merken
PLUS Löbau

Sind Schulen Corona-Hotspots?

Im Kreis Görlitz gibt es an vier Schulen Quarantäne-Fälle, vier haben es erst mal überstanden. Wie damit umgegangen wird, ist verschieden.

Was gehört in die Schultasche? Neben Federmappe und Büchern momentan auf alle Fälle ein Mund-Nase-Schutz.
Was gehört in die Schultasche? Neben Federmappe und Büchern momentan auf alle Fälle ein Mund-Nase-Schutz. © dpa

Ute Wunderlich hat gewöhnlich viel Elan und Energie. Doch derzeit ist die Geschäftsführerin der im ganzen Kreis ansässigen, freien Schkola-Schulen corona-malade. "Ja, ich bin selbst infiziert und mit mir eine Kollegin aus der Geschäftsleitung", bestätigt sie am Telefon.

Wo sie sich angesteckt hat, weiß Ute Wunderlich nicht - somit ist unklar, wie lange das Virus schon in ihr steckt. "Noch in der vergangenen Woche hatte ich wie immer alle unsere Standorte im Kreis Görlitz besucht und wir haben uns auch zu einer Sitzung in der Teamleitung getroffen", sagt sie. Deshalb ist die Schkola aus eigenem Entschluss ins Homeschooling übergegangen, um ein weiteres Ausbreiten des Virus' zu verhindern. Amtlich angeordnete Quarantäne für Schkola-Schüler im Zusammenhang mit den Infektionen im Lehrer-Kollegium gibt es nach Informationen von Ute Wunderlich bislang nicht.

Küchen-Profi-Center Hülsbusch
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Corona-Alarm wie diesen gibt es an Schulen im Kreis Görlitz immer wieder: Nachdem am Donnerstag die Quarantäne-Anordnungen für die Fröbel-Schule in Olbersdorf gerade ausgelaufen waren, kamen im Süden des Kreises rasch neue Infektionsmeldungen nach: So sind neben der Schkola mehrere Klassen am Zittauer Christian-Weise-Gymnasium betroffen. Auch an der Medizinischen Fachschule Görlitz/Klinikum Görlitz sowie an der Evangelisch-Diakonische Grundschule Löbau sind derzeit Quarantäne-Regelungen angeordnet, teilte das Landratsamt auf SZ-Nachfrage mit.

Schon vor einigen Wochen hatte es Fälle an der Wilhelm-Busch-Grundschule in Zittau, der Förderschule Johann Amos Comenius in Herrnhut und auch an der Oberschule Innenstadt in Görlitz gegeben. 

Bisher eher Einzelfälle an Schulen

Was man zu den ersten Fällen bislang weiß: Meist handelte es sich um einen oder zwei Schüler, die infiziert waren. Lediglich in der Görlitzer Oberschule waren es am Ende drei erkrankte Kinder, bei denen der Kontakt untereinander offenbar zur Infektion geführt haben könnte. Dennoch hat sich Covid19 bislang nicht lauffeuerartig unter den Schülern verbreitet - wohl auch dank der raschen Reaktionen und der Hygienekonzepte, schätzt der Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub), Vincent Richter, ein. "Dass Schulen bislang Corona-Hotspots sind, diesen Eindruck habe ich nicht", betont er.

Auch das Görlitzer Gesundheitsamt kann das so nicht bestätigen: "Was wir derzeit sehen, ist, dass Infektionen nicht in den Einrichtungen entstehen, sondern von außen hinein getragen werden", erklärt Kreissprecherin Julia Bjar. Im Vergleich dazu stellten Reiserückkehrer aus Risikogebieten oder auch Familientreffen - wie bei größeren Feiern - ein größeres Risiko dar.

Klassen müssen nicht komplett in Quarantäne

Wie genau die Hygienevorschriften in den Schulen ausgelegt werden - ob die Schüler auf den Gängen Masken tragen müssen oder nicht -  entscheidet der jeweilige Schulleiter. "Das liegt daran, dass die baulichen Gegebenheiten in den Schulen sehr unterschiedlich sind", schildert Richter. Sind die Gänge breit und hoch oder gibt es Einbahnstraßen-Systeme, kann der Schulleiter auf eine Maskenpflicht im Schulhaus verzichten. Ob im Fall des Falles dann eine ganze Schule oder nur eine Klasse in Quarantäne geschickt werde, lege wiederum das jeweils zuständige Gesundheitsamt fest. 

Dabei hat Richter unterschiedliche Vorgehensweisen festgestellt: In Bautzen verfolge das Gesundheitsamt den Ansatz, dass man bei Grundschülern eher die ganze Schule unter Quarantäne stelle, weil es hier schwieriger sei, die Kontakte genauer nachzuvollziehen als bei älteren Schülern. Darüber habe der Kreis Bautzen die Eltern auch informiert. Eine ähnliche Vorgehensweise hat der Lasub-Sprecher beim Kreis Görlitz bislang nicht beobachtet. Aus dem Görlitzer Landratsamt heißt es dazu, dass man sich bei den Testkriterien für Schulen an die Hinweise des RKI von Ende September halte. "Überdies wurde durch das Kultusministerium darauf hingewiesen, dass bei einem positiven Fall in einer Klasse nicht grundsätzlich die gesamte Klasse unter Quarantäne gestellt werden muss", teilt Frau Bjar mit. Voraussetzung ist, dass die entsprechenden Hygieneregeln der Schule umgesetzt wurden. Dieses Vorgehen hatte im Fall des Christian-Weise-Gymnasiums in Zittau viele irritiert.

Nur wenige Lehrer unterrichten nicht

Doch nicht nur die Schüler haben durch ihre Vielzahl von Kontakten sowohl in den Klassen als auch in der Freizeit ein erhöhtes Infektionsrisiko. Gleiches trifft für Lehrer zu. Nach Angaben des Landesamtssprechers unterrichten im Kreis Görlitz derzeit gut 2.000 Lehrer an 95 Schulen. Von diesen Lehrern haben ein Prozent ein ärztliches Attest eingereicht, dass sie als Risikopatienten zählen und nicht unterrichten müssen - im ganzen Freistaat sind es zwei Prozent. "Etwa die Hälfte der Lehrer mit Attest unterrichtet aber dennoch", betont Richter. Manche stehen dabei trotz Risiko direkt vor den Klassen, andere unterrichten - wie in einem Görlitzer Gymnasium - per Videokamera aus dem Nebenraum eines Fachkabinetts. Um sie besser zu schützen, erhalten sie vom Freistaat seit September FFP2-Masken, die wirksamer gegen die Virusverbreitung sind.

Wie stark die Regelungen an Schulen heiß diskutiertes Thema sind, zeigen zwei Forderungen von Anfang dieser Woche: Zum einen wandten sich die Kreiselternräte aus Bautzen und Görlitz mit einem Brief an die Staatsregierung: Sie fordern die Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen - wo doch Experten genau das Gegenteil befürworten. Ihre Expertise basiert auf einer Umfrage unter reichlich 200 Eltern in den Landkreisen. Demgegenüber steht ein Aufruf des Deutschen Philologenverbandes, Decken und Schals mit in den Unterricht zu bringen, da es beim korrekten Lüften bald kalt werden könnte.

Weiterführende Artikel

Corona-Fall an Dresdner Kita gemeldet

Corona-Fall an Dresdner Kita gemeldet

Dutzende Kinder und Erzieher müssen in Quarantäne. Welche Einrichtungen aktuell betroffen sind - der Überblick.

Sachsen lehnt längere Winterferien ab

Sachsen lehnt längere Winterferien ab

Um Schulschließungen zu vermeiden, schlagen Politiker längere Ferien im Winter vor und kürzere im Sommer. Die Reaktionen kommen prompt.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Löbau