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Schüler sammeln für gestrandeten Zirkus

Statt Vorstellungen, alles auf Sparflamme beim Zirkus Köllner. Zwei Jungs haben in Ehrenberg eine Hilfsaktion für die in der Region bekannte Familie gestartet.

Von Anja Weber
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Die Zirkusfamilie Köllner ist in Taubenheim gestrandet. In der Sächsischen Schweiz sind sie keine Unbekannten.
Die Zirkusfamilie Köllner ist in Taubenheim gestrandet. In der Sächsischen Schweiz sind sie keine Unbekannten. © SZ/Uwe Soeder

Das Zirkuszelt von Familie Köllner steht in Taubenheim, einem Ortsteil von Sohland. Die letzte Vorstellung hatten sie dort am 21. November. Seitdem dreht sich auch hier nichts mehr. Der Zirkus ist gestrandet. Die Familie ist auf fremde Hilfe angewiesen. Und die kommt jetzt auch aus der Sächsischen Schweiz, wo sie 2021 ebenfalls aufgetreten sind.

An der Förderschule im Hohnsteiner Ortsteil Ehrenberg ist vor Weihnachten deshalb eine ganz besondere Spendenaktion gestartet. Initiiert hat die Lukas Harnisch aus der 9. Klasse. Gemeinsam mit seinem Bruder bauen sie seit drei Jahren das Zelt für den Zirkus Köllner mit auf und mit ab, wenn dieser in Neustadt gastiert. Das schweißt natürlich zusammen und die beiden Jungs haben eine enge Verbindung zur Zirkusfamilie. Als sie nun hörten, dass ihre weiteren Gastspiele alle ausfallen müssen und sie im nur 20 Kilometer entfernten Sohland gestrandet sind, haben sie überlegt, wie sie helfen können. Dabei konnten sie sich auf die Unterstützung von Schulsozialarbeiter Tino Scolasti verlassen.

Auf Spenden angewiesen

Es habe sich gezeigt, dass die Lehrer und Schüler der Adolf-Tannert-Förderschule gern andere Menschen in Notlagen unterstützen. "Ein gutes Beispiel eines gelebten Miteinanders, angestoßen durch einen beherzten jungen Mann", sagt der Schulsozialarbeiter. Denn Lukas Harnisch stand natürlich auch weiter mit der Familie Köllner in Kontakt, wusste, dass sie unbedingt Futter für ihre Tiere kaufen müssen und keine Einnahmen haben.

Jessica Köllner und ihr Mann Jürgen betreiben den kleinen Zirkus schon seit einiger Zeit, inzwischen schon in sechster Generation. Mit Akrobatik und Clownerie sowie vier Ponys, vier Hunden, vier Lamas, vier Rinder, zwei Ziegen, acht Tauben und mehreren Hasen verzaubern sie das Publikum und bringen es zum Staunen. Normalerweise. Denn durch Corona mussten sie im zweiten Jahr in Folge einige ihre Auftritte absagen, so unter anderem auch in der Weihnachtszeit.

Im letzten Jahr sind die Köllners übrigens nicht nur in Neustadt, sondern auch in Pirna, Lohmen und Dürrröhrsdorf-Dittersbach aufgetreten - also eine in der Sächsischen Schweiz ziemlich bekannte Zirkusfamilie. Als "fahrendes Volk" in unterschiedlichen Bundesländern mit unterschiedlichen Verordnungen habe das Unternehmen keine finanzielle Unterstützung beantragen können. Und die Familie weiß nicht, wie es weitergeht. Deshalb hatten sie zu Futter- oder Geldspenden aufgerufen. Lukas Harnisch hatte noch vor Weihnachten mit der Spendenaktion begonnen.

Insgesamt sind 250 Euro zusammengekommen. Das Geld wurde dem Zirkus bereits übergeben. Und dort ist man natürlich froh darüber, dass es im weiten Umkreis Menschen gibt, die die Zirkusfamilie nicht allein lassen. Noch dazu freuen sie sich, dass sich gerade Menschen in der Region gern an ihre Auftritte in Neustadt erinnern. Und Lukas Harnisch und sein Bruder können es nicht erwarten, den Köllners in Neustadt wieder beim Aufbau des Zeltes zu helfen. Das allerdings wird wohl noch etwas dauern, obwohl Veranstaltungen unter Auflagen ja bald wieder möglich sein sollen. Die beiden Jungs hoffen das auch für den Zirkus.