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Sachsens Lehrer kritisieren Durchseuchungs-Warnungen

Anders als der Bundesverband hält der Verband sächsischer Lehrer ein Szenario nach Schulbeginn mit Tausenden Kindern in Kliniken für unwahrscheinlich.

Noch ist ungewiss, wie gefährlich Delta für Kinder ist.
Noch ist ungewiss, wie gefährlich Delta für Kinder ist. © Matthias Balk/dpa (Symbilbild)

Dresden. In der Debatte um einen möglichen sprunghaften Anstieg von Coronafällen bei Kindern und Jugendlichen nach dem Start ins neue Schuljahr distanziert sich die Gewerkschaft Sächsischer Lehrerverband (SLV) von den Warnungen des Deutschen Lehrerverbandes. Während der Bundesverband vergangene Woche vor einer Durchseuchung und von bis zu 200.000 zu hospitalisierenden Fällen warnte, bezeichnet der stellvertretende Vorsitzende des SLV, Michael Jung, ein solches Szenario als "Panikmache".

Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de, erklärt Jung, dass er "den sächsischen Weg" mit Präsenzunterricht, der erst beim Erreichen der sogenannten Überlastungsstufe in den Krankenhäusern aussetzen müsste, für richtig halte. Um für die nötige Sicherheit zum Schuljahresbeginn zu sorgen, betont der SLV-Vorstand, seien häufige Tests und eine verschärfte Maskenpflicht zunächst das richtige Mittel. "Allerdings sollten die Maßnahmen danach auch langsam wieder heruntergefahren werden."

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Die Einschätzung, dass eine Durchseuchung an den Schulen nach den Sommerferien unwahrscheinlich sei, teilt auch Reinhard Berner, Chef der Kinderklinik am Dresdner Uniklinikum. Er bezieht sich auf ein bundesweites Corona-Register für Kinder, das an seiner Klinik geführt wird. "Darin registrieren wir jede Hospitalisierung von Kindern in Deutschland. Seit Beginn der Pandemie kommen wir da auf 1.800 Fälle."

Lehrerverband fühlt sich bei Problemen mit Testverweigerern allein gelassen

Sachsen hat in seinen Coronaregeln für die Schulen vorgeschrieben, dass Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und das gesamte Schul- und Hortpersonal in den ersten beiden Wochen nach den Ferien zweimal in der Woche getestet werden müssen. In Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz über 10 sind drei Tests pro Woche nötig. Das Ziel ist, so Infektionen durch Reiserückkehrer zu vermieden. Vollständig Geimpfte oder Genesene müssen sich nicht testen. Jung fordert für diese Gruppe allerdings: "Auch für die geimpften Jugendlichen sollte möglich gemacht werden, dass sie sich freiwillig testen können."

Als ein größeres Problem als die Warnungen vor einem möglichen sprunghaften Anstieg von Coronafällen in den Schulen schätzt Jung das Streitpotential mit Testverweigerern ein. "Wie soll man mit solchen Schülern umgehen oder mit deren Eltern und anderen Kritikern", fragt der SLV-Vize und sieht die Lehrer bei möglichen Auseinandersetzungen vom Kultusministerium im Stich gelassen. "Für diese Fälle ist vom Ministerium nichts gekommen."

CoronaCast: Droht den Schulen eine Durchseuchung

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