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Corona: Luftfilter für die Schulen in der Region Döbeln?

Die Anschaffung ist teuer und die Förderung eingeschränkt. Deshalb setzen die Kommunen auf Bewährtes.

Es gibt viele verschiedene Luftfilteranlagen, die in Klassenzimmern zum Einsatz kommen könnten.
Es gibt viele verschiedene Luftfilteranlagen, die in Klassenzimmern zum Einsatz kommen könnten. © Symbolfoto: dpa

Region Döbeln. Der sächsische Landesschülerrat und die Lehrergewerkschaft fordern die Anschaffung von Luftfiltern für Klassenzimmer, in denen das Lüften nicht ausreichend möglich ist. Der Bund stellt dafür rund 200 Millionen Euro zur Verfügung, Sachsen erhält davon etwa 10 Millionen Euro. Die Kommunen als Schulträger können dadurch mit einer 80-prozentigen Förderung rechnen.

Trotzdem erfolgt der Schulstart in der Region Döbeln ohne Luftfilteranlagen. „Die Stadt Döbeln prüft weiterhin Fördermöglichkeiten zur Anschaffung von Luftfiltern oder Luftreinigungsgeräten für die Schulen oder Kindertagesstätten. Die aktuell vorhandenen Programme sind für Döbeln nicht nutzbar“, erklärt Pressesprecher Thomas Mettcher.

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Denn die Förderprogramme zielten auf Räume ab, bei denen die Fenster nur bedingt geöffnet werden können. In den Einrichtungen der Stadt bestünden aber genügend Möglichkeiten, zu lüften. „Ohne ausreichende Fördermöglichkeiten ist die Anschaffung von Filteranlagen für die Stadt Döbeln nicht leistbar“, so Mettcher.

Technischer Aufwand zu hoch

In der Grundschule Ostrau habe im August einen Fachplaner die Möglichkeit zum Einbau einer fest installierten Entlüftungsanlage für alle Klassenräume geprüft. „Es stellte sich heraus, dass der technische Aufwand nicht vertretbar ist, denn in jedem Klassenraum müssten Zu- und Abluftleitungen durch die Dämmung der Außenwände geführt werden“, sagt Bürgermeister Dirk Schilling (CDU).

Auch die dafür anfallenden Kosten sprächen dagegen – trotz eventueller Förderung. Eine erste, grobe Kostenschätzung habe bei rund 300.000 Euro gelegen. „Wir stimmen uns mit der Schulleitung ab, ob die Anschaffung mobiler Geräte eine Option wäre. Dabei muss allerdings auch die Bereitstellung von Fördermitteln geklärt sein und der Gemeinderat sein Einverständnis geben“, sagt Schilling.

Von der Wirkung nicht überzeugt

Die Roßweiner Verwaltung ist zudem noch nicht von der Sinnhaftigkeit und Wirkung der Anlagen überzeugt. „Die Fördervoraussetzungen treffen auch auf fast keinen unserer Klassenräume zu“, so Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Dass eine Förderung nur dort erfolge, wo kein Fenster für die Lüftung der Klassenräume geöffnet werden kann oder vorhanden ist oder dies nur aus einem Oberlicht besteht, sei „schon fast weltfremd von der Fördermittelbehörde.“

Des Weiteren sei derzeit vollkommen unklar, welche Folgekosten die Kommune für die Anlagen kalkulieren müsste. Deshalb sehe Roßwein in den Luftfilteranlagen noch keine wirkliche Alternative zum Stoßlüften über die Fenster.

Ähnlich sieht dies Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). „Es sind noch einige Hürden zu nehmen“, sagt er. Mobile Geräte kommen für ihn nicht infrage. „Wir brauchen Anlagen mit Frischluftzufuhr und Abluft, keine Innengeräte, die die Luft nur umwälzen“, so Ernst. Dazu seien für jedes Zimmer zwei Kernbohrungen nötig. In der Grund-, Förder- und Oberschule sowie den Kindertagesstätten betreffe das insgesamt 94 Räume.

Kosten zu hoch

Diese auszustatten würde rund 1,2 Millionen Euro Kosten. Bei einer 80-prozentigen Förderung müsste Waldheim einen Eigenanteil in Höhe von rund 240.000 Euro aufbringen. Würde die Stadt nur die 35 Zimmer in den Schulen ausstatten, wäre dafür ein Eigenanteil von etwa 91.000 Euro nötig.

Hinzu komme ein hoher Energiebedarf für die Luftfilteranlagen. „Deshalb müssten auch die Hauptstromleitungen der Schulen auf den Prüfstand“, sagt Steffen Ernst, der ebenfalls von nicht abschätzbaren Folgekosten spricht.

Die Stadt Leisnig teilt lediglich mit, dass nicht vorgesehen sei, in den Schulen Luftfilteranlagen zu installieren. Auch die Gemeinde Kriebstein ist noch zurückhaltend. Aufwand und Nutzen der Luftfilteranlagen seien noch nicht ausreichend getestet.

„Wir warten, bis sich die Technik bewährt hat“, sagt Kämmerer Wolfgang Hein und ergänzt: „Es wäre schlecht, wenn wir als kleine Kommune jetzt Geld für Geräte ausgeben, die im kommenden Jahr schon wieder veraltet sind.“

Lüften, Abstand, Maske tragen

Wie alle anderen Kommunen setzt die Gemeinde Kriebstein in der Grundschule Grünlichtenberg auf das regelmäßige Lüften, Abstand halten und wo das nicht möglich ist, Maske tragen.

Genauer erklärt es der Döbelner Stadtsprecher Thomas Mettcher: „Nach dem Schulstart gilt vom 6. bis zum 19. September: Wer in die Schule oder Kita besuchen will, braucht einen Corona-Test-Nachweis. Es muss zweimal in der Woche getestet werden, im Abstand von drei bis vier Tagen. Bei einer Inzidenz über zehn muss der Test dreimal in der Woche erfolgen, im Abstand von zwei Tagen. Alle müssen einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen. Es sei denn, die Inzidenz liegt unter zehn.“ Auch in den Schulbussen ist eine Maske vorgeschrieben.

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Während in vielen Schulen die Tests als Selbsttests erfolgen, hat die Gemeinde Ostrau mit dem Betreiber des Testzentrums an der Grundschule die Öffnungszeiten so vereinbart, dass die vorgeschriebenen drei Tests pro Woche für die Schüler problemlos erfolgen können.

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„Natürlich weiterhin mit den unkomplizierten Spucktests und außerhalb der Schulzeiten“, so Bürgermeister Dirk Schilling. Das habe den Vorteil, dass bei einem positiven Test nicht gleich die ganze Gruppe oder Klasse in Quarantäne geschickt werden müsse.

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