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Corona-Warner wird in Sachsen getestet

Firmen und Forscher aus Sachsen haben eine Alternative zur Corona-App entwickelt. In Augustusburg wird das Gerät jetzt großflächig getestet.

In Sachsen wird derzeit ein Corona-Warnsystem getestet, das ohne Smartphone funktioniert. Der Corona-Warn-Buzzer ist nur in etwa so groß wie ein Autoschlüssel.
In Sachsen wird derzeit ein Corona-Warnsystem getestet, das ohne Smartphone funktioniert. Der Corona-Warn-Buzzer ist nur in etwa so groß wie ein Autoschlüssel. © digades

Das Timing ist schlecht. Am Montag müssen Schulen und Kitas schließen. Und der Feldversuch des Corona-Warn-Buzzers in Augustusburg beginnt statt Anfang der Woche erst jetzt. 250 Voranmeldungen gibt es schon und die freiwilligen Tester und Testerinnen oder besser ihre Angehörigen können ab sofort die Geräte abholen im Rathaus oder morgen noch in Kitas und Schulen.

Dennoch ist Bürgermeister Dirk Neugebauer zuversichtlich, dass der Probelauf erfolgreich sein wird. „Auch wenn vieles schließen muss, werden wir uns weiterhin bewegen innerhalb der Familien“, sagte er am Donnerstag anlässlich der Vorstellung des Corona-Warn-Buzzers. Und Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) erinnerte daran: „Uns stehen mit den Weihnachtsfeiertagen spannende Tage bevor“.

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Sie appellierte eindringlich an die Augustusburger, die Chance zu ergreifen und sich an dem Pilotprojekt zu beteiligen. „Machen Sie bei der Studie mit. Die Teilnahme ist kostenlos und wir brauchen dringend neue Erkenntnisse bei der Kontaktverfolgung. Neben der Impfung ist dies so wichtig für die Zukunft“, sagte Köpping.

Eine Alternative vor allem für Kinder und Ältere

Aber was ist der Corona-Warn-Buzzer überhaupt? Ein Gerät, etwa so groß wie ein Autoschlüssel, der als Anhänger an der Hose, Jacke oder Tasche getragen werden kann. Es kann via Bluetooth Kontakte mit anderen Menschen erkennen und speichern, die die Corona-Warn-App über ihr Smartphone oder ebenfalls einen Corona-Warn-Buzzer nutzen und die einem für eine bestimmte Dauer kritisch nahegekommen sind.

Der Buzzer zeichnet die Kontakte auf, ohne den Ort der Kontakte festzustellen oder gar die Kontakte zu personalisieren. Die gespeicherten Daten werden nach 14 Tagen wieder gelöscht. Meldet ein App- oder Buzzer-Nutzer zwischenzeitlich eine Infektion, werden alle Nah-Kontakte unverzüglich elektronisch oder über das Gesundheitsamt ermittelt und schnellstmöglich informiert. „Dann vibriert der Buzzer in der Hosentasche und macht Lärm“, erklärt Sascha Berger, Geschäftsführer der Digades GmbH in Zittau

Sein Unternehmen hat das Gerät gemeinsam mit dem Barkhausen-Institut der Technischen Universität Dresden, der Exelonix GmbH aus Dresden und der FEP Fahrzeugelektrik Pirna GmbH entwickelt in Ergänzung zur Corona-Warn-App. Zielgruppen der Buzzer-Nutzer sind Kita-Kinder, Grundschüler und ältere Menschen – all jene, die kein Smartphone besitzen oder nicht gut damit umgehen können. Aber auch Smartphone-Nutzer und -Nutzerinnen, die ein Modell haben, auf dem die App nicht funktioniert, die sie aus Datenschutzgründen nicht herunterladen oder Bluetooth ausschalten, um ihren Akku zu schonen, sind angesprochen. Nach einer Marktforschungsuntersuchung von Digades gibt es rund zehn Millionen potenzielle Nutzer für den Buzzer in Deutschland. Allein in Sachsen leben 650.000 Menschen, die älter als 70 Jahre sind.

43.000 Freiwillige können mitmachen

Erst einmal werden 3.000 Stück dieses kleinen Gerätes produziert, das in nur drei Monaten entwickelt und zur Serienreife gebracht wurde. Der Test in Augustusburg soll bis Ende der ersten Januarwoche gehen. Laut Digades-Chef Berger könnten theoretisch alle 3.000 Geräte in der 5.000-Einwohner-Städt verteilt werden. Eine dreistellige Nutzeranzahl sei notwendig, um die Wirksamkeit effektiv feststellen zu können. Letztendlich werde nur geprüft, ob die Tester den Buzzer bei sich tragen und er funktioniert, führt Berger aus. Sie müssen die Geräte nicht mehr zurückgeben und können sie bis zum Ende der Pandemie nutzen.

Der Sächsische Datenschutzbeauftragte hat das Projekt von Anfang an begleitet und erklärt es mit den Europäischen Datenschutzregeln für vereinbar. Er verweist jedoch auf die Notwendigkeit einer detaillierten Datenschutz-Folgeabschätzung. Diese hat das Entwicklerkonsortium ohnehin in Auftrag gegeben, da es sich bei den durch den Corona-Warn-Buzzer gesammelten Informationen um schutzwürdige Gesundheitsdaten handelt. Das Ergebnis der Datenschutzfolgeabschätzung soll in wenigen Tagen vorliegen, die beauftragte Firma geht von einem geringen Risiko aus.

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Der Freistaat hat die Entwicklung mit zwei Millionen Euro finanziert. Einen ähnlich hohen Betrag haben die beteiligten Firmen, allen voran Exelonix, in Vorarbeiten investiert. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, ist geplant, den sächsischen Corona-Warn-Buzzer mit grünem Licht des Bundesgesundheitsministeriums in ganz Deutschland zum Verkauf anzubieten. Ziel ist ein Preis von 50 Euro, in dem die Betriebskosten für ein Jahr enthalten sind. Noch liegen die Kosten und damit der Preis höher, aber man sei im Gespräch mit der Bundesregierung, wie der Preis für den Endnutzer sinken könnte, so Digades-Chef Berger.

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