rooms" mussten schließen, Spieleabende waren verboten. Aufs Spielen verzichten wollten die beiden, die heute in Berlin leben und arbeiten, dennoch nicht. Online suchten sie nach Alternativen. "Es gab im digitalen Bereich zwar viel, allerdings kaum etwas zum Ausdrucken", schildert Florian Thalmann.

Er setzte sich deshalb selbst an den Schreibtisch und entwickelte sein erstes eigenes Spiel - angelehnt an die "Escape Rooms". Inhaltlich ging es um einen Zauberer, der während seiner Show einen Zuschauer hinter der Bühne einsperrt. Dieser muss durch das Lösen von Rätseln versuchen, aus dem Kabinett zu entkommen. "Das Spiel sollte eigentlich nur für uns sein", erinnert sich Thalmann. Sein Freund Christian Krebs fand es aber so gut, dass er vorschlug, es auch anderen Spielern zugänglich zu machen. Der 31-Jährige arbeitet hauptberuflich als Programmierer und entwickelte kurzerhand eine Handy-App. "So kam alles ins Rollen", sagt Florian Thalmann.

Im Juli gingen die "Lockdown-Adventures" als App auf den Markt. Der Name spielt nicht nur auf die Corona-Einschränkungen an. Mit "lock" ist gleichzeitig auch eingesperrt sein gemeint - in Rätselräume.

Lockdown Adventures mit bisher sieben Missionen

Zu der App sind inzwischen sieben Missionen entstanden, die Florian Thalmann und Christian Krebs entwickelt haben. "Jede Mission ist ein abgeschlossenes Spiel mit einer eigenen Story und zwischen 30 und 120 Minuten Spielzeit, das aus einer Kette von Rätseln besteht", beschreibt Thalmann. Die App gibt es kostenlos für Android. Die einzelnen Missionen kosten dann zwischen 1,99 Euro und 3,99 Euro. Dafür gibt es Rätselunterlagen zum Ausdrucken. Die App führt nach und nach durch das Spiel und die ausgedruckten Rätsel.

"Die Spieler müssen Codes knacken, Geheimschriften entschlüsseln, Puzzles zusammensetzen und Dinge kombinieren", verrät Florian Thalmann. Raffinesse steckt auch in dem auszudruckenden Papier. Die Rätsel-Seiten müssen teilweise zerschnitten, zusammengesetzt, gefaltet und anderweitig zweckentfremdet werden, um die einzelnen Rätsel zu lösen.

Inspiriert vom eigenen Geocaching in Berlin

In der Mission "Das Geisterhaus von Habelsbad" schlüpft der Spieler etwa in die Rolle eines Praktikanten bei einer Lokalzeitung, der im Örtchen Habelsbad ein Haus untersuchen soll, in dem ein Mann umgebracht wurde. Diese Geschichte kommt übrigens nicht von ungefähr. Florian Thalmann arbeitet als Reporter und Journalist bei der Berliner Zeitung und beim Berliner Kurier. Auch für die Sächsische Zeitung in Pirna hat er schon gearbeitet. "Die Spiele sind für mich und Christian aber nur ein Hobby-Projekt", betont er.

Die Aufgaben unter den beiden sind dabei klar aufgeteilt: Christian Krebs übernimmt als Programmierer alles, was digital funktioniert. Florian Thalmann kümmert sich um das, was auf Papier stattfindet und entwirft die einzelnen Rätsel. Darin hat der 30-Jährige bereits Übung - wenn er als Geocacher unterwegs ist. Bei der GPS-Schnitzeljagd im Gelände muss oftmals erst ein Rätsel gelöst werden, um überhaupt zu wissen, wo der "Schatz" versteckt ist. "Vor fünf Jahren habe ich angefangen, eigene Geocaches in Berlin zu verstecken und dafür Rätsel zu entwerfen", erklärt Florian Thalmann.

Am heimischen Schreibtisch tüfteln Christian Krebs (li.) und Florian Thalmann an neuen Ideen für ihre "Lockdown Adventures".
Am heimischen Schreibtisch tüfteln Christian Krebs (li.) und Florian Thalmann an neuen Ideen für ihre "Lockdown Adventures". © Sabine Gudath

Die beiden Erfinder hoffen, dass auch andere Rätsel-Fans viel Spaß mit ihrem Spiel haben. "Denn Spaß ist ja gerade in diesen Zeiten wichtig. Ich sage immer: Rätseln macht glücklich", sagt Thalmann.

Schiefe Blockflöte aus Malaysia zu Extra-Mission

Passend zur Adventszeit gibt es übrigens eine Extra-Mission. In "Weihnachten in Knobelsdorf" geht es in einem Rätsel darum, Weihnachtslieder zu erkennen, die schief auf der Blockflöte gespielt werden. Die Songs wollte Florian Thalmann, der noch nie eine Blockflöte in der Hand hatte, eigentlich selbst einspielen. Er merkte aber schnell, wie schwer das ist. Um die Idee trotzdem umsetzen zu können, suchte er im Internet nach Musikern. Und wurde tatsächlich fündig. Er fand in Malaysia einen jungen Mann, der sein Geld mit schiefen Blockflöten-Aufnahmen verdient. "Er hat uns die benötigten Lieder eingespielt - das Ergebnis ist brüllend komisch", verspricht der Berliner.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna