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Eltern im Visier der Corona-Proteste

Ein offener Brief gegen Masken und eine Demonstration in Bautzen: Was steckt dahinter?

Immer mehr Protestinitiativen gegen die Coronamaßnahmen formieren sich, auch im Kreis Bautzen. Vermehrt rücken dabei Familien in den Fokus.
Immer mehr Protestinitiativen gegen die Coronamaßnahmen formieren sich, auch im Kreis Bautzen. Vermehrt rücken dabei Familien in den Fokus. © dpa-Zentralbild

Bautzen. Deutschlandweit steigen die Corona-Infektionszahlen, es gibt immer mehr Risikogebiete. Während bei einigen die Sorge über diese Entwicklung steigt, wächst in Teilen der Bevölkerung der Unmut. Auch im Kreis Bautzen gibt es neue Protestinitiativen. Eine verstärkte Rolle spielen dabei Elterninitiativen und die sogenannten „Querdenken“-Gruppen, wie drei Beispiele aus dieser Woche zeigen. Dabei rückt die Situation von Familien in den Vordergrund.

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So veröffentlichten am Montag die Kreiselternräte von Bautzen und Görlitz einen offenen Brief an die Landesregierung. Darin fordern sie faktisch die Aufhebung aller Corona-Auflagen für Schüler, insbesondere sollen sie keine Masken mehr tragen müssen. Am Dienstag hielt „Querdenker“ Bodo Schiffmann eine Versammlung in Bautzen ab – und für Donnerstag haben Eltern einen Protest angekündigt.

Protest am Donnerstag in Bautzen angekündigt

Was steckt dahinter? Zu dem Protest am Donnerstag in Bautzen ruft eine Gruppierung auf, die sich „Eltern stehen auf“ nennt. Die Gruppe fordert im Kern drei Dinge: Dass es keine Maskenpflicht für Kinder gibt, dass Kinder keinen Abstand halten müssen und dass sie nicht geimpft werden müssen. Der Bautzener Ableger dieser Gruppierung kommuniziert über die Messaging-Plattform Telegram. Verbreitet werden dort Verschwörungsmythen, laut denen Menschen bei einem Corona-Test Mikrochips eingesetzt würden; an anderer Stelle ist von „Chefvirolüge Drosten“ die Rede. „Wir müssen reden – über Freiheit, Grundrechte, Verantwortung, Verhältnismäßigkeit“, heißt es auf einem Werbebild für die Demonstration.

Die Verfasser eines Demoaufrufes sind Katrin und Veit Gähler. Auf Anfrage von Sächsische.de sagt Veit Gähler, er sei nicht der Anmelder der Demo – „wir haben das nur weitergeleitet“. Veit und Katrin Gähler sind keine Unbekannten in Bautzen. Dem Spielzeughändler wird eine Nähe zu Reichsbürgern und Verschwörungserzählungen vorgeworfen. Er ist als Asylkritiker bekannt. Eine Anmeldung für die Demonstration liegt dem Landratsamt vor. Der Protestmarsch soll vom Hauptmarkt durch die Innenstadt zum Gesundheitsamt in der Bahnhofstraße führen.

"Querdenker" Bodo Schiffmann in Bautzen

Eine andere Protestinitiative ging am Dienstag auf dem Bautzener Schützenplatz von dem Sinsheimer Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bodo Schiffmann aus. Er ist einer der führenden Köpfe der „Querdenken“-Bewegung, die mit ihren Protesten in Berlin und Stuttgart Schlagzeilen machte. Junge Familien, Rechtsextreme und Verschwörungsfantasten protestierten nebeneinander. Vom Sturm auf den Reichstag am Rande einer der Demonstrationen distanziert sich die Gruppierung. Die Polizei spricht im Zusammenhang mit der Aktion in Bautzen von 200, das Landratsamt von 300 Teilnehmern. Die Versammlung war angemeldet. In der Gruppe von „Eltern stehen auf“ wurde dafür geworben.

Eine dritte Protestaktion formiert sich um den Bautzener Kreiselternsprecher Marcus Fuchs. Während er sich in seiner Funktion zuvor bedeckt hielt, tritt er nun in der Corona-Krise mit Forderungen zu Schulthemen ins Licht der Öffentlichkeit. Doch ihm geht es um mehr als das; er übt grundsätzliche Kritik an der Corona-Politik. Auch er zählt zur „Querdenken“-Szene, ist nach eigenen Angaben Mitbegründer des Dresdener Ablegers und ruft zu einer Demonstration in Dresden auf.

Kreiselternsprecher will "Querdenken"-Gruppe gründen

Zwar betont er, Corona nicht zu leugnen. Aber selbst das sei von der Meinungsfreiheit gedeckt – findet er. Und: Mit Corona-Leugnern eine ihn immerhin das Ziel. Ihm geht es um Kritik an den Schutzmaßnahmen, die er für wirkungslos und überzogen hält. Und er will, dass mehr corona-kritische Wissenschaftler in den Medien Gehör finden.

Verderben will er es sich auch mit den Verschwörungserzählern nicht. Er sagt: „Es gibt keinen einzigen Beleg, dass Bill Gates das Virus erschaffen hat. Das sind kuriose Behauptungen.“ Aber das will er nicht unbedingt in der Zeitung lesen, damit sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlt. Er wolle die Sorgen ernst nehmen. Sein Ziel sei bei den Versammlungen auch, über das Coronavirus aufzuklären - und so die Verschwörungsmythen im Zweifel aufzulösen.

Fuchs nimmt für sich in Anspruch, wissenschaftlich zu argumentieren. Dem Offenen Brief hängt eine Liste von Fußnoten an, er bezieht sich auf Wissenschaftler. Fuchs kritisiert: Die Fehlerquote von PCR-Tests sei so hoch, dass kaum eine Aussage über das Pandemie-Geschehen möglich sei. Und Maßnahmen wie der Lockdown hätten keine Wirkung – die Neuinfektionszahlen seien schon vor Einführen der Maßnahmen rückläufig gewesen.

Robert-Koch-Institut widerspricht den Thesen

Das Robert-Koch-Institut widerspricht. So könne die Ansteckungsquote, die Reproduktionszahl, nicht als alleiniges Maß für die Wirksamkeit von Maßnahmen wie den Lockdown herangezogen werden. Es gelte, weitere Faktoren wie die Kapazitäten der Intensivbetten und die Schwere der Erkrankungen zu beachten. An die Corona-Tests gebe es hohe Qualitätsanforderungen, sagt das RKI – wenn diese korrekt durchgeführt werden, liege die Zielgenauigkeit bei fast 100 Prozent.

Dass nicht alle Eltern mit den Aussagen des Kreiselternsprechers einverstanden sind, zeigen nicht nur Kommentare in den sozialen Medien. Auch erste offizielle Reaktionen gibt es. So distanziert sich der Elternrat des Bautzener Schiller-Gymnasiums von dem Brief. Der Landeselternrat möchte sich nicht zu dem Schreiben äußern, befürwortet aber, dass im Schulgebäude Masken getragen werden.

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