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So halten wir den Corona-Winter durch

Die zweite Welle ist da – und diesmal steht kein Sommer bevor. Zum Glück kennen wir uns inzwischen besser mit Corona aus, als wir denken. Ein Leitartikel.

Ein Lockdown wie im Frühjahr soll verhindert werden.
Ein Lockdown wie im Frühjahr soll verhindert werden. © dpa/SZ

Es kann einem schon komisch werden beim morgendlichen Blick auf die Nachrichten. Täglich steigt die Zahl der neu mit Corona infizierten Menschen in Deutschland, am Donnerstag waren es über 7.300. Nach und nach werden mehr Kreise zu „Risikogebieten“, am Infektionsgeschehen in den Nachbarländern kann man sehen, dass die zweite Welle längst da ist. „Unheil“ nennt Kanzlerin Angela Merkel es gar, was auf uns zukommt in diesem Winter.

Warnungen aus der Politik, „unnötige“ Reisen zu unterlassen und bitte das Feiern einzustellen, erinnern schmerzhaft an den März, als fast die ganze Welt in den Lockdown ging. Diese Maßnahme soll unbedingt verhindert werden, das hört man überall. Und man möchte so sehr daran glauben, dass das gelingt. Doch die Unsicherheit bleibt und die Sorge vor dem, was kommt.

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Als im März Kindergärten und Schulen schlossen, als die Theater dichtmachten und die Friseure, als man sich nicht mal mehr mit den eigenen Eltern treffen durfte, da war das wie ein Schock. Ein fast surrealer Zustand, den niemand vorher je erlebt hatte. Auch wenn der Lockdown viele wirtschaftlich oder persönlich hart traf, fühlte sich das damals auch ein bisschen nach Abenteuer an. Bei den gesunden und eher jüngeren Menschen schwang noch das Gefühl mit: Ich werde das schon nicht kriegen.

Ein warmer Frühling half dabei, das Leben nach draußen zu verlagern. In Firmen fanden Konferenzen im Freien statt, in Kitas das Mittagessen. Nachbarschaften hielten Kontakt über den Gartenzaun hinweg beim gemeinschaftlichen Blumenschneiden.

Die Abenteuerstimmung des Frühlings ist weg

Nun blüht nichts mehr. Der Oktober erwischte uns kalt, nass und neblig, die dunkle Jahreszeit ist da. Längeres Draußensein geht kaum noch, Radler steigen auf überfüllte Bahnen um. Pünktlich meldet sich die miese Herbststimmung. Und viele fragen sich: Geht das jetzt alles von vorne los?

Die Abenteuerstimmung des Frühlings ist weg. Wir wissen ja nun, dass es alles andere als aufregend ist, keine Freunde treffen zu können, Konzertkarten in den Müll zu schmeißen und von zu Hause aus mit wackligem Internet an digitalen Schulstunden teilzunehmen. Inzwischen kennt auch fast jeder jemanden, der „es hatte“.

Doch gerade in dieser Situation hilft es, in Ruhe anzuschauen, was wir in den vergangenen sechs Monaten alles gelernt und dazugewonnen haben.

Auch wenn manch Nichtbegreifer die Maske prinzipiell unter der Nase trägt, wissen inzwischen selbst Kinder, wie, wo und wozu Mund- und Nasenbedeckungen nützlich sind. Gleiches gilt für Abstandsregeln, den Armbeugen-Huster und für die Einsicht, dass man sich auch ohne Handschlag freundlich begrüßen kann. Wir bleiben anderen im Supermarkt fern, zahlen bargeldlos und waschen uns hinterher die Hände.

Was sich im März noch wie eine verkehrte Welt anfühlte, ist zur Normalität geworden und wir haben festgestellt: Kein Abendland geht unter, wenn die goldene Hochzeit nicht mit 150 Leuten gefeiert wird, sondern im engsten Kreis.

Endlich vernünftige Diskussionen

Es erschüttert die Gesellschaft auch nicht, dass einige wenige der Meinung sind, das Virus sei eine Erfindung und man könne diesem Schmu nur mit der Rückkehr in eine vordemokratische Vergangenheit beikommen. Corona-Leugner haben unser Land kurz aufgewirbelt, aber im Großen herrscht eine fast schon beruhigende Einigkeit darüber, dass wir das jetzt zusammen schaffen müssen. Dazu gehört auch, dass es endlich vernünftige Diskussionen darüber gibt, ob gewisse Maßnahmen zu lasch oder zu streng sind. Das nimmt vielleicht nicht jede Sorge. Aber es macht besonnener.

An einzelnen Stellen wird deutlich, wie schwer es ist, gerade große Institutionen für eine Pandemie fitzumachen: Wie kann es sein, dass Gesundheitsämter jetzt ernsthaft überfordert sind von der Nachverfolgung der Infektionsketten? Dafür bekommen es etwa Schulen überraschend gut hin, einzelne Klassen zu isolieren, wenn ein Fall auftritt. Dieses Wissen ist ein Pfund, und es wird den Winter erleichtern: Schulen sind nicht die krassen Pandemie-Beschleuniger wie befürchtet. Auch der Gang in den Supermarkt oder das Hausflur-Geländer sind es nicht. Das alles wissen wir nun dank der unermüdlichen Forschung, die weltweit an einem Strang zieht.

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