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Diakonie Sachsen rechnet mit bis zu 20 Prozent Kündigungen

Dietrich Bauer, Chef der Diakonie Sachsen, spricht im Podcast "Politik in Sachsen" über Folgen der Pflege-Impfpflicht - und worin er in der Debatte einen Ausweg sieht.

Von Fabian Deicke
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Dietrich Bauer, Chef der Diakonie Sachsen, ist zu Gast im Podcast "Politik in Sachsen".
Dietrich Bauer, Chef der Diakonie Sachsen, ist zu Gast im Podcast "Politik in Sachsen". © [M] Ronald Bonß/Sächsische.de

Dresden. In der Debatte um die sektorale Impfpflicht wirbt der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Sachsen, Dietrich Bauer, um Verständnis für das Gesetzesvorhaben. "Ein Gesetz wird nicht gemacht, weil alles gut klappt. Sondern ein Gesetz wird gemacht, weil man etwas regeln will", sagt Bauer im Podcast "Politik in Sachsen". Gleichzeitig benennt der Chef von über 25.000 Mitarbeitern teils erhebliche Konsequenzen, die sich aus der Umsetzung des Gesetzes ab 16. März ergeben werden.

Die sektorale Impfpflicht würde Bauer zufolge, ein Problem verschärfen, das es bereits seit langem gebe: den Personalmangel in Pflegeberufen. Auch der Diakoniechef geht davon aus, dass circa ein Drittel der Angestellten des kirchlichen Trägers sich nicht gegen Corona impfen lassen möchte. "Unsere Belegschaft spiegelt den gesellschaftlichen Durchschnitt wider."

Weil die Personaldecke ohnehin bereits dünn sei, würden Engpässe schon beim Ausfall eines kleineren als jetzt zur Diskussion stehenden Teils von Arbeitskräften auffallen. Bei der Diakonie, so schätzt es Bauer ein, würden 10 bis 20 Prozent der Ungeimpften "die letzte Konsequenz ziehen" - also ihrem Beruf oder der Einrichtung, in der sie arbeiten, den Rücken kehren.

Auch innerbetriebliche Spannungen zwischen geimpften und ungeimpften Mitarbeitern könnten die allgemein bereits angespannte Lage in der Pflege zusätzlich belasten. Es gehe nicht nur darum, dass Betriebsleiter gegensätzliche Stimmungen ausbalancieren müssten, sondern im Zweifel auch darum, dass Geimpfte die Arbeit eines in Quarantäne befindlichen Ungeimpften mittragen müssten.

Impfpflicht ist ein gesamtgesellschatftliches Anliegen

Eine Lösung des Konfliktes, den Bauer nicht allein in der Arbeitswelt sieht, würde nach Auffassung des Theologen eine allgemeine Impfpflicht bringen. "Wir müssen uns, glaube ich, ohnehin in den nächsten Jahren auf weitere Coronawellen einstellen. Vergleichbar mit Grippewellen", argumentiert Bauer. Die Frage der Impfung sei deshalb keine, die von Mitarbeitern in medizinischen oder pflegedienstlichen Einrichtungen ausreichend beantwortet werden könne.

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Alle Lebensbereiche, die nun nach und nach geöffnet werden oder wurden, seien betroffen. "Wenn wir ab Herbst tatsächlich wieder mit Corona konfrontiert werden", fragt Bauer, "wie wollen wir das halten?" Die Antwort könne seiner Meinung nach nur eine gesamtgesellschaftliche sein.

Weitere Themen in dem Podcast-Gespräch:

  • Welchen Einfluss könnte der neue Proteinimpfstoff von Novavax haben?
  • Warum ist die Impfbereitschaft insbesondere in Sachsen geringer als anderswo?
  • Wie soll die Personaldecke in der Pflege nachhaltig geschlossen werden?

Das ganze Gespräch hören Sie im Podcast "Politik in Sachsen" direkt über den hier eingebetteten Player.

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