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So verändert Corona den Alltag im Kreis Bautzen

Digitaler Unterricht, kreative Händler und mehr Pakete – die Pandemie wirkt sich auf das tägliche Leben aus. Was erhalten bleibt und was verpufft.

Ines Strümpe, stellvertretende Schulleiterin am Bautzener Philipp-Melanchthon-Gymnasium, geht davon aus, dass auch nach Corona der Unterricht digitaler gestaltet wird.
Ines Strümpe, stellvertretende Schulleiterin am Bautzener Philipp-Melanchthon-Gymnasium, geht davon aus, dass auch nach Corona der Unterricht digitaler gestaltet wird. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Dieser Satz ist momentan häufig zu hören: "Hätte vor einem Jahr jemand behauptet, dass... Ich hätte es nicht geglaubt." Es folgen Erzählungen von Masken in Zügen, von reihenweise Mitarbeitern im Homeoffice, von digitalem Unterricht. Vieles hat sich durch die Pandemie verändert; auch im Landkreis Bautzen. Aber bleiben die Veränderungen oder wird nach der Pandemie alles wie vorher?

Jetzt wirklich: Schulen werden digitaler

„Bonjour, tout le monde“, begrüßt Ines Stümpe, die stellvertretende Schulleiterin des Bautzener Philipp-Melanchthon-Gymnasiums die neunte Klasse. Auf dem Programm stehen Vokabelübungen und Aussprache. Wer ihr zuschaut, sieht sie auf dem Bildschirm – und eine digitale Tafel gibt es auch. Dass die Digitalisierung allmählich nun doch Einzug in die Klassenzimmer findet, davon ist sie, ist der Schulleiter, ist das Landesamt für Schule und Bildung überzeugt. Selbst Fernunterricht könnte auch in der Zukunft eine Rolle spielen – wenn zum Beispiel ein Kind mit gebrochenem Bein zuhause festhängt, sagt Ines Stümpe. Und Schulleiter Karsten Vogt ist sich sicher, dass der ein oder andere Lehrer auch künftig Erklärvideos ins Netz stellt – um Schülern das Lernen zu erleichtern.

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Könnte Normalität werden: Nachbarschaftshilfe

Ob Spendenaktion für die Gastronomen und Händler in der Innenstadt, Facebook-Gruppen, in denen Leute ihre Hilfe beim Einkauf oder Gassigang anbieten, oder kirchliche Hilfe: Viele Bautzener bieten in Zeiten von Corona Älteren, Alleinerziehenden oder Einsamen ihre Hilfe an. Das könnte auch langfristig nachwirken, sagt der Dresdener Soziologe Karl Lenz. Allerdings gibt es dafür keine Garantie – und ob wir aufeinander aufmerksam sind, hängt auch von unserer Einstellung ab. „Grundlegend ist es, wie die Veränderungen durch die Pandemie erlebt werden: Nur als Zwang von außen, wodurch man alles das, was man gerne machen möchte, nicht machen darf“, sagt er, oder eben „trotz der Einschränkungen als eine Zeit des Innehaltens, des Nachdenkens und des Neuausrichtens.“

Die Bautzener helfen einander in der Pandemie. Zum Beispiel starteteb Monika Vetter (l.) und Katja Gerhardi eine Initiative für Einzelhändler. Es könnte sein, dass das nachhaltig positive Effekte hat, sagt ein Dresdener Soziologe.
Die Bautzener helfen einander in der Pandemie. Zum Beispiel starteteb Monika Vetter (l.) und Katja Gerhardi eine Initiative für Einzelhändler. Es könnte sein, dass das nachhaltig positive Effekte hat, sagt ein Dresdener Soziologe. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Langfristiger Trend: Mehr Pakete unterwegs

Das größte DHL-Paketzentrum der Region liegt in Ottendorf-Okrilla. Es versorgt den gesamten Landkreis Bautzen – und mehr. Etwa 250.000 Sendungen pro Tag durchlaufen das Zentrum, erklärt DHL-Sprecher Mattias Persson. Und schon fast das gesamte Jahr über liegen die Zahlen über dem Durchschnitt. „Im Lockdown haben wir Sendungsmengen, wie sonst zu Weihnachten“, berichtet Persson. „Wir glauben nicht, dass wir wieder den Vor-Corona-Status erreichen“, sagt er. Er vermutet: Die Leute gewöhnen sich an den Online-Einkauf.

Kreativer Service: Händler liefern persönlich aus

Zugegeben: Das betrifft nicht nur Händler. Gianluca Esposito vom Eiscafé Italia hat sich auch ein Eisauto gekauft – und im Lockdown die kühle Nascherei ausgeliefert. Aber Gastronomen, die liefern, gab es eben auch schon vor Corona viel mehr. Aber jetzt schwingen sich auch Bautzener Händler aufs Rad, setzen sich ins Auto oder laufen zu Fuß, um Kunden ihre Bestellungen zu bringen. Juwelier Ivo Scholze macht das so. Und Buchhändlerin Reingard Kretschmar-Dietrich ebenfalls. Beide wollen das Angebot nach dem Lockdown beibehalten.

Weniger Pendler: Bahn bleibt leer

Im ersten Lockdown erlebte die Länderbahn einen Einbruch der Fahrgastzahlen von 65 Prozent, im zweiten von 70 bis 80 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass es Jahre dauern wird, bis wir wieder auf den Stand von 2019 kommen“, sagt Wolfgang Pollety, Geschäftsführer der Länderbahn. Verkehrsexperte Dieter Müller erklärt das so: „Die öffentlichen Verkehrsmittel Busse und Bahnen werden aus Angst vor zu nahen Kontakten und insbesondere dem Kontakt mit Maskenverweigerern viel seltener als zuvor genutzt.“ Pollety erklärt das allerdings nicht nur damit, dass einige Fahrgäste aus Angst vor einer Ansteckung vielleicht aufs Auto umgestiegen sind – sondern auch damit, dass mehr Leute im Homeoffice arbeiten.

Gut für die Umwelt: Urlaub in der Nähe

Ob Ausbau oder Verleih – Wohnmobile liegen im Trend, hatte Steffen Schirner im Sommer berichtet. Der Sohländer Tischler hat sich auf den Ausbau der Fahrzeuge spezialisiert. Zwar wuchs die Beliebtheit schon in den vergangenen Jahren – aber Corona habe sie noch weiter steigen lassen. Mehr Leute machten Urlaub in der Heimat.

Davon berichtet auch Caroline Schneider von der für Tourismus zuständigen Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien (MGO). „Wir merken einen Trend hin zu lokalen Urlauben in Deutschland. Auch im Sinne, dass man das eigene Land, die Region nebenan neu entdeckt“, sagt sie. „Wir gehen davon aus, dass sich in diesem Jahr diese Tendenz weiter manifestiert.“ Das hänge nicht nur damit zusammen, dass „die Oberlausitz als Urlaubsregion auf kleinem Raum viele unterschiedliche Angebote“ vorweisen kann, sondern auch mit einem „Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein“. Statt sich in einen Flieger zu setzen, bleiben die Leute in der Region.

Statt nach Indonesien, Südafrika oder Thailand geht es jetzt öfter zum Beispiel an die Olba: Mehr Bautzener entdeckten das Urlauben in der Heimat. Viele nutzten dafür das Wohnmobil.
Statt nach Indonesien, Südafrika oder Thailand geht es jetzt öfter zum Beispiel an die Olba: Mehr Bautzener entdeckten das Urlauben in der Heimat. Viele nutzten dafür das Wohnmobil. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Neue Betrugsmasche: Kriminelle nutzen Corona

Im Lockdown bleiben mehr Leute zuhause – auch Kriminelle. „Im vergangenen Jahr konnte die Polizeidirektion Görlitz vor allem während der Lockdown-Phasen im Frühjahr und Herbst deutliche Rückgänge im Bereich der Eigentumskriminalität beobachten“, berichtet Polizeisprecher Sebastian Ulbrich. Auffällig ist: „In der Corona-Pandemie haben sich neue Formen von Betrugsmaschen herausgebildet“, so Ulbrich. So zum Beispiel Schock-Anrufe mit vermeintlich erkrankten Angehörigen, die dringend Geld für ein Medikament benötigten. Ob Betrüger auch langfristig diesen wunden Punkt ausnutzen werden, sei aber schwer vorauszusagen.

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