merken
PLUS Löbau

"So eine Krankheit habe ich noch nie erlebt"

Der Chef der Löbauer Brauerei hat Corona überstanden. Er warnt vor Verharmlosung, sagt, wie es seiner Familie geht und warum er offen mit der Infektion umgeht.

Eine Runde mit Hund Bernhardt strengt Bergquell-Chef Steffen Dittmar momentan noch ein bisschen mehr an als sonst: Nach einer Corona-Erkrankung muss er wieder richtig zu Kräften kommen.
Eine Runde mit Hund Bernhardt strengt Bergquell-Chef Steffen Dittmar momentan noch ein bisschen mehr an als sonst: Nach einer Corona-Erkrankung muss er wieder richtig zu Kräften kommen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

An die ersten anderthalb Novemberwochen wird sich Steffen Dittmar noch lange erinnern - auch, wenn in der Zeit gemessen am sonstigen Alltag des Löbauer Brauerei-Chefs nicht viel passiert ist. "Ich war nur müde, habe mich schlecht gefühlt und konnte das Bett kaum verlassen", erklärt er. Der Grund dafür war eine Corona-Infektion, die nicht nur ihn persönlich, sondern auch seine Lebensgefährtin und seinen Sohn erwischt hatte. Seit 1. November machten sich erste Symptome bemerkbar. Am 4. November hatten sie mit dem Testergebnis Klarheit: "C 19 positiv getestet" schrieb Dittmar an diesem Tag auf Facebook.

Dass es ihn trotz eines vergleichsweise glimpflichen Verlaufs so gebeutelt hat, ist für Dittmar der Beweis, dass man die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte: "Ich kann nur allen sagen, die irgendwelchen Quatsch über Corona erzählen, so etwas habe ich noch nie erlebt - und ich weiß, was eine Grippe ist und habe auch schon anderes durchgestanden", betont der Mann, der mit Hund und Pferden gern in der Natur unterwegs ist. Nichts könne einem helfen, seinen Zustand zu verbessern. Da Steffen Dittmar und seine Lebensgefährtin kein Fieber hatten und demzufolge nichts Fiebersenkendes einnehmen mussten, haben sie sich mit Vitaminen und viel Schlaf auskuriert. Abgesehen von der völligen Abgeschlagenheit erinnert sich Dittmar an ein gestörtes Temperaturempfinden in den Krankheitstagen: "Kalte Füße oder Hände und dann ein heißer Kopf, Schüttelfrost, der ganze Körper hat reagiert", schildert er.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Sorge um 84-jährige Mutter

Seinen Geruchs- und Geschmackssinn hat er inzwischen wieder - zum Glück. Was wäre ein Brauerei-Chef, der sein Bier nicht schmecken kann? "Das ist übrigens verrückt gewesen: Bier habe ich noch geschmeckt, aber alles andere war wie Watte oder Pappe", erinnert er sich. Die größte Sorge hatte Dittmar in der Zeit um seine 84-jährige Mutter, die mit im Haus wohnt. "Wir haben ein System ausgeklügelt, damit wir uns nicht begegnen und es hat funktioniert - sie hat sich nicht angesteckt", sagt er erleichtert.

Woher er selbst die Infektion hat, kann er nicht genau sagen. Er vermutet aber, dass er sich bei einem Arztbesuch angesteckt haben könnte, wo es im Nachgang hieß, dass es in der Praxis Infektionen gegeben habe. "Aber ich will niemanden hier beschuldigen", betont er. Da Steffen Dittmar selbst zur Risikogruppe zählt, habe er in den vergangenen Monaten Kontakte reduziert, auch im Unternehmen gibt es ein Hygienekonzept, das nun noch einmal verschärft wurde: "Ich halte sowieso eher Abstand", schätzt er ein. Die Corona-App des Bundes habe er heruntergeladen und nach dem Testergebnis auch entsprechend eingestellt. "Aber mir war das zu wenig, denn man weiß wegen der hohen Datenschutz-Regeln ja nicht, wo man jemanden getroffen hat", sagt der Bergquell-Chef. Daher habe er von seiner Infektion auch auf Facebook informiert, damit jeder, der ihn kennt und zuletzt getroffen hat, seine eigenen Konsequenzen daraus ableiten kann. "Viele haben sich dafür bedankt", sagt Dittmar, der mehr als 300 Kommentare - vor allem Genesungswünsche - als Reaktion erhalten hat.

Infektion im Stadtrat Thema

Dass zu Dittmars Verblüffung sogar der Löbauer Stadtrat - und damit die Stadtöffentlichkeit - mittlerweile über ihn und das Virus Bescheid weiß, ist einer Äußerung des Oberbürgermeisters zu verdanken. Dietmar Buchholz (parteilos) hatte im Zusammenhang mit der Erweiterung des Gewerbegebietes im jüngsten Stadtrat erklärt, dass der Unternehmer Corona habe. Inzwischen aber gelten er und seine Familie wieder als gesund, wenngleich noch nicht wieder alles optimal sei. Steffen Dittmar arbeitet auch wieder: "Aber, die Kondition fehlt noch - das merke ich, wenn ich meine Runde im Betrieb mache", sagt er.

Weiterführende Artikel

Alle Infos zu Corona im Landkreis Görlitz

Alle Infos zu Corona im Landkreis Görlitz

Seit Anfang November gilt der Lockdown. Aktuelle Geschichten und Entwicklungen dazu sind hier zu lesen.

Corona-Großeinsatz der Bundeswehr

Corona-Großeinsatz der Bundeswehr

Die Kliniken im Kreis Görlitz kommen beim Personal an ihre Grenzen. Nun helfen Soldaten, die sonst in Afghanistan oder Mali im Einsatz sind.

Weitere Nachrichten aus Löbau und Umgebung lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Zittau und Umgebung lesen Sie hier.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Mehr zum Thema Löbau