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Heidenaus Schokoladen-Paar

Vor fünf Jahren ist die Manufaktur von Marcus Schürer umgezogen. Noch mehr als der Standort hat sich im vergangenen Jahr für ihn und seine Frau verändert.

Sind ein Team: Marcus Schürer ist der Mann für die Schokolade, seine Frau Iris hat die kreativen Ideen für die Verpackung und Präsentation.
Sind ein Team: Marcus Schürer ist der Mann für die Schokolade, seine Frau Iris hat die kreativen Ideen für die Verpackung und Präsentation. © Daniel Schäfer

Schokolade ist Grundnahrungsmittel. Als Marcus Schürer vor fünf Jahren seine Schokoladenmanufaktur am neuen Standort in der ehemaligen Ludwig-Richter-Schule eröffnete, hatte das bestenfalls mehrwertsteuerliche Gründe. Für Grundnahrungsmittel gelten die sieben Prozent. Dass es einmal eine Pandemie geben wird, in der das über Öffnen oder Schließen entscheiden würde, ahnte er nicht.

Am 21. Mai 2016 löste die Eröffnungsfeier ein mittleres Verkehrschaos an der S172 in Heidenau aus. Drei Wochen vorher am 1. Mai zur eigentlichen Eröffnung staunten Marcus und Iris Schürer, dass trotz der Luftballons so wenig Neugierige kamen. Und den Prominentesten erkannte Marcus Schürer nicht. Er war gerade noch mit der Einweisung in eine Maschine beschäftigt, als Uwe Steimle vorbeischaute, alles Gute wünschte und das Rezept für einen Quarkkuchen versprach, das er bis heute nicht gebracht hat.

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Panik vor Ostern 2020

Die Schürers wussten damals nicht, was auf sie zukommt. Ein paar Tage vor ihrem Fest hatte der Hammermarkt nach dem Umbau neu eröffnet. "Da stand so eine verwaiste Hüpfburg und wir dachten, wenn es uns auch so geht", sagt Marcus Schürer. Es kam anders. Ganz anders. Nicht nur dass zum Fest schon eine halbe Stunde vorher der Parkplatz voll war. Es begann eine im wahrsten Sinne des Wortes süße Geschichte, die im März vorigen Jahres von einem Tag auf den anderen einen bitteren Beigeschmack bekam.

Vor Ostern 2020 bekamen Schürers die Panik. Das Lager war voller Osterware. Laden und Café aber zu. Sie erinnerten sich an den Newsletter und waren in dem ganz ehrlich zu ihren Kunden. Die haben den Hilferuf verstanden und das Oster- und Muttertagsgeschäft 2020 zum besten bisher gemacht. Weihnachten dann standen die Leute draußen Schlange, weil keiner wusste, wann vielleicht wieder zu ist. So geht es bis jetzt, naja, ohne Schlange, aber die großen Nachfragen verdichten sich auf die Woche um die Anlässe.

Eierlikör ist der Corona-Renner

Dass der Alkoholgenuss in der Corona-Zeit steigt, merkt auch Chocolatier Marcus Schürer: Alles mit Eierlikör und der Likör selbst führen die Hitliste an. Die Pralinen rangieren stabil auf Platz Zwei, während die klassische Tafel Schokolade etwas stagniert. Der Anteil der übers Internet bestellten Waren erreicht rund um die Anlässe die Hälfte. Der Internetshop ist vom Randgebiet so zu einem Schwerpunkt geworden. Erst sein Aufwand, dann die Logistik, das Anpassen der Strukturen, der Arbeit, denn auch in der Schokoladenmanufaktur herrscht trotz allem Kurzarbeit.

„Kleine Nervennahrung“ in der Geschenkdose.
„Kleine Nervennahrung“ in der Geschenkdose. © Daniel Schäfer

Auf der Strecke bleibt dabei das Probieren neuer Kreationen. Zwar gibt es immer mal etwas Neues, das gehört zum Geschäft, auch in Gebäck hat Schürer sich versucht, doch die großen Entwicklungen müssen warten. Genau wie die Kurse und Veranstaltungen. Kreativ sind Schürers trotzdem. Iris Schürer präsentiert die Angebote jetzt in Videos und um die kleinen Blechdosen kommen zum Beispiel Banderolen mit Aufschriften wie "Weil wir uns gerade nicht sehen können." Sie wollen ein bisschen Freude bringen, auf dass sie bald auch wieder ins Haus zurückkehrt.

Das Plappern und Klappern fehlt

Statt mittelfristig zu planen, wird von Woche zu Woche geplant. Marcus Schürer nennt es Fahren auf Sicht. Täglich gibt es mehrere Anrufe. Haben Sie geöffnet? Wann öffnet das Café wieder? Auf die erste Frage lautet die Antwort "Ja", auf die zweite "noch nicht". Dafür läuft der Versand. Ansonsten aber ist alles so leblos, sagt Marcus Schürer. Ihm fehlt das Klappern des Geschirrs, das Plappern der Gäste, das Zischen der Kaffeemaschine, all diese Hintergrundmusik, die das Haus zum Klingen bringen.

Wenn es wieder los geht, wird es eine Weile dauern, bis alle wieder an alles gewöhnt sind. Schürer rechnet mit einer Öffnung im Juni. Nach zwei bis vier Wochen Anlauf werde man dann wieder gut zu tun haben. "Es wird ein größeres Sommergeschäft als früher werden." Die Leute sind ausgehungert. Auch nach Schokolade, Kaffee und Kuchen, vor allem aber danach, sie nicht mehr zu Hause essen und trinken zu müssen.

Wenn das Gerüst nächste Woche fällt, hat die Schokoladenmanufaktur in der alten Schule auch eine neue alte Uhr.
Wenn das Gerüst nächste Woche fällt, hat die Schokoladenmanufaktur in der alten Schule auch eine neue alte Uhr. © Daniel Schäfer

Weihnachtsmarkt und Sommerfest

Der fünfte Geburtstag Ende Mai wird nicht gefeiert, auch wenn dann vielleicht schon wieder mehr möglich ist. Dafür bekommt das traditionelle Gebäude der ehemaligen Schule zum Geburtstag eine neue alte Uhr. Mit historischem Zifferblatt und größer als die vorherige. Die Zeit hält nicht an.

Nächstes oder übernächstes Jahr soll es dann ein Sommerfest geben. Die Idee hatten Schürers schon vor zwei Jahren. Doch zunächst war der Weihnachtsmarkt etabliert worden. Schokolade verbindet man eben doch mehr mit Weihnachten als mit Sommer. Aber das sagen nur die, die selten Schokolade essen. Die, für die es tatsächlich ein Grundnahrungsmittel ist, können nicht genug davon bekommen. Zu jeder Jahreszeit.

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