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Corona-Zahlen ohne echte Transparenz

Wie viele Menschen auf das Coronavirus getestet werden, spielt bei der Erhebung der Sieben-Tage-Inzidenz keine Rolle. Warum eigentlich nicht?

© dpa

Mein Sohn, elf Jahre alt, fragte mich, was denn eigentlich die Sieben-Tage-Inzidenz sei, auf die sich die Regierungen und die Behörden berufen, wenn sie über neue Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie entscheiden. Ich erklärte ihm geduldig, dass das die Zahl der neu entdeckten Menschen sei, die sich in einer Woche wahrscheinlich mit einem Corona-Virus infiziert haben, ins Verhältnis gesetzt auf 100.000 Einwohner.

Die Antwort meines Sohnes kam prompt: „Dann testen wir doch einfach weniger, dann sinkt diese Zahl, und es gibt keine Verbote mehr.“ Die Schlussfolgerung eines Kindes, aber im Grunde wäre das sogar rechtens. Es gibt keine bundesweite Richtlinie, mit welcher Anzahl von Tests die Sieben-Tage-Inzidenz ermittelt werden soll.

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Robert-Koch-Institut gibt keine Testmenge vor

Das bestätigten das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Landratsamt Pirna auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung. „Eine quantitative Testvorgabe gibt es nicht, die Tests variieren in den Landkreisen je nach Bewertung der regionalen Infektionslage in den Krisenstäben“, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamtes.

Der eine betrachtet also 500 Tests, der andere 1.000 und der nächste 2.000, um die entscheidende Zahl zu ermitteln. Das RKI beeilt sich, zu betonen: „Es ist selbstverständlich eine seriöse Auswertung möglich.“ Aber wie, wenn bei der Sieben-Tage-Inzidenz immer nur die absoluten Zahlen betrachtet werden? Und das auf allen Ebenen, vom Bund über das Land bis hin zum Landkreis.

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Diese Frage konnte ich meinem Sohn beim besten Willen nicht beantworten. Auch das RKI blieb mir auf meine erneute Nachfrage bis heute eine Antwort schuldig. Unter Transparenz verstehe ich etwas anderes. Und folge derweil der Logik meines Sohnes: weniger Tests, weniger Infizierte, weniger Verbote. Wenn es nur so einfach wäre.

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