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Locker in die dritte Welle

Die Corona-Zahlen steigen, die Schulen öffnen trotzdem. Es fehlen nicht nur Tests, sondern vor allem eine durchdachte Strategie. Ein Kommentar.

Tausende Schüler sind am Montag in die Schulen zurückgekehrt. Doch es fehlt eine durchdachte Strategie für den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen, kritisiert Ulli Schönbach, SZ-Redaktionsleiter in Bautzen.
Tausende Schüler sind am Montag in die Schulen zurückgekehrt. Doch es fehlt eine durchdachte Strategie für den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen, kritisiert Ulli Schönbach, SZ-Redaktionsleiter in Bautzen. © dpa

Eigentlich sollte uns der Start in diese Woche zuversichtlich stimmen: Tausende Schüler im Landkreis Bautzen sind am Montag in ihre Klassenzimmer zurückgekehrt. Präsenzunterricht statt Lernen daheim. Ein großer Schritt auf dem Weg in Richtung Normalität – so scheint es.

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Doch die gute Nachricht wird überlagert von der Ahnung, dass es damit rasch vorbei sein kann. Die Zahl der Corona-Infektionen im Landkreis Bautzen steigt langsam, aber stetig. Am Donnerstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Kreisverwaltung noch bei 88 Fällen pro 100.000 Einwohner, am Sonntag waren es bereits 111, am Montag 107.

Das ist noch nicht das sprunghafte Wachstum, wie wir es im November und Dezember erlebt haben. Doch die Zahlen machen klar: Die „dritte Welle“ kommt, offen ist nur noch, wie heftig sie ausfällt.

Freiwillige Tests nur mäßig genutzt

Gefragt wären also kluges Krisenmanagement, ausreichend Tests und eine nachvollziehbare Strategie - wenn schon das Impfen nur schleppend vorangeht. Doch was wir erleben, ist das glatte Gegenteil.

Das zeigt das Beispiel Schulen besonders deutlich: Erst erklärt der Freistaat verpflichtende Corona-Tests zur Voraussetzung für den Präsenzunterricht, dann bekommt er auf die Schnelle die Organisation nicht hin. Geöffnet werden die Schulen trotzdem. Stattdessen wird erst einmal die Testpflicht ausgesetzt.

All dies geschieht zwei Wochen vor den Osterferien, in dieser Zeit werden die meisten Schüler ohnehin nur eine Woche in Präsenz unterrichtet. Und das auch nur, wenn die Schulen nicht ohnehin in wenigen Tagen wieder schließen.

Und um den Murks komplett zu machen, stellen sich auch noch etliche Eltern quer. Freiwillige Test-Angebote, die von Schulen mit viel Aufwand organisiert wurden, werden nur mäßig genutzt, weil Familien ihre Kinder partout nicht testen lassen wollen. Da trifft staatliche Desorganisation auf individuelle Verantwortungslosigkeit.

Noch täuscht die Statistik. Weil Sonnabend und Sonntag kaum getestet wird, fallen die Zahlen zu Wochenbeginn immer etwas niedriger aus. Die Stunde der Wahrheit schlägt in der zweiten Wochenhälfte, und vieles spricht dafür, dass uns die Botschaft nicht gefallen wird.

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