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Gegen die kulturlosen Zeiten

Gohrisch ohne Schostakowitsch, Pirna ohne Q24: Vorher nicht denkbar und nun doch schon länger Realität als gedacht. Wie beide die Zeit nach der Pause planen.

Kamera und Internet statt Konzertscheune und Publikum: Die russische Pianistin Yuilanna Avdeeva spielte zum Festivalstream 2020 in Gohrisch.
Kamera und Internet statt Konzertscheune und Publikum: Die russische Pianistin Yuilanna Avdeeva spielte zum Festivalstream 2020 in Gohrisch. © Oliver Killig

Scheune, Zirkuszelt, wieder Scheune und dann Internet: Das waren die bisherigen Konzertorte des Gohrischer Schostakowitsch-Festivals. 2021 soll es wieder die Konzertscheune sein. Und dafür gibt es sogar schon die Festivalpässe. Bis Ende Januar können sie zum Preis von 200 Euro per Mail [email protected] zunächst noch ohne Bezahlung und Platzbindung reserviert werden.

Was im vergangenen Jahr nicht machbar war, soll dieses Jahr klappen: Der coronataugliche Umbau der Scheune. Voriges Jahr hätten der Umbau, die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, und all das bei einem Bruchteil der sonst zugelassenen Besucher zu einem riesigen finanziellen Defizit geführt, für das keine Aussicht auf Erstattung bestand.

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Dieses Jahr setzen die Festivalmacher alles daran, es durchzuführen und wirtschaftlich weitestgehend abzusichern, sagt der Künstlerische Leiter Tobias Niederschlag. Dabei sind sie noch mehr als bisher auf Spenden der Schostakowitsch-Freunde in der ganzen Welt angewiesen. Viele hatten voriges Jahr komplett oder teilweise auf die Erstattung der Kartenpreise verzichtet, was eine große Hilfe war.

Premieren und Preisverleihung nachholen

In der Hoffnung, dass die nächsten Internationalen Schostakowitsch-Tage vom 24. bis 27. Juni stattfinden können, werden sie schon geplant. "Wir werden vieles nachholen, das in diesem Jahr ausgefallen ist", sagt Niederschlag. Dazu gehören Premieren von Schostakowitsch-Werken und die Verleihung des jährlichen Schostakowitsch-Preises.

Den Auftakt zum Festival soll am 23. Juni ein Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle im Dresdner Kulturpalast bilden. Das komplette Programm für die Konzerte 2021 soll im Frühjahr bekanntgegeben werden, sagt Matthias Claudi von der Schostakowitsch-Geschäftsstelle.

Das Festival 2021 ist dann dank der Internet-Variante von vorigem Jahr das zwölfte. Organisatoren und Künstler hatten 2020 den internationalen Anspruch des Konzertes auf besondere Art und Weise umgesetzt und so den Corona-Festival-Jahrgang nicht sang- und klanglos vergehen lassen. Die Pianistin Yulianna Avdeeva spielte in Gohrisch, Dmitry Masleev in Moskau und Daniil Trifonov im amerikanischen Connecticut. Nun wollen alle drei irgendwann auch live und gemeinsam in Gohrisch spielen.

Spenden statt Eintrittsgelder

Künstler und Veranstalter wollen lieber Eintrittsgelder als Spenden. Doch wenn die Besucher keine Chance haben, Eintritt zu bezahlen, spenden sie eben. Das ist bei den Schostakowitsch-Freunden nicht anders als bei denen der Pirnaer Kleinkunstbühne Q24.

Da gibt es Reaktionen, die Petra Schneider vom Verein schon sehr berühren. "Ein Gast wollte die Karten für das nicht stattfindende Gospelkonzert im Wert von 46 Euro am 24. Dezember trotzdem bezahlen. Er schrieb mir dann: Die Rechnerei ist mir zu aufwendig, ich habe Ihnen deshalb einfachheitshalber 100 Euro überwiesen. So, das haben sie nun davon!!!"

Petra Schneider vom Verein Pirnaer Kleinkunstbühne Q24 muss noch auf den Veranstaltungsauftakt warten.
Petra Schneider vom Verein Pirnaer Kleinkunstbühne Q24 muss noch auf den Veranstaltungsauftakt warten. © privat

Begonnen hat das Jahr für die Kleinkunstbühne so wie das vorige aufhörte: Mit ausgefallenen Veranstaltungen und verschlossenen Türen. Den Auftakt 2021 hätte am 8. Januar Engerling gemacht. Wer nun wann wirklich den Anfang machen darf, ist offen. "Wie soll man planen? Wir versuchen, auf die Vorgaben zu reagieren und den Jahresplan, mitunter recht spontan, weiter zu gestalten", sagt Petra Schneider. Gestalten heißt noch immer meist verschieben. "Teilweise musste schon mehrfach verschoben werden, womit ja nun auch wieder zu rechen ist."

Kürzere Sommerpause und Open-Air-Konzerte

Die Alternative für die Kleinkunstbühne ist, die Sommerpause zu verkürzen. Außerdem will man über Open-Air-Konzerte nachdenken. Veranstalter und Künstler sind noch mehr als vorher eine Gemeinschaft. "Wir halten den Kontakt zu 'unseren' Künstlern, die ja alle ums Überleben kämpfen", sagt Petra Schneider. Unkompliziert und entgegenkommend bleiben beide Seiten im Gespräch. "Wie gesagt, wir haben alle die gleiche Situation."

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