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Ärger mit überfüllten Schulbussen

Dicht an dicht stehen die Schüler in den Bussen. Ein Wechselunterricht an den Schulen hätte Entspannung gebracht. Das Kultusministerium hat das verboten.

Gedränge am Schulbus wie hier in Königstein, offenbar ein sachsenweites Problem. Gibt es jetzt Entspannung?
Gedränge am Schulbus wie hier in Königstein, offenbar ein sachsenweites Problem. Gibt es jetzt Entspannung? © Karl-Ludwig Oberthuer

Übervolle Schulbusse sind in Zeiten von Corona ein Streitthema. Eltern haben Sorgen um ihre Kinder und sich selbst. In ihrer E-Mail an Saechsiche.de schreibt unter anderem eine Mutter aus Bad Schandau, dass sie aus Sorge um ihre Tochter diese lieber krank schreiben lassen würde, als sie vollen Schulbussen auszusetzen. Es gehe um den Schutz ihrer Tochter, aber auch aller anderen Familienangehörigen. Und sie ist nicht die einzige, die die Zustände kritisiert. Schüler und Eltern klagen immer wieder über das Infektionsrisiko auf dem Schulweg.

Im Landratsamt in Pirna weiß man um die Sorgen der Eltern. Aber die Verkehrsunternehmen könnten keine zusätzlichen Platzkapazitäten zur Verfügung stellen. Und selbst wenn sie diese hätten, gebe es nicht das dafür nötige qualifizierte Fahrpersonal, heißt es. Allen sei bewusst, das in den Bussen kein Mindestabstand eingehalten werden kann. Deshalb appelliert Landrat Michael Geisler (CDU) an die Vernunft - und daran, dass die Hygieneregeln eingehalten werden. Und die besagen bekanntlich, in Bus und Bahn und eben auch an den Haltestellen davor, eine Mund- und Nasen-Bedeckung zu tragen.

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Sollte eine Befreiung von der Maskenpflicht vorliegen, müssen die Betreffenden den Kontrolleuren ein ärztliches Attest vorlegen. Wer keine Maske trage, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das kann mit einem Bußgeld von 60 Euro geahndet werden.

Verkehrsverband fordert versetzte Unterrichtszeiten

Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen schlägt Alarm. Sein Sprecher fordert die Schulen auf: Lasst nicht alle gleichzeitig anfangen und aufhören. Schon wenn nur einige Klassen morgens eine halbe oder ganze Stunde später starten würden als andere, könnte das viel ausmachen. Dann würden manche später zur Schule kommen und länger dableiben, sodass sich die Schülerinnen und Schüler auf mehr Busse verteilen. Und der Verband bemerkt, dass wieder mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Wenn das viele machen, kann das zu einem Verkehrschaos vor der Schule führen.

Ministerium untersagt Wechselbetrieb trotz hoher Inzidenz

Obwohl zahlreiche Klassen in mehreren Schulen im Landkreis komplett in Quarantäne sind, ist noch keine Entspannung im Schulbusverkehr in Sicht. Der Wechselunterricht hätte unter anderen nicht nur für die Entlastung der Lehrer sorgen können, sondern auch für den ÖPNV.

So ist zum Beispiel das Goethe-Gymnasium in Sebnitz am 1. Dezember in den siebenten bis zehnten Klassen ins Wechselmodell gestartet. Das hatte auch das Landesamt für Schule und Bildung so bestätigt. Am gleichen Tag, 13 Uhr, hat jedoch das Kultusministerium dies untersagt. Damit kehren nun alle Schüler in den Normalunterricht zurück. Und damit dürfte auch das morgendliche und nachmittägliche Schulbus-Chaos wieder von vorn beginnen. In der Friedrich-Schiller-Oberschule in Neustadt will man das verhindern. Man bemühe sich um einen gestaffelten Unterrichtsbeginn, um den Schulbusverkehr zu entzerren.

Ob das alles generell an allen Schulen so organisiert und damit auch der Schulbusverkehr entzerrt werden kann, bleibt offen. Letztlich kommt es darauf an, wie viel Lehrer zur Verfügung stehen und wie diese den Unterricht absichern können. Das weiß auch der Landeselternrat und hat deshalb konkrete Forderungen.

Landeselternrat fordert Wechselmodell und zusätzliche Busse

Der Landeselternrat fordert zum Schutz der Schüler und deren Familienangehörigen sowie angesichts des Schulbus-Chaos das Wechselmodell. Damit könne man natürlich erreichen, dass endlich Abstände eingehalten werden können. Zudem seien aus den Erfahrungen im Frühjahr die Rückmeldung gekommen, dass die Arbeit in den Kleingruppen effizienter wäre und so wenigstens hier und da kleine Vorteile entstehen. Der Landeselternrat schlägt außerdem vor, die zusätzlichen Kapazitäten im Öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Aufgrund der Absage diverser Busreisen stehen Fahrzeugkapazitäten und Busfahrer zur Verfügung. Diese könnten, so der Landeselternrat in einer Pressemitteilung, an einigen Stellen eingesetzt werden, um die Situation im ÖPNV dahingehend zu entspannen, dass wenigstens ansatzweise etwas mehr Abstand eingehalten wird. Man wolle ja gar nicht so weit gehen, dass jeder Schüler einen Platz bekomme, was das ganze noch sicherer machen würde. Es sei derzeit schon hilfreich, wenn man den Arm heben könne, um die Niesetikette zu wahren.

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