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So bewerten die Sachsen das Corona-Jahr

Vor einem Jahr wurde der erste Corona-Fall entdeckt. Acht Umfragen zeigen: Die Sachsen passen ihr Leben der Pandemie an. Seit kurzem aber wächst der Frust.

Maskenpflicht in den Innenstädten: Das gehört mittlerweile vielerorts zum Corona-Alltag.
Maskenpflicht in den Innenstädten: Das gehört mittlerweile vielerorts zum Corona-Alltag. © Sven Ellger

Das ist wahrlich kein Jubiläum zum feiern: Es ist nun ein Jahr her, da erreichte das Coronavirus Sachsen. Am 2. März kehrte ein Mann aus Dippoldiswalde von einer Busreise aus Italien zurück. Der 69-Jährige gilt als der erste bekannte Infizierte im Freistaat. Nur wenige ahnten damals, welche Folgen die Pandemie haben wird. Bis heute summiert sich die Zahl der bestätigten Fälle auf fast 200.000. Für fast 8.000 Menschen nahm die Ansteckung einen tödlichen Verlauf.

Wir wollten wissen, wie die Sachsen diese Zeit bewerten. Bereits im Juli 2020 - vier Monate nach dem ersten entdeckten Fall und am Ende der ersten Corona-Welle - haben wir schon einmal mehrere repräsentative Umfragen gemeinsam mit den Meinungsforschern von Civey gestartet und ausgewertet. Die gleichen Fragen haben wir nun, acht Monate danach, noch einmal gestellt. Das sind die Ergebnisse:

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Wie viele kennen einen Infizierten?

Es ist keine Überraschung, dass sich diese Zahlen seit der ersten Umfrage deutlich verändert haben. Zur Einordnung: Damals summierte sich die Zahl der bestätigten Fälle auf 5.450. Für 222 Menschen nahm die Ansteckung einen tödlichen Verlauf. Die zweite Corona-Welle im Herbst und Winter hat Sachsen hingegen hart getroffen. Kliniken standen kurz vor der Triage. Patienten mussten in andere Bundesländer ausgeflogen werden. Eine Folge: Die Übersterblichkeit liegt deutlich über dem Durchschnitt.

In unserer Umfrage wollten wir wissen, ob die Sachsen einen Corona-Infizierten persönlich kennen. Im Juli beantworteten diese Frage gerade einmal rund 24 Prozent mit Ja. Mittlerweile ist die persönliche Betroffenheit deutlich größer. Rund 78 Prozent der Sachsen haben oder hatten einen Corona-Fall im Freundes-, Bekannten- oder Verwandtenkreis.

Was beeinträchtigt am meisten?

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Monatelanges Meiden von Kontakten zu anderen Menschen fällt uns deshalb schwer. Die meisten Sachsen empfinden diese Einschränkungen folglich als am gravierendsten. Das war bereits bei der ersten Umfrage im Juli 2020 so. Auch die Schließung von Schulen und Kitas (20,4 Prozent) sowie die Reisebeschränkungen (13,3 Prozent) werden als schwerwiegende Einschränkungen wahrgenommen.

Interessant ist, dass sich seit Juli aber auch ein Wert deutlich verschoben hat. So wird die Schließung von Geschäften und Restaurants heute als viel gravierender empfunden als noch im Juli 2020. 14 Prozent gaben dies damals als schwerwiegende Einschränkung an. Heute sind es rund 24 Prozent. Die Sachsen sehnen sich also zunehmend nach einem "normalen" Alltag.

Haben die Sachsen Angst um ihre Jobs?

Kurzarbeit, Hilfsgelder, Aussetzen der Insolvenzantragspflicht - Bund und Land tun trotz aller Kritik eine ganze Menge, um die Wirtschaft in der Corona-Krise am Laufen zu halten. Experten schätzen, dass die deutsche Wirtschaft insgesamt mit einem blauen Auge auch durch den zweiten Lockdown gekommen ist. Das scheint auch in den Köpfen der Menschen angekommen. Die wenigsten Sachsen jedenfalls machen sich Sorgen, dass der eigene Arbeitsplatz wegen der Corona-Krise gefährdet sein könnte. Rund 17 Prozent beantworten die Frage danach mit Ja. Rund 73 Prozent sagen, dass sie sich keine Sorgen machen. Dieser Wert hat sich übrigens seit der ersten Umfrage im Juli 2020 kaum verändert.

Doch es gibt auch pessimistische Aussichten: Einige Beobachter des Marktes gehen davon, dass die Pleitewelle wegen der Milliarden-Unterstützung nur aufgeschoben ist.

Wie geht es den Sachsen finanziell?

Dass die meisten Sachsen keine Angst um ihren Job haben, spiegelt sich auch in der finanziellen Lage wider. Nur 23 Prozent sagen, dass sich ihre persönliche finanzielle Situation im Laufe des vergangenen Jahres verschlechtert hat. Die deutliche Mehrheit - also 70,6 Prozent - sagt hingegen, dass sich an der finanziellen Lage in der Corona-Krise nichts verändert hat. Für einen geringen Teil der Sachsen (6,4 Prozent) hat sich die Situation sogar verbessert. Das Umfrageergebnis hat sich im Vergleich zum Juli 2020 nur unwesentlich verändert.

Die stabile finanzielle Lage sorgt dafür, dass sich viele Sachsen nach dem Ende der Corona-Pandemie beim Shoppen nicht einschränken müssen. Das dürfte ein gutes Signal für den Einzelhandel sein. Wir wollten wissen, ob die Sachsen nach der Corona-Pandemie erst einmal stärker auf ihre Ausgaben für nicht-alltägliche Produkte achten. Rund 48 Prozent beantworten diese Frage mit Nein. Rund 29 Prozent wollen oder müssen sich hingegen einschränken und konzentrieren sich erst einmal auf die wirklich nötigen Ausgaben. Rund 23 Prozent der Sachsen sind bei der Frage unentschieden.

Überraschend: Die Zahlen haben sich im Vergleich zur Juli-Umfrage etwas hin zum generösen Geldausgeben verschoben. Damals wollten noch rund 35 Prozent das Geld eher zusammenhalten und rund 47 Prozent sagten, dass sie sich nicht einschränken wollen.

Welche Auswirkung hat Corona auf die Freizeit?

Shoppen gehen, Freunde treffen, zum Fußball gehen - all das ist derzeit nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Folglich hat sich die Freizeitgestaltung der Sachsen verändert. Wir wollten wissen, womit die Sachsen seit dem Corona-Ausbruch mehr Zeit verbringen. Das Ergebnis: Es wird mehr Fernsehen geschaut (31,1 Prozent), es werden mehr Bücher gelesen (30) und es wird mehr auf dem Smartphone gechattet und gesurft (26,6). Dies waren bereits im Juli 2020 die beliebtesten Lockdown-Tätigkeiten, wobei damals das Bücherlesen noch an Nummer eins stand.

Interessant ist auch eine andere Verschiebung. Streaminganbieter, wie Netflix oder Disney+, sind Gewinner der Corona-Krise, was sich in der Umfrage zeigt. Gaben im Juli 2020 noch rund 15 Prozent an, mehr Zeit damit zu verbringen, Serien und Filme zu streamen, sind es mittlerweile rund 20 Prozent der Sachsen.

Macht die Politik einen guten Job?

Selten zuvor haben Politiker so schwerwiegende und weitreichende Entscheidungen treffen müssen wie in der Corona-Krise. Selten zuvor waren die Auswirkungen einer politischen Entscheidung auf Bundes- und Landesebene so unmittelbar wie in den vergangenen zwölf Monaten.

Wie eine Langzeit-Umfrage zeigt, waren die meisten Sachsen in den ersten Monaten der Pandemie überwiegend zufrieden mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung. Noch Anfang Oktober sagten rund 55 Prozent der Sachsen, dass sie zufrieden sind mit der Arbeit der Bundesregierung. 35 Prozent meinten das Gegenteil. Im Dezember kippte die Stimmung. Seitdem sind die Unzufriedenen in der Mehrzahl. Interessant hierbei: In der deutschlandweiten Auswertung der Langzeit-Umfrage war dieser Kipppunkt erst in der zweiten Januarhälfte erreicht.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Bewertung der Arbeit des sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer wider. Über das gesamte Jahr 2020 waren die Sachsen mehrheitlich zufrieden mit der Arbeit ihres Regierungschefs. Zum Jahreswechsel, exakt am 28. Dezember, kippte dies. Kretschmer begründet das damit, dass er unpopuläre Entscheidungen treffen muss. Derzeit sind 45 Prozent der Sachsen unzufrieden mit der Arbeit Kretschmers, rund 39 Prozent unterstützen hingegen seinen Kurs.

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In diesem Artikel wurden acht Umfragen ausgewertet, die sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. An den Umfragen haben Tausende Menschen teilgenommen, aus den abgegeben Stimmen wurden repräsentative Stichproben gezogen. Die Stichproben entsprechen jeweils der Grundgesamtheit der sächsischen Wahlbevölkerung. Detailangaben zu Befragungszeitraum, Stichprobengröße und statistischem Fehler entnehmen Sie den jeweiligen Grafiken. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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