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Schüler dürfen Maske und Tests nicht verweigern

Bis zum 19. September gelten in Sachsens Schulen verschärfte Schutzregeln. Noch strenger wird es in der Überlastungsstufe. Das sind die Regeln.

Die Maske gehört, genauso wie die regelmäßigen Tests, ab Montag auch wieder zum Alltag für Schüler in Sachsen.
Die Maske gehört, genauso wie die regelmäßigen Tests, ab Montag auch wieder zum Alltag für Schüler in Sachsen. © Guido Kirchner/dpa

Für Tausende Schüler beginnt am Montag wieder der Unterricht. Doch gleichzeitig steigen auch die Coronainfektionen. Ein Schuljahr mit vielen Unbekannten beginnt für die Kinder und ihre Eltern. Um den Präsenzunterricht so lange wie möglich zu garantieren und Homeschooling zu vermeiden, gelten ab 6. September verstärkte Test- und auch Maskenpflichten.

Wann und ab welchem Alter müssen sich Schulkinder testen lassen?

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Die Testpflicht beginnt ab der ersten Klasse, informiert das Kultusministerium. In den ersten beiden Schulwochen gelten besonders hohe Schutzmaßnahmen: Bis zum 19. September ist pro Woche eine zweimalige Testung für Schüler, Lehrer und Hortpersonal nötig. Liegt die Inzidenz über zehn, dreimal pro Woche. Eine Ausnahme bilden Geimpfte und Genesene – sie müssen nicht zum Test.

Reicht eine Eltern-Bescheinigung über einen negativen Test zu Hause?

Nein. „Die Selbstauskunft reicht nicht aus“, sagt Susann Meerheim, Referentin des sächsischen Kultusministeriums. Die Tests würden wie bisher von den Schülern selbst unter Aufsicht in der Schule durchgeführt. Trotz Schließung der Testzentren gibt es aber regionale Testmöglichkeiten, die die Eltern aufsuchen können, wenn sie eine Testung in der Schule ablehnen. Das sächsische Sozialministerium bietet dafür im Internet eine Karte, die jedoch auf freiwilligen Meldungen der Landkreise und kreisfreien Städte Sachsens beruht.

Erhalten die Kinder über ihren Test in der Schule ein Zertifikat für außerschulische Aktivitäten?

Laut sächsischer Coronaverordnung brauchen Schüler, die einer Testpflicht in der Schule unterliegen, für außerschulische Aktivitäten oder den Besuch von Indoorspielplätzen keinen Nachweis zu erbringen, dass sie frei von Corona sind.

Gibt es Tests für sensible Kinder, die sich vor dem Nasenabstrich scheuen?

Zugelassen sind laut Kultus auch sogenannte Spucktests. Wenn das Kind ein ärztliches Attest vorlegen kann, dass ein solcher Spucktest notwendig ist, werden die Testmaterialien von der Schule gestellt. Eltern können aber auch selbst einen solchen Test besorgen und ihrem Kind mitgeben.

Diese Coronatests sind für Kinder geeignet:

PCR-Test

Er gilt als Goldstandard bei den Corona-Testverfahren und hat eine größere Genauigkeit als der Antigen-Schnelltest. Mittels PCR lassen sich Infektionen vergleichsweise früh und sicher erkennen. Nachteilig an dem Test ist, dass die Auswertung bis zu einem Tag dauert, Laborkapazitäten bindet und teurer als ein Antigen-Test ist. Für den Beginn des neuen Schuljahres hat sich die Kultusministerkonferenz für Testverfahren auf Antigen- und auf PCR-Basis entschieden.

Gurgeltest

Für jüngere Schulkinder ist er oft noch nicht geeignet, denn die Kinder müssen mit einer entsprechenden Flüssigkeit gurgeln und sie dann in ein Gefäß spucken. Der Gurgeltest wird als PCR-Test ins Labor geschickt.

Popeltest

So wird der Antigen-Schnelltest für Kinder bezeichnet, bei dem mit einem Stäbchen Untersuchungsmaterial aus dem vorderen Nasenbereich entnommen wird – etwa so tief, wie der Finger beim Popeln kommt. Das Ergebnis des Antigen-Tests liegt innerhalb von 15 Minuten vor.

Spucktest

Hier wird der Speichel im Mund gesammelt und zur Untersuchung in ein Gefäß gespuckt. Die Speichelprobe kann sowohl für den Antigen- als auch für den PCR-Test verwendet werden.

Lollitest

Die Kinder lutschen für etwa 30 Sekunden an einem Wattetupfer. Bis zu 25 Tupfer werden anschließend in ein sogenanntes Poolröhrchen gegeben und am gleichen Tag im Labor mittels PCR-Test auf Coronainfektionen untersucht. Bei einem positiven Testergebnis müssen zunächst alle Schüler einen PCR-Nachtest zu Hause durchführen. Die Zuordnung der positiven und negativen Proben kann innerhalb eines Tages erfolgen. Da die Tests meistens negativ ausfallen, ist durch die problemlose Probeentnahme und die effiziente Poolmethode eine zeitsparende Testung ganzer Gruppen möglich. Die Untersuchungskosten unterscheiden sich kaum noch von den Antigen-Schnelltests. In Sachsens Schulen werden Lollitests nicht genutzt, da wöchentlich 38.000 Proben in Labore gebracht werden müssten, was organisatorisch schwer ist. (rnw)

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Müssen Kinder in der Schule ab heute wieder Maske tragen?

In den ersten beiden Schulwochen, also bis zum 19. September, gilt in Sachsen ab einer Inzidenz von über zehn eine verschärfte Maskenpflicht. Sie gilt jedoch nicht für Kinder in der Grund- und Förderschule. Nach dem 19. September setzt die Maskenpflicht erst ab einer Inzidenz von 35 wieder ein.

Dürfen Schulkinder Coronatests und Masken in der Schule ablehnen?

„Bei Verweigerung der Maske oder der Tests darf die Schule nicht betreten werden“, sagt Susann Meerheim. Dann würden die Schüler wieder nach Hause geschickt. In diesem Fall werde von einer Verletzung der Schulpflicht ausgegangen. Das könne im Einzelfall ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach sich ziehen. „Denn die Schulbesuchspflicht gilt wieder und ist nicht länger ausgesetzt.“ Auch einige Gerichte in Deutschland haben bereits über Eilanträge von Eltern entschieden, die die Masken- und Testpflicht in der Schule ablehnen. Übereinstimmend kamen die Gerichte zu dem Schluss, dass Maske und Tests einen verhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Schüler darstellen. Denn sie verfolgten den legitimen Zweck, die Virusausbreitung einzudämmen und so die Belastung für das Gesundheitssystem zu reduzieren. Das Verwaltungsgericht Würzburg wies sogar die Eilanträge eines Geschwisterpaares ab, das sich aus gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht befreien lassen wollte.

Wie geht es weiter, wenn die Coronazahlen wieder ansteigen?

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Laut sächsischem Kultusministerium werde das Infektionsgeschehen an jeder einzelnen Schule weiterhin täglich in den Blick genommen. So könnten bei lokalen Ausbrüchen durch das Ministerium schulbezogen zeitlich begrenzter Wechselunterricht oder Schulschließungen angeordnet werden. Sachsenweite Einschränkungen des Präsenzunterrichtes erfolgen aber erst beim Eintreten in die sogenannte Überlastungsstufe. Diese gilt, wenn im Freistaat mindestens 1.300 Krankenhausbetten der Normalstationen oder 420 Betten der Intensivstationen mit an Covid-19-Erkrankten belegt sind. Sachsenweite Schulschließungen seien aber auch dann nicht vorgesehen. Kitas, Grundschulen und Förderschulen würden in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen, das heißt, dass Betreuung und Unterricht in festen Gruppen oder Klassen erfolgt. Für die anderen Schüler sei Wechselunterricht vorgesehen. Kultusminister Christian Piwarz: „Wir können die Schulen sicherer machen, sie aber nicht in einen Hochsicherheitstrakt verwandeln, der virenfrei ist.“ Es bleibe immer eine Abwägung zwischen dem Infektionsschutz, dem Recht auf Bildung und den gesundheitlichen Auswirkungen, wenn kein Schulalltag mehr stattfinde.

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