merken
PLUS Pirna

SOE: So läuft Einkaufen mit Corona-Test

Wer shoppen will, muss seit Dienstag in den meisten Läden einen negativen Test vorlegen. In der Sächsischen Schweiz hält sich nicht jeder daran.

Volle Regale, wenig Nachfrage: Beim Herrenausstatter Eckhard Gnauk in Pirna hält sich der Kundenstrom in Grenzen.
Volle Regale, wenig Nachfrage: Beim Herrenausstatter Eckhard Gnauk in Pirna hält sich der Kundenstrom in Grenzen. © Daniel Schäfer

Für die Einzelhändler in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge gelten seit dem 6. April neue Regelungen. Kunden müssen künftig nicht nur vorab einen Termin vereinbaren, sondern auch einen tagesaktuellen negativen Covid-19-Schnell- oder Selbsttest vorlegen, bevor sie im Laden einkaufen dürfen. In der Praxis sind oft auch Spontantermine möglich, wenn weniger Kunden im Geschäft sind, als es die Kapazität hergibt. Das gilt für alle Geschäfte, die nicht Waren des täglichen Bedarfs anbieten. Die Testpflicht gilt unter anderem für Modeläden, Elektronikgeschäfte, Handel mit Sportwaren oder Möbelläden. Das hat das Landratsamt in Pirna per Allgemeinverfügung festgelegt, die vorerst bis 18. April gilt. Läden können damit unabhängig von der Wocheninzidenz im Landkreis geöffnet bleiben. Ohne Test und Voranmeldung dürfen dagegen weiter Buchläden, Optiker, Baumärkte, Paket-Shops, Lotto-Geschäfte, Drogerie- und Lebensmittelmärkte öffnen.

Eigentlich gute Nachrichten für die kleinen Einzelhändler. Ein Vorortbesuch in Pirna, Neustadt, Sebnitz und Heidenau zeigt jedoch: Die neuen Regelungen sorgen an der Ladentür eher für Verwirrung als Klarheit. Und: Nicht jeder hält sich daran. Weder Kunden noch Geschäftsinhaber.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Pirna: Spürbar weniger Kunden unterwegs

Dank „Click & Meet“ ist das Geschäft im Herrenausstatter-Laden Gnauk auf der Gartenstraße in Pirna im März gut gelaufen. „Viele Stammkunden haben angerufen, einen Termin vereinbart und bei uns eingekauft“, sagt Inhaber Eckhard Gnauk. Das Meiste, was in dieser Zeit über den Verkaufstresen ging, waren überraschenderweise Hochzeitsanzüge.

Doch seit dieser Woche ist der Kundenstrom wie abgeschnitten. „Es ist kaum ein Mensch auf der Straße zu sehen“, sagt Gnauk. Das liege aus seiner Sicht am wenig einkaufsfreundlichen Wetter, aber auch an dem neuen Hindernis Corona-Test. „Viele wissen das noch gar nicht. Und für diejenigen, die es wissen, ist es eine zusätzliche Hürde“, sagt Gnauk. Das Kundenaufkommen sei spürbar zurückgegangen. Die Situation für die Einzelhändler, sagt Gnauk, sei wegen der coronabedingen Einschränkungen ohnehin schon sehr schwierig, durch die Testpflicht für Kunden werde sie nun noch schwieriger.

Er muss versuchen, all das irgendwie abzufangen. Zwar ist Gnauk mit seinem im Geschäft angebotenen Schneider-Service gut beschäftigt, doch das allein gleicht den Umsatzverlust nicht aus. Hinzu kommt, dass beinahe täglich neue Ware bei ihm eintrifft, die sofort bezahlt werden muss – mit Geld, das er bislang nicht verdient hat. „Da schmelzen die Rücklagen zusehends dahin“, sagt Gnauk. Das könne aber nicht endlos so weitergehen. Daher wünscht er sich eine klare Wiedereröffnungs-Perspektive, einerseits für die Einzelhändler, andererseits für die Kunden – damit sie wieder unbeschwert und ohne Testpflicht einkaufen können.

Für Britt Schramm, Inhaberin der Modeboutique „Absolut Britt“ im alten Bahnhof in Pirna kommt die neue Situation einer Katastrophe gleich. „Durch das miese Wetter und die neuen Auflagen ist die Stimmung bei den meisten Kunden im Keller“, sagt sie. Im März sei das Geschäft dank „Click & Meet“ gut gelaufen, aber mit der nun angeordneten Testpflicht für Kunden gehe derzeit so gut wie nichts mehr. „Es lässt sich doch keiner testen, nur um mal bummeln zu gehen“, sagt Britt Schramm. Die Testpflicht bezeichnet sie als Schwachsinn.

Gleichwohl zeigt sie sich optimistisch, sie bestellt derzeit Ware für die kommende Herbst/Winter-Saison und sogar schon fürs Frühjahr 2022. „Bis dahin“, sagt sie, „hat sich hoffentlich vieles wieder normalisiert.“

Neustadt: Große Verwirrung bei Händlern und Kunden

In Neustadt ist das Chaos um Termin-Einkauf mit Test perfekt: Sowohl bei Kunden als auch bei Händlern. Einige Läden hatten sich in den letzten Wochen zu "Click & Meet" durchgerungen. Einige von ihnen sind jetzt wieder geschlossen. "Wir hatten mit dem Termin-Einkauf auf ein paar Kunden gehofft. Die sind auch gekommen. Doch die jetzt geltende Testpflicht schreckt die letzten auch noch ab", sagt eine Neustädter Händlerin. Sie hat das Schild mit dem Testnachweis an ihrem Laden wieder abgenommen und will deshalb nicht namentlich genannt werden.

Kein Einzelfall. In vielen geöffneten Geschäften in Neustadt gibt es an den Schaufenstern oder Eingangstüren keinen Hinweis darauf, dass Kunden einen tagesaktuellen Test vorlegen müssen. Die Kundenanzahl ist begrenzt, auf Abstand soll man achten und einen Mundschutz tragen. Das müsse dann wohl auch reichen, sagt die andere Händlerin, die ihren Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will. Sie fühle sich mit der Test-Regelung "komplett verarscht".

Im Geschäft Connys-Container am Markt wird dagegen darauf hingewiesen, dass an den beiden Öffnungstagen ein tagesaktueller und negativer Corona-Test vorzuweisen ist. Offen bleibt, ob es ein Schnelltest aus einem Testzentrum oder ein Selbsttest zu Hause sein kann. Im Geschäft daneben reicht gar ein bloßer Anruf für eine Terminvereinbarung, um Shoppen zu gehen.

Ganz anders handhabt es das Schuhcenter Deichmann am Kaufland. Dort wird seit Dienstag ein aktueller Schnelltest verlangt, der vom Arbeitgeber oder einem offiziellen Testzentrum bescheinigt wird. Pech für Kundin Christiane Wiedmer. Sie steht mit einem Selbsttest vor der Tür, den sie kurz zuvor zu Hause gemacht hat. Deichmann genügt dieser nicht. Die Kundin muss kehrt machen. Ganz ohne Einkauf wird Christiane Wiedmer aber nicht nach Hause gehen. Gegenüber im Hagebaumarkt braucht man keinen Test. Es reichen Einkaufswagen, Mundschutz und Abstand. "Dann werden es halt keine Schuhe, sondern ein paar Pflanzen für den Garten. Das ist die reinste Schikane. Hier blickt doch niemand mehr durch", sagt sie frustriert.

Sebnitz: Hinweise auf Testpflicht - Fehlanzeige

In Sebnitzer Geschäften ist die Situation offenbar ähnlich schwierig, sowohl für Kunden als auch für die Inhaber. Einige Händler klagen über weiteren Kundenrückgang seit der neuen Regelung. Deshalb haben sich auch in Sebnitz manche Ladenbesitzer entschieden, ihre Geschäfte komplett zu öffnen - ohne Terminvergabe. Wieder andere bieten nach wie vor "Click & Meet" an. Hinweise auf eine Testpflicht? Fehlanzeige.

"Ich bin froh, wenn überhaupt jemand kommt. Was soll das da mit den Tests? Ich kann pro Verkaufsfläche eh nur zwei Kunden in den Laden lassen", sagt eine Händlerin, die nicht namentlich erwähnt werden will. Es störe sich auch niemand an den vollen Lebensmittelmärkten. Einen Test braucht man auch nicht im Sebnitzer "Connys Container". Hier wird mit breiter Auslage geworben, lediglich die Kundenanzahl ist begrenzt. Auf einen Test besteht dagegen das Geschäft NKD. Dort werden die Kunden am Eingang extra darauf hingewiesen.

Heidenau: Die Unsicherheit ist groß

Ohne Test kommt man nicht in Cölestina Urbans Modegeschäft in Heidenau. Die Konsequenz: Sie ist für die Kunden die Böse und es kommen noch weniger. Die vorherige Lösung mit der Terminvereinbarung war gut, sagt sie. "Jetzt stehen die Leute vor der Tür und müssen wieder gehen." Ihr Geschäft auf der Ernst-Thälmann-Straße ist noch nie überrannt worden. "Wenn am Tag sechs bis sieben Kunden kommen, ist das schon ein guter Tag." Die Kunden würden ja sogar draußen warten, wenn doch mal zur gleichen Zeit mehr im Geschäft sind. Jetzt sitzt Cölestina Urban für nichts im Laden, eigentlich bräuchte sie ihn gar nicht aufmachen. "Es ist ein Trauerspiel."

Weiterführende Artikel

Kreis SOE: Hier gibt es gratis Corona-Tests

Kreis SOE: Hier gibt es gratis Corona-Tests

In vielen Kommunen im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge können sich Bürger kostenlos auf das Virus testen lassen. Das Netz soll noch weiter wachsen.

Ingo Kurzawski findet noch ein drastischeres Wort: Katastrophe. "Es weiß grad niemand, was wie gilt", sagt der Heidenauer Goldschmiedemeister. Reparaturen darf er annehmen, aber auch was verkaufen? Es sei ohnehin ein Wunder, wenn überhaupt jemand kommt, denn die Unsicherheit ist nicht nur bei den Händlern, sondern auch bei den Kunden. Anderswo hat er gehört, haben Goldschmieden und andere ihre Kunden auf der Straße bedient. Aber das sei aus verschiedenen Gründen auch keine Alternative. Das Virus gibt es, es ist gefährlich, ohne Frage, sagt er, aber: "Im Moment gibt es zu viel, was nicht zusammenpasst und mehr Strafen als Informationen."

Noch mehr Nachrichten aus Pirna und Sebnitz.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna