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Nach Corona-Ausbruch: So steht's im Altenheim Lawalde

Das Heim war wegen vieler Erkrankter, Toter und der geringen Impfquote in Kritik geraten - Behörden und ein Angehöriger über Skepsis und korrektes Verhalten.

Die Bewohner im Lawalder Seniorenhäus'l haben die Corona-Welle überstanden.
Die Bewohner im Lawalder Seniorenhäus'l haben die Corona-Welle überstanden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Pflegedienstleiterin Susann Richter mag sich zu der heftigen Corona-Infektions-Welle in ihrem Heim eigentlich nicht mehr äußern. Die Berichte darüber, dass mehrere Bewohner an oder mit einer Corona-Infektion verstorben sind, haben ziemlich viel Echo ausgelöst. "Viel negatives Echo war dabei, aber auch positives", sagt sie. Glücklicherweise sei die Corona-Welle nun überstanden, ins "Seniorenhäus'l" sei wieder Ruhe eingekehrt: "Es ist niemand mehr erkrankt", bestätigt sie auf Nachfrage dann doch und betont, dass es gerade in einer so kleinen, familiären Einrichtung sehr schmerzlich sei, so viele Menschen zu verlieren: "Es tut mir von Herzen leid", sagt sie. Wie viele Bewohner des Heimes in den letzten Wochen während des Corona-Ausbruchs verstorben sind, will sie nicht beziffern. Ende April wurde von sechs Toten, mindestens 26 infizierten Bewohnern und acht infizierten Mitarbeitern gesprochen. Die Zahlen seien nicht der letzte Stand, bestätigt sie.

Die Frage, ob der Virus-Ausbruch etwas an der Impfwilligkeit im Heim verändert hat, will die Pflegedienstleiterin nicht mit Zahlen beantworten. Denn am Grad der Immunisierung im Heim entzündete sich eine heftige Debatte. Bis zum Corona-Ausbruch war von 35 Mitarbeitern nur einer geimpft. Bei den Bewohnern waren 19 von 42 geimpft. Allerdings muss das Virus zwischen erstem und zweiten Impftermin ins Heim gekommen sein - der Schutz hatte sich offenbar noch nicht voll entfalten können und auch geimpfte Bewohner erkrankten schwer und starben.

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Landkreis: Heimbetreiber hat kooperiert

Trotz aller Kritik am Impfstatus im Heim ist eines aber inzwischen klar: Im "Seniorenhäus'l" hat man sich generell gut an geltende Hygieneregeln gehalten. Das bestätigt der Landkreis, der betont, dass das Heim unter anderem auch bei einem Virus-Ausbruch unter Mitarbeitern, wo es zwischen Weihnachten und Neujahr positive Testungen gegeben hatte, gut kooperiert habe. In dieser Zeit habe es auch eine Quarantäne für das Heim gegeben, mehrere Tage herrschte Besuchsverbot.

Ein Angehöriger, der im Heim einen Verwandten untergebracht hat, bestätigt dies gegenüber der SZ und erklärt, er habe bei seinen Besuchen beobachtet, dass Hygienevorschriften korrekt eingehalten wurden. So wurden auch Angehörige darauf hingewiesen, wenn beim Besuch die maximal zulässige Zeit abgelaufen war. Auch sonst sei mit Tests und Abstandsregeln alles korrekt gewesen, erzählt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Skepsis statt Impfermutigung

Was ihm aber aufgefallen sei, sei eine deutliche Impfskepsis unter den Mitarbeitern. "Es hat mich zwar niemand davon abgehalten, die Formulare für die Impfung meines Familienmitglieds auszufüllen", betont er, "aber es schienen mir viele skeptisch, was Wirkung und Nebenwirkungen angeht. Das hat mich auch ein bisschen geärgert, dass es da keine generelle Befürwortung gegeben hat."

Ob es bei Bewohnern und Angehörigen nun einen Wandel der Impfwilligkeit gegeben hat, kann Pflegedienstleiterin Susann Richter nicht einschätzen, denn das ist derzeit weniger Thema: "Die Senioren bei uns sind jetzt entweder durch Impfung oder nach einer durchgemachten Erkrankung zum größten Teil immunisiert", sagt sie auch mit Blick auf das Angebot des Landkreises mit einem Impfteam erneut die Runde durch die Heime im Kreis zu machen. Eine generelle Impfskepsis sieht sie in ihrem Heim nicht: Alle Papiere und Unterlagen zum Thema Impfung habe man sowohl an die Angehörigen der Bewohner als auch an die Mitarbeiter ausgehändigt.

Mitarbeiter entscheiden selbst über Impfung

Was die Mitarbeiter betreffe, so könne sie niemanden zwingen, sich impfen zu lassen, argumentiert Frau Richter: "Das muss jeder für sich entscheiden." Es gebe viele widersprüchliche Informationen, die zum Teil auch die Mitarbeiter verunsicherten - unter anderem bei jüngeren Frauen die Befürchtung, dass sich die Impfung auf die Fruchtbarkeit auswirken könne. Eine Erzählung, die sich schon seit Monaten hartnäckig hält, von Wissenschaftlern aber mehrfach widerlegt wurde.

Sie hofft nun, dass Corona um das "Seniorenhäus'l" einen Bogen macht und bald erste Lockerungen bei den strengen Besuchsregeln möglich sind. Das würde auch der Angehörige, der seinen Verwandten impfen ließ und auch selbst geimpft ist, begrüßen. "Meine Verwandte war auch infiziert, aber die Erkrankung lief nicht so schwer ab", sagt er und schreibt dies der Impfung zu.

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