SZ + Sebnitz
Merken

Sebnitzer wehren sich gegen Corona-Proteste

Einwohner haben sich gefunden und einen offenen Brief geschrieben. Sie setzen auf solidarisches Miteinander. Eine Online-Petition ist in Arbeit.

Von Anja Weber
 4 Min.
Teilen
Folgen
Auch in Sebnitz formieren sich kleine Gruppen zu Corona-Protesten.
Auch in Sebnitz formieren sich kleine Gruppen zu Corona-Protesten. © Marko Förster

Wie in anderen Orten gehen in Sebnitz Menschen auf die Straße und protestieren gegen die Corona-Maßnahmen und eine mögliche allgemeine Impfpflicht in Deutschland. Die Aufmärsche einer kleinen Gruppe von Einwohnern verliefen bislang friedlich. Allerdings musste auch hier die Polizei eingreifen und löste einige davon als unzulässige Versammlungen auf.

Mehrere, die den Aufforderungen nicht nachkamen, erhielten in den letzten Wochen eine Ordnungswidrigkeitenanzeige wegen des Verstoßes gegen die Sächsische Corona-Notfall-Verordnung. Gegen sie wird auch wegen Verstößen gegen das Sächsische Versammlungsgesetz ermittelt. Wie andernorts wird in Sebnitz der Ton rauer auch untereinander. Und deshalb werden jetzt die Stimmen lauter, die sich gegen die Corona-Proteste wenden. Überparteilich haben sich in Sebnitz demokratische Kräfte vereint, um als Zivilgesellschaft ihren Widerspruch anzumelden.

Die Initiatoren und damit Erstunterzeichner des offenen Briefes sind die Stadträte Rainer Böhme (Die Linke), Paul Löser (Grüne) sowie Michael Walldorf (CDU) und seine Frau Susanne. Ausdrücklich betonen sie, dass es sich um eine überparteiliche Aktion handelt. In dem offenen Brief bringen sie nicht nur die Sorgen aller in der Corona-Pandemie zum Ausdruck. Sie appellieren aber vor allem auf mehr Zusammenhalt und Dialog. Man wolle Verantwortung für Sebnitz übernehmen.

Deshalb schließe man sich zusammen. "Einige der Corona-Protestler wollen die Pandemie als Vorwand nutzen, um Unruhe zu stiften, um die Demokratie zu untergraben und die Gesellschaft zu spalten", heißt es unter anderem darin. Der Bruch gehe mittlerweile durch Familien und Freundeskreise. "Wir wollen nicht, dass auch bei uns aggressiv gegen Polizisten und Journalisten vorgegangen wird und Andersdenkende eingeschüchtert werden. Wir werden nicht akzeptieren, dass diese kleine Gruppe noch lauter wird. Wir melden als Zivilgesellschaft unseren Widerspruch an und werden nicht weichen", schreiben die Unterzeichner.

Jeder ist von der Pandemie betroffen

Auch die Unterzeichner sind in Sorge, weil die Pandemie seit fast zwei Jahren alle in Atem hält, aber fast genauso lange Anti-Corona-Proteste deutschlandweit stattfinden und auch die Sächsische Schweiz prägen. Ein Großteil der Sebnitzer verhalte sich vernünftig, solidarisch und empathisch. Viele Unternehmer würden versuchen - trotz Ausfällen mit 3G, Quarantäne und Tests -, ihre Produktion auch in der Pandemie aufrechtzuerhalten. Man wisse, dass diese Situation auch Existenzen gefährde. Ebenso verhalte es sich mit den Restaurants und dem Einzelhandel, die mit 2G öffnen können. Doch auch sie bekommen die Auswirkungen der Pandemie zu spüren. Gerade deshalb müsse man doch an einer schnellen Überwindung der Pandemie und der Verhinderung eines neuen Lockdowns interessiert sein. Die Initiatoren des offenen Briefes schreiben darin aber auch, was sie vermissen und worauf sie sich freuen - wie wohl viele andere Menschen auch: auf Treffen mit Freunden im Restaurant, Theater-, Kino- oder Konzertbesuche, Kindergeburtstage und Sport in den Vereinen und vieles mehr.

Mit ihrem offenen Brief wollen die Unterzeichner keine Politik betreiben. "Wir möchten, dass aus Sebnitz wieder die vernünftigen, empathischen und solidarischen wie auch sachlichen Stimmen zu hören sind", sagen sie. Die Freiheit des Einzelnen ende dort, wo sie die Freiheit des anderen begrenzt, denn Freiheit bedeute gleichzeitig ein großes Maß an Verantwortung. Und eben diese müsse man füreinander übernehmen. "Wir sind fassungslos und wollen es nicht weiter hinnehmen, dass die Krise durch den Egoismus Einzelner immer weiter befeuert wird", heißt es in dem Brief. Schließlich seien doch alle irgendwie von der Pandemie betroffen, würden Einsamkeit und Isolation spüren. Man stehe hinter den gesundheitspolitischen Maßnahmen. Die Autoren bringen aber auch zum Ausdruck, dass sie in unterschiedlicher Weise zahlreiche Entscheidungen der Regierung bereits kritisiert haben und auch weiter kritisieren werden. Man vertraue aber auf die Empfehlungen der Mehrheit der Wissenschaftler in der ganzen Welt.

Auch andernorts haben sich Menschen gefunden, die ähnlichen Aktionen initiieren, um zum Ausdruck zu bringen, dass ihre Städte kein Abenteuerspielplatz für Rechtsextreme und Corona-Leugner ist, so unter anderem auch vor wenigen Tagen in Pirna und Freital, ebenfalls aus Sorge, dass der soziale Zusammenhalt weiter bröckelt.

In Sebnitz wird neben dem offenen Brief von den Initiatoren eine Online-Petition vorbereitet, die dann jeder der es möchte, unterzeichnen kann.