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Corona-Schnelltests sind keine Wundermittel

Können mehr Tests einen zweiten Lockdown verhindern? Diese Hoffnung trügt, sagt unser Kolumnist Professor Dalpke.

Ein Corona-Schnelltest soll schon nach wenigen Minuten ein Ergebnis liefern.
Ein Corona-Schnelltest soll schon nach wenigen Minuten ein Ergebnis liefern. © Symbolbild/dpa/Bodo Schackow

Corona ist mit aller Macht zurück. Überrascht bin ich darüber nicht. Wir Wissenschaftler und Mediziner haben diese Entwicklung erwartet. Corona-Viren sind saisonale Viren, auch deshalb ist die Welle im Sommer abgeflacht. In dieser Zeit haben wir innerhalb der Gesellschaft aber keine Durchseuchung erreicht. Der größte Teil der Menschen bleibt deshalb infizierbar, ähnlich wie im Frühjahr – und das zeigt sich jetzt mit aller Deutlichkeit.

Deshalb ist es wichtig, nun genau zu wissen, wer infiziert ist. Nur so können wir ein unkontrolliertes Ausbreiten des Virus verhindern. Die nun verfügbaren Schnelltests sind vielversprechend, dürfen aber nicht als Wundermittel in der jetzigen Situation gesehen werden. Antigen-Schnelltests funktionieren ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Wir weisen damit das Virus direkt nach, ein Ergebnis liegt nach 15 bis 30 Minuten vor. 

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Test nicht immer richtig

Dafür brauchen wir jedoch in der Probe eine gewisse Menge an Viren. Die Viruslast bei dem betroffenen Patienten muss entsprechend groß sein, nur dann ist das Ergebnis bei einem solchen Test positiv. Das heißt: Die Empfindlichkeit dieser Tests ist geringer als bei bisherigen PCR-Tests. Ein Restrisiko bleibt, dass ein eigentlich Positiver nicht als solcher identifiziert wird.

Trotzdem halte ich diese Tests für wichtig. Wir können sie gezielt in den Einrichtungen einsetzen, in denen ohnehin regelmäßig getestet wird. Damit meine ich Personal und Bewohner in Altenheimen oder vielleicht Personal in kritischer Infrastruktur wie Kommunikationsbetriebe und Energieversorger. Was einfach klingt, muss dennoch von Fachpersonal durchgeführt werden. Insbesondere die Probenabnahme ist bei diesen Tests besonders kritisch. Einen zuverlässigen Schnelltest für zu Hause halte ich deshalb auch weiterhin für unrealistisch und wenig seriös.

Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden.
Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden. © Jürgen Lösel

Mit den Schnelltests haben wir die Möglichkeit, mehr zu testen, als es noch im Frühjahr der Fall war. Auch die PCR-Test-Kapazitäten sind durch massive Anstrengungen der Labore deutlich erweitert worden. Trotzdem: Wir stoßen an Grenzen. Und wir können nicht unbegrenzt testen. In den Laboren wird schon jetzt wieder bestimmtes Material knapp, das Personal arbeitet seit März am Limit. Mehr geht nicht. Schon aus diesem Grund ist es wichtig, gezielt zu testen, auch um regionale Hotspots zu vermeiden.

Bleibt die Frage: Steigen die Zahlen, weil wir mehr testen? Oder können wir vielleicht durch mehr Tests den nächsten Lockdown verhindern? Diese Hoffnung muss ich nehmen. Durch mehr Tests bekommen wir zwar einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen, aber es sind die absoluten Fallzahlen, die dann zu Problemen in der Klinikauslastung führen können. 

Die Lage ist ernst

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Man muss sich bewusst sein, dass ab einer Zahl von circa 50 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen pro Woche die Infektionsketten nicht mehr sicher nachverfolgt werden können. Das Virus verbreitet sich ab diesem Moment unkontrolliert, wenn wir uns nicht einschränken und noch schärfer auf Abstand, Maskenpflicht und Hygiene achten.

Tatsächlich können wir nur etwas an der Entwicklung ändern, wenn sich alle gemeinsam an die geltenden Regeln halten. Die Lage ist ernst, wir sollten sie nicht unterschätzen. Daran ändern auch Schnelltests nichts.

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