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Schuhaktion auch in Wilsdruff

Einen stillen Protest gegen Corona-Maßnahmen an Schulen gab es auch in Wilsdruff. Der Bürgermeister macht ihn öffentlich.

Übers Wochenende wurden einige Kinderschuhe vor dem Eingang des Wilsdruffer Rathauses am Markt abgestellt. Bürgermeister Ralf Rother (CDU) machte die Aktion öffentlich.
Übers Wochenende wurden einige Kinderschuhe vor dem Eingang des Wilsdruffer Rathauses am Markt abgestellt. Bürgermeister Ralf Rother (CDU) machte die Aktion öffentlich. © Facebook/Ralf Rother

Auch in Wilsdruff protestierten Eltern und Schüler gegen die Corona-Maßnahmen des Freistaates Sachsen. Am Wochenende stellten einige Schuhe vor die Tür des historischen Rathauses am Marktplatz. Sie hinterließen auch Forderungen, die sie auf Pappen und Papier aufschrieben.

Dort war unter anderem zu lesen: "Wir Kinder wollen wieder frei atmen & lachen, zusammen lernen, spielen und Sport treiben!!! Und das alles ohne Masken und Testpflicht! Lasst uns Kinder Kinder sein!" Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) machte die Aktion auf Facebook und über seinen WhatsApp-Status öffentlich und kommentierte sie.

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Zuerst habe er den Gedanken gehabt, die Schuhe "nach Dresden vor den Sächsischen Landtag zu tragen. Denke aber, die große Freitreppe dort wird schon voll sein. Wir werden sie stehen lassen und die Botschaft mit nach Dresden nehmen", so Rothers erste Reaktion. Am Montag wurden die Schuhe von der Tür entfernt, damit das Rathaus wieder betreten werden konnte.

Pro und kontra als Reaktion

Rother versprach, das Thema mit seinen Möglichkeiten an geeigneter Stelle anzubringen. Er schränkte aber ein: "Ich teile sicher nicht jeden Spruch, doch Kinder sollten bei allen Entscheidungen immer im Vordergrund stehen. Denn die nächsten Generationen sind unsere Zukunft."

Auf Facebook entwickelte sich nach dem Post eine rege Diskussion. Es melden sich Unterstützer der Aktion. Andere wiesen darauf hin, dass die getroffenen Schutzmaßnahmen notwendig sind, um Menschen vor einer Infektion zu schützen. Vor der Tür zum historischen Rathaus wurden indes weitere Schuhe abgelegt.

Am Dienstagnachmittag nahm der Bürgermeister Stellung zu den Kommentaren. "Es gibt oft keine einfachen Antworten auf komplizierte Fragen. Und Entscheidungen zu treffen, ist unbestritten deutlich schwieriger, als diese lediglich zu kritisieren", erklärt er.

Dennoch müsse Kritik möglich sein und und abgewogen werden. Einzelne Menschen vergessen aber, dass andere Meinungen respektiert werden sollten. Wenn albernes Parteiengezänk dominiert und der gesunde Menschenverstand aussetzt, werde es keine akzeptablen und vertretbaren Antworten und Lösungen geben können.

Das Schuhaktion in Wilsdruff wurde fortgesetzt.
Das Schuhaktion in Wilsdruff wurde fortgesetzt. © Facebook/Ralf Rother

"Ich verstehe mich als Bürgermeister aller Wilsdruffer", so Rother. Für ihn heißt das: alle wesentlichen Argumente anhören, aufnehmen, in Entscheidungen einbinden oder diese zu transportieren, wenn er nicht selbst entscheiden könne. Daher habe er zum Beispiel Verständnis für die Frage, warum gut funktionierende Hygienekonzepte in den vielen Lebensmittelmärkten nicht in der gesamten Innenstadt gelten können.

Rother: "Ein 'weiter so wie bisher' funktioniert nicht." Als Bürgermeister, der schon einige Jahre im Amt ist, wisse er, wie wichtig es ist, Entscheidungen von allen Seiten zu beleuchten. Er wisse auch, dass Fehler passieren können und daraus zu lernen eine bedeutende Stärke sei. Denn: "Nur wer nichts macht, macht keine Fehler."

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"Ich werbe daher ausdrücklich um eine ehrliche und faire Auseinandersetzung. Wir leben alle in einer Stadt, arbeiten gemeinsam, sind gemeinsam in einem Verein aktiv, haben Kinder im Kindergarten und der Schule oder gehen gemeinsam einem Hobby nach." Daher müsse nach jeder noch so intensiven Auseinandersetzung ein Miteinander möglich sein. Sein Appell: "Tragen Sie bitte alle mit dazu bei!"

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