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6 Wochen Homeschooling – Bilanz eines Vaters

Drei Kinder während des Lockdowns täglich zu Hause zu betreuen, ist eine Herausforderung. Wie das eine Familie in Feldschlößchen schafft.

Das Kuscheltier ist immer dabei. Johannes Baumgärtel betreut seine Kinder bei den Schulaufgaben am Küchentisch. Das ist ein Vollzeitjob, sagt er.
Das Kuscheltier ist immer dabei. Johannes Baumgärtel betreut seine Kinder bei den Schulaufgaben am Küchentisch. Das ist ein Vollzeitjob, sagt er. © Sven Ellger

Feldschlößchen. Seit sechs Wochen sind die Schulkinder zu Hause, alle Schulen wurden Mitte Dezember geschlossen, stattdessen gibt es Mathe und Deutsch am Küchentisch. Fünf Tage, Woche für Woche. Das hält keiner durch, da ist Chaos vorprogrammiert. Oder funktioniert das mittlerweile?

Die SZ war bei Johannes Baumgärtel und seiner Familie in Feldschlößchen bei Radeberg. Er betreut drei Kinder im Grundschulalter, zwei sind in der ersten Klasse, eine in der Dritten. Seine Frau arbeitet als Schulleiterin in Radeberg und ist dort gefordert. Der Familienvater hat gleich zu Anfang gelernt, dass ein klarer Tagesablauf wichtig ist. „Wir setzen uns jeden Tag um 9 Uhr an die Aufgaben. Dann wird den Vormittag über gearbeitet“, sagt er. Gegen 11.30 Uhr kocht er den Mittagstisch, um 12 Uhr essen alle gemeinsam. Für die Große heißt es oft auch am Nachmittag noch einmal Schulaufgaben erledigen. „Durch den klaren Ablauf können sie sich auch von vornherein darauf einstellen“, sagt er.

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Anfangs oft Frust bei den Kindern

Dennoch war der Start ins Homeschooling Mitte Dezember 2020 schwierig. „Die Pannen bei Lernsax waren groß. Stundenlang baute sich die Seite nicht auf. Aufgaben konnten nicht abgerufen werden. Mit allen Nervereien, die sich daraus ergaben, verbunden mit einem enormen Zeitaufwand“, berichtet Johannes Baumgärtel.

Auch, was die Aufgaben für die Kinder anging, gab es Schwierigkeiten. Oft kamen nur kurze Schreiben. Dort stand, in welchem Schulbuch auf welchen Seiten die Aufgaben A, B und C zu erledigen sind. „Das war für die Kinder auf Dauer frustrierend und für Eltern kaum zu schaffen. Bei allen Dreien hieß es, die Aufgaben raussuchen, möglichst bei der Lösung dabei sein, Fragen beantworten und auch noch korrigieren. Die Belastung war groß.“

Inzwischen hat sich die Situation grundlegend verbessert, sagt Johannes Baumgärtel. „Jetzt funktioniert Lernsax. Die Seite läuft stabil. Die Kinder kommen an ihre Aufgaben. Um sicher zu gehen, lade ich oft am Vorabend die Aufgaben schon herunter, dann kann nichts schief gehen, auch wenn der Server stockt.“

Der größte Fortschritt sind aber die Videos, die die Lehrer jetzt hochladen. „Für die Kinder ist es enorm wichtig, die vertraute Lehrerin zu sehen, die Stimme zu hören. Sie sind sofort mit mehr Eifer an die Sache gegangen.“

Anfangs gab es auch hier Probleme. „Ein Video von einer halben Stunde bedeutet ein riesiges Datenpaket. Wer eine langsame Datenleitung hat, der bekommt das nicht so schnell ins Netz gestellt. Da scheitern selbst Technikversierte.“ Hinzu kommen Dinge wie Kameraperspektive oder Erklärtempo und Ausleuchtung, die beachtet werden müssen. „Ich ziehe den Hut vor allen, die sich das angeeignet haben. Das ist ein riesiger Aufwand für die Lehrer.“

Lernvideos werden immer besser

Inzwischen sind die Videos bei einigen Lehrern nahezu perfekt, sagt der Familienvater. „Manche filmen quasi über ihre Schulter.“ Das Kind hat sozusagen gemeinsam mit dem Lehrer den Blick auf das Arbeitsblatt oder das Schulbuch, erzählt er. Der Lehrer geht dann mit den Kindern die Aufgabe durch und löst sie auch selbst.

Zwischendurch gibt es Anweisungen wie Stopp-Taste drücken, Aufgabe ausrechnen und dann wieder auf Play schalten. „So kann jedes Kind nach dem eigenen Tempo arbeiten. Ich bin jedes mal begeistert, wie die Lehrer die Kinder durch den virtuellen Unterricht führen, wie sie bei der Sache bleiben.“

Der Vater ist dann zwischen den drei Kindern an ihren Tischen unterwegs. „Klar haben sie immer wieder Fragen. Da es um Grundschulstoff geht, kann ich sie auch beantworten. Bei höheren Klassen dürfte das für Eltern schwierig werden.“

Eine wichtige Erkenntnis: Wer als Erwachsener selbst am Computer sitzt und im Homeoffice seiner Arbeit nachgeht, für den ist das nicht zu schaffen. „Die Kinder brauchen gerade im Grundschulalter einen Erwachsenen, der ihnen hilft. Fragen kommen schon recht häufig vor.“

Durch die gute Qualität der Videos funktioniert der virtuelle Unterricht gut, sagt Baumgärtel. „Diese Form ist für die Kinder gut nutzbar, und auch für mich ist der Aufwand schaffbar. Die Betreuung ist aber ein Vollzeitjob.“

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Er betont, dass es sich um seine ganz persönliche Einschätzung handelt. „Ich habe Zeit, mich den Kindern zu widmen. Meinen Beruf als Veranstaltungsmanager kann ich momentan wegen der Corona-Pandemie nicht ausüben.“

Auch die technischen Voraussetzungen sind für drei Kinder vorhanden. „Jeder kann vor einem eigenen Bildschirm sitzen. Wenn sich mehrere Kinder, vielleicht noch mit einem Elternteil, einen Computer teilen müssen oder keinen Drucker haben, um Arbeitsblätter auszudrucken, sieht das ganz anders aus. Da ist der zeitliche Aufwand viel größer, der Tagesablauf wird viel komplizierter.“

Komme dann noch hinzu, dass beide Eltern in der Firma sind und vielleicht der große Sohn auf die Tochter aufpassen muss, dann seien die Schulaufgaben nicht zu schaffen und es sei für Eltern und Kinder gleichermaßen stressig, so der Familienvater. „Dass viele in einer solchen Situation sind, wissen wir aus dem Bekanntenkreis.“

Sein Fazit: Die Kleinen finden immer besser in den Homeschooling-Alltag. Gut gemachte Videos lassen sie mit Begeisterung lernen. Der Aufwand für Eltern und Lehrer bleibt hoch. Die Technik muss stimmen, sonst droht ein Chaos.

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