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So funktionieren Corona-Tests in der Schule

Das Gymnasium in Altenberg wurde vom Virus arg getroffen. Jetzt hilft Testen den Schulbetrieb abzusichern. Das ist bald überall ein Muss.

Bio-Lehrerin Kathrin Legler testet vor ihrer eigentlichen Arbeit Schüler Ron Grahl auf eine Coronainfektion.
Bio-Lehrerin Kathrin Legler testet vor ihrer eigentlichen Arbeit Schüler Ron Grahl auf eine Coronainfektion. © Egbert Kamprath

Großes Aufatmen unter Lehrern und Schülern in Altenberg. Wegen eines positiven Corona-Falls an der Schule befürchteten zuletzt viele, dass sie in Quarantäne müssen. Für manche wäre das schon zum wiederholten Mal der Fall gewesen. Doch das Glück-Auf-Gymnasium konnte das nach intensiven Gesprächen mit der Gesundheitsbehörde abwenden und hat eine andere Lösung gefunden. Dazu ist aber ein enormes freiwilliges Engagement der Lehrerschaft erforderlich. "Dafür bin ich sehr dankbar", sagt Abiturient Ron Grahl.

Was war am Gymnasium in Altenberg passiert?

Eine Schülerin der Klasse 12, die kürzlich an den Vorabiturprüfungen teilgenommen hat, wurde in den Folgetagen positiv auf Virus Sars-CoV-2 getestet. Das Gesundheitsamt musste nun prüfen, wer nun als Kontaktperson ersten Grades in Quarantäne geschickt werden muss.

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Am Gymnasium in Altenberg gab es bereits im Oktober positive Corona-Fälle. Um die Folgen so gering wie möglich zu halten, wurde aufwendig ermittelt, wer beispielsweise in unmittelbarer Nähe zu dem jeweiligen Schüler im Klassenraum gesessen hat. Nur für diese Personen wurde vom Gesundheitsamt eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet.

Das führte aber damals nicht zum Erfolg. "Wir hatten am Ende eine Klasse, da waren von 26 Schülern 18 positiv getestet worden", sagt Hegewald. Das Gesundheitsamt setzte daraufhin die Quarantäne-Regeln wieder sehr strikt um. Die Zahl der Kontaktpersonen, die in Quarantäne mussten, war entsprechend groß.

Nach fast vier Monaten häuslicher Lernzeit müsse es jetzt mit den gewonnenen Erfahrungen andere Lösungen geben, sagte sich Hegewald und stieß damit auf Wohlwollen im Gesundheitsamt des Landkreises.

Wieso kamen Schüler an der Quarantäne vorbei?

In den Räumen, in denen sich die Schüler beim Vorabitur über längere Zeit aufgehalten hatten, konnte der geforderte Abstand eingehalten werden und anderenfalls wurde Maske getragen. Zudem wurde regelmäßig gelüftet.

Für das Landratsamt ist demnach "ein schlüssiges Hygienekonzept" eingehalten worden. "Insofern kam es zu der Bewertung, dass keine Kontakte der Kategorie 1 vorlagen. Folglich musste für Mitschüler keine Quarantäne ausgesprochen werden", teilt die Behörde auf Nachfrage mit.

Schulleiter Volker Hegewald wollte trotzdem eine ähnliche Entwicklung mit weiteren Positiv-Fällen wie im Herbst verhindern. Alle 24 Schüler und sechs Lehrer, die nun als Kontaktperson zweiter Kategorie eingestuft wurden, müssen sich täglich vor Unterrichtsbeginn testen lassen.

Wer testet die Schüler im Gymnasium?

Für den täglichen Corona-Test, musste sich die Schule selbstständig um Fachpersonal und Equipment kümmern. Neun Lehrerinnen und Lehrer erklärten sich bereit, einen Kurs beim DRK zu belegen. Alles freiwillig in der Freizeit.

Für die Lehrerinnen Kathrin Legler und Nadja Röller, die am Freitagmorgen die Abstriche nahmen, war das Ehrensache. "Wir wollen doch auch, dass es an der Schule so schnell und sicher wie möglich weitergeht", sagt Röller. Das sei eben der Beitrag der Lehrerschaft zur Verbesserung der Corona-Situation, sagt Legler.

In 45 Minuten sind die täglichen Testungen erledigt. Alle Ergebnisse waren bislang negativ. Das bleibt jetzt für zwei Wochen tägliche Praxis. Gleich mal alle Schüler und Lehrer komplett durchzutesten, dafür reichte die vorhandene Anzahl der Test-Sets nicht. "Das wäre in dem Fall auch nicht verhältnismäßig gewesen", sagt Hegewald.

Wer bezahlt das Equipment für die Corona-Tests?

Die Kosten für den Corona-Test-Kurs der Lehrerinnen und Lehrer hat das Gymnasium erst mal vorgestreckt. Das Sozialministerium sah keine Möglichkeit der Kostenübernahme. "Uns wurde vom Landesschulamt aber signalisiert, dass die Finanzierung über ein anderes Budget möglich wäre", sagt Hegewald. Eine Bestätigung hat er aber noch nicht.

Das Landratsamt hat 150 Test-Sets zur Verfügung gestellt. Bei der Logistik hat das DRK mit seinem Know-how geholfen.

Wie bewerten Schüler die Corona-Tests?

Schüler Ron Grahl hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft. Gern würde er ein Medizin-Studium beginnen. Dafür gibt es aber nur in begrenzter Anzahl Studienplätze an den Universitäten. "Deshalb ist ein sehr gutes Abitur wichtig", sagt er. Dazu muss er aber gut vorbereitet in die Prüfungen gehen. Das ist im Präsenzunterricht an der Schule besser als zu Hause am Schreibtisch oder Bildschirm.

"Es ist ja ohnehin schon viel in diesem Schuljahr ausgefallen. Da wäre eine Quarantäne noch mal von Nachteil", sagt er und ist dankbar, dass alles dafür getan werde, dass nicht noch mehr Unterricht ausfällt. Mit der Test-Aktion können frühzeitig Infektionsfälle erkannt werden. Deshalb hatte sich das Gymnasium so für das Testen stark gemacht. "Man sieht besser in die Situation rein", sagt der Schulleiter.

Hegewald ist sich nun sicher, dass die Abiturienten gut vorbereitet in die Prüfungen gehen. Aktuell werden ausschließlich Prüfungsfächer unterrichtet. Alle anderen Fächer dann noch die fünf Wochen nach dem Abi-Prüfungen.

Wie läuft die Öffnung der Schulen in SOE ab 15. März?

Als im Februar die Schulen für Abschlussklassen wieder öffneten, organisierte das sächsische Kultusministerium Corona-Schnelltests für alle Schüler – auf freiwilliger Basis. Mit dem Resultat, dass sich im Glückauf-Gymnasium Altenberg gerade mal ein Drittel testen ließ. Infektionen lassen sich auf diese Art nicht verhindern.

Am Donnerstag teilte das Kultusministerium mit, dass es bei der nun geplanten Öffnung der weiterführenden Schulen auf verpflichtende Tests für alle Schüler und das gesamte Personal setzt. Ausgenommen sind Grundschüler. Diesen Plan muss der Freistaat noch in der neuen Corona-Schutzverordnung verankern.

Klar sei jedoch, dass alle 450 Schülerinnen und Schüler in Altenberg dann nicht wie jetzt aufwendige, von geschultem Personal durchgeführte Schnelltests absolvieren werden. Das sei zeitlich gar nicht zu schaffen. Voraussetzung sind demnach sogenannte Selbsttests. Die können auch Schüler ohne Mithilfe anderer machen.

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Schüler ab Klassenstufe 5 sollen sich einmal pro Woche testen, Lehrer und weiteres Personal an den Schulen zweimal pro Woche“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kultusministeriums. Der erste Öffnungsschritt ist für Förderschulen ab 10. März geplant, für weiterführende Schulen ab dem 15. März. Einzige Voraussetzung: Die Inzidenz im Landkreis bleibt stabil unter 100 Infektionen je 100.000 Einwohner.

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