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Pflegeheim startet mit Schnelltests für Besucher

Das Seniorenzentrum in Schönerstädt hat ein Testkonzept entwickelt. Es scheint einmalig in der Region zu sein.

Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Linda Schubert (vorn), Gritt Schmidt (links) und Simone Gerson, Geschäftsführerinnen des Seniorenpflegeheims Schönerstädt, bereiten Corona-Tests vor, die in einem Container erfolgen.
Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Linda Schubert (vorn), Gritt Schmidt (links) und Simone Gerson, Geschäftsführerinnen des Seniorenpflegeheims Schönerstädt, bereiten Corona-Tests vor, die in einem Container erfolgen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Wer ab Montag seinen Angehörigen im Seniorenpflegeheim in Schönerstädt besuchen möchte, der muss sich vorher auf Corona testen lassen. Die Einrichtung hat sich ein Testkonzept vom Gesundheitsamt genehmigen lassen, das ab der kommenden Woche umgesetzt werden soll, wie Heimleiterin Simone Gerson sagt.

Um die Bewohner des Hauses zu besuchen, müssen die Angehörigen im Vorfeld telefonisch einen Termin in der Einrichtung vereinbaren. Möglich sind diese vormittags sowie nachmittags, sagt Gerson. Pro Bewohner darf eine Person vorbeikommen, einmal pro Woche für eine Stunde. 

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Bevor der Angehörige jedoch zu dem Bewohner darf, wird er in einem Container, der vor gut zwei Wochen auf dem Gelände des Pflegeheims aufgestellt worden ist, mit einem Schnelltest auf das Virus getestet. Deren Trefferquote liege bei 98 Prozent, sagt die Heimleiterin.

Mitarbeiter für Tests geschult

Abgenommen wird der Rachenabstrich von einem Mitarbeiter des Pflegeheims, der im Vorfeld von einem Arzt im Hinblick auf die Testabnahme geschult worden sei. „Wir hatten die Stelle auch ausgeschrieben, aber leider hat sich niemand daraufhin beworben“, sagt Gerson. Personell sei die Einrichtung jedoch so gut aufgestellt, dass die Tests von den eigenen Mitarbeitern durchgeführt werden könnten.

Das Material des Abstrichs werde anschließend für zwei Minuten in eine entsprechende Lösung gegeben und komme dann auf eine Testkassette, beschreibt Gerson das Verfahren. Nach 15 Minuten stünde das Ergebnis fest. Solange müssten die Angehörigen draußen warten.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Ist der Test negativ, so darf der Besuch erfolgen. Aber trotzdem unter nur unter Einhaltung der Hygienevorschriften: Mit Abstand, Mund-Nase-Schutz und im Optimalfall noch im Außenbereich oder in bestimmten Bereichen im Inneren des Pflegeheims, die für die Treffen vorgesehen sind. Denn: „Jemand kann sich ja auch kurz vor dem Besuch und dem Test angesteckt haben“, sagt Gerson. Falle der Test positiv aus, so werde das Gesundheitsamt informiert und der Besucher müsse sich einem PCR-Test unterziehen, sagt die Heimleiterin.

© Dietmar Thomas
© Archiv/Dietmar Thomas
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Mehr Tests, mehr Besucher

Die Schnelltests seien schon jetzt in der Einrichtung genutzt worden, wenn zum Beispiel bei einem Bewohner Fieber festgestellt wurde oder jemand Erkältungsanzeichen hatte, Hausarzt oder Gesundheitsamt jedoch keinen PCR-Test veranlasst haben. „Bisher sind alle Tests negativ ausgefallen“, informiert die Geschäftsführerin.

Da jedoch zurzeit nur eine gewisse Menge an Tests zur Verfügung stehe, musste die Besucherzahl auf einen Besucher pro Woche pro Bewohner begrenzt werden. Sollten mehr Tests, die für die Angehörigen kostenfrei sind, verfügbar sein, wären auch mehr Besuche denkbar. Benötigt werden die Tests jedoch nicht nur für die Besucher. Auch die Mitarbeiter und Bewohner werden einmal pro Woche einem Test unterzogen, sagt Simone Gerson.

Die Verfahrensweise in Schönerstädt sei bisher einmalig in der Region, wurde der Heimleiterin gesagt. Eine kurze Nachfrage in anderen Einrichtungen scheint das zu bestätigen.

Fieber messen bei den Besuchern

In der Seniorenresidenz „An der Schillerhöhe“ in Waldheim gehört zu den Besuchsregeln das Fieber messen mit dazu. Zudem müssen die Angehörigen einen Mund-Nase-Schutz tragen und auf den Sicherheitsabstand achten. Auch werden ihre Kontaktdaten aufgenommen. Erlaubt sind die Treffen auf den Zimmern der Bewohner. „Dort ist ausreichend Platz“, versichert Nico Schönfelder, der Leiter der Residenz.

Für 30 Minuten dürfen die Bewohner des Hauses derzeit Besuch empfangen, maximal bis zu drei Personen, so Schönfelder. Das Besuchskonzept sei mit dem Gesundheitsamt abgestimmt und vor knapp zwei Monaten eingeführt worden. Anfangs habe es etwas gedauert, bis sich alle darauf eingestellt hätten, doch inzwischen laufe das Konzept gut, meint Schönfelder.

„Ein Großteil ist froh, dass die Besucher überhaupt möglich sind. Andere Einrichtungen haben ganz geschlossen. Das wollen wir vermeiden.“ Lediglich eine Woche lang sei das Haus bisher vorsichtshalber schon einmal geschlossen worden, als es beim Personal Verdachtsfälle gegeben hatte. Jene hätten sich jedoch nicht bestätigt.

Auf externe Angebote müssen die Bewohner in der Einrichtung zurzeit, bis auf Friseur und Fußpflege unter strengen Hygieneauflagen, verzichten. Besuche von Kitas sowie Tiertherapeuten sind schon seit dem Frühjahr nicht mehr möglich. „Wir versuchen trotzdem, den Alltag der Bewohner so normal wie möglich zu gestalten. Außerdem haben wir ein großes Team in der Betreuung“, sagt Schönfelder.

Ruhetage für Döbelner Häuse

Auch René Lattner, Leiter der beiden Senioreneinrichtungen der AWO in Döbeln, ist es wichtig, die Häuser für die Besucher offen zu halten. Bis auf zwei Tage in der Woche können die Angehörigen während der Öffnungszeiten die Einrichtung betreten, insofern sie gesund sind und mit keinem Infizierten Kontakt hatten, wie es in der Corona-Schutz-Verordnung geregelt ist. 

Dienstag und Donnerstag sind Ruhetage. Hier werde im Vorfeld um Anmeldung gebeten, ebenso außerhalb der Öffnungszeiten. Treffen können die Bewohner ihre Angehörigen sowohl auf dem Zimmer als auch im Außengelände. Gemeinschaftsräume sollten vermieden werden, sagt Lattner. 

Sobald es jedoch Verdachtsfälle in einem der beiden Einrichtungen gebe, würden die Türen für die Öffentlichkeit vorübergehend geschlossen, bis die Situation geklärt ist. Bisher sei dies nach zwei bis vier Tagen der Fall gewesen. 

„Ich denke, wir haben einen ganz guten Weg gefunden, um mit der Situation umzugehen“, äußerte sich der Einrichtungsleiter. Bewohner sowie Angehörige würden weitestgehend verständnisvoll mit den Besuchsregeln umgehen.

In den Seniorenzentren habe es bislang noch keinen Corona-Fall gegeben, wie Lattner sagt. Allerdings Verdachtsfälle. Und auch Mitarbeiter seien als Kontaktpersonen vom Gesundheitsamt ermittelt worden. Davon sei aktuell niemand in der Einrichtung tätig, versichert Lattner. Personell sei dies zurzeit noch zu stemmen, Leiharbeiter wären nicht im Einsatz.

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