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So läuft es in den Meißner Testzentren

Einzelhändler haben Schnelltest-Möglichkeiten in der Altstadt gefordert. Wegen Click & Meet. Doch lohnt sich das?

Alexander Malt, Chef des Meißner Filmpalasts, testet SZ-Volontär Martin Skurt. Kurz danach sind ihm Tränen ins Auge geschossen.
Alexander Malt, Chef des Meißner Filmpalasts, testet SZ-Volontär Martin Skurt. Kurz danach sind ihm Tränen ins Auge geschossen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Lüftung surrt im Meißner Filmpalast. „Sind Filme deine Leidenschaft?“, fragt ein Plakat beim Betreten des Meißner Kinos. Natürlich, würde man vielleicht in normalen Zeiten antworten, sonst wäre man ja nicht gekommen. Allerdings läuft hier seit November 2020 kein Film mehr auf den Leinwänden. Sondern seit einer Woche kann sich jeder kostenlos testen lassen. In den Kino-Mülleimern mit Eiswerbung landen jetzt die verbrauchten Testkits anstelle von Popcorn. Für das Kino lohne sich das auch finanziell.

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Alexander Malt, Chef des Meißner Filmpalasts, hoffe, dadurch seinen Angestellten etwas Geld zurückzugeben. „Da viele geringfügig Beschäftige im Kino arbeiten, profitieren sie nicht von der Kurzarbeit-Regelung wie meine Festangestellten“, sagt er. Das bisschen Geld, das er erhält, will er an sie weitergeben. Das DRK betreibt dabei das Testzentrum und zahlt eine Aufwandsentschädigung an das Kino. Pro durchgeführten Test gibt es zwölf Euro plus sechs Euro für die Materialkosten, teilt das Landratsamt Meißen auf Anfrage mit. Die Kosten finanziere die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen.

Testzentren: Chance für den Einzelhandel

Für den Inhaber der Moritzapotheke in Meißen, Oliver Morof, lohne es sich wiederum nicht. „Ich verdiene damit nichts, sondern mache das nur für meine Kunden.“ Der Stadtrat (Fraktion U.L.M./FDP/FB/CDU) war allerdings mit einer der Ersten, der im Dezember Schnelltests in Meißen angeboten hat. Seitdem kamen viele Berufspendler bei ihm vorbei, die in Tschechien oder Polen arbeiten. „Es gab damals einen enormen Bedarf.“ Jetzt kommen Meißner zu ihm, die sich zum Beispiel vor einem Frisörbesuch testen müssen oder einkaufen wollen. Noch vergangene Woche kritisierte er die fehlende Testmöglichkeit in der Altstadt.

Insgesamt drei Testzentren betreibt das DRK dabei nun in Meißen allein. Zwar etablierte das DRK relativ schnell ein Testzentrum in Meißen Cölln Mitte März: in der DRK-Kleiderkammer. Die beiden am Markt und im Kino gibt es aber erst seit dem 12. April. „In der Altstadt einen geeigneten Raum zu finden, war nicht leicht“, so Christoph Ruppert, Kreisgeschäftsführer des DRK. Deswegen kooperierte er mit der Stadt und dem Meißner Gewerbeverein. Extra dafür ein eigenes Ladenlokal zu mieten, sodass man mehrere Monate gebunden ist: Das wollte Christoph Ruppert nicht. Ihm ist aber bewusst, wie wichtig die neuen Testzentren für den Meißner Einzelhandel sind.

Alexander Malt führt das Abstrichstäbchen in die Schnelltestlösung ein. Durch die Schutzausrüstung erkennt man ihn kaum.
Alexander Malt führt das Abstrichstäbchen in die Schnelltestlösung ein. Durch die Schutzausrüstung erkennt man ihn kaum. © Claudia Hübschmann

Gerade das Testen sei momentan die beste Chance, Öffnungen möglich zu machen, so Oliver Morof. Bevor alle geimpft sind, bevor alles wieder schließen muss. Die beiden Testzentren in der Altstadt helfen ein wenig, „ohne sie hätten die Einzelhändler keine Chance“. Das bestätigt auch Uwe Reichel. Die Einzelhändler fänden das gut, teilt der Meißner Gewerbevereinschef mit. Davor wäre die Situation kaum tragbar gewesen. Wer in der Altstadt einkaufen gehen wollte, musste erst nach Meißen Cölln und dann wieder zurück in die Altstadt.

Schnelltests: Größere Anzahl von unkorrekten Ergebnissen

Wieder im Kino-Testzentrum. Wer das Testzentrum vorschnell betritt, wird von Doreen Pretsch freundlich ermahnt: „Bitte einmal die Hände desinfizieren, dann dürfen sie gleich zu mir.“ Die gelernte Veranstaltungstechnikerin arbeitet seit Sommer 2020 im Meißner Filmpalast und hilft nun bei den Schnelltests. Sie sei einfach froh, endlich wieder arbeiten zu dürfen. Sie sitzt mitten im Foyer des Kinos. Dort füllt man selbst sein Datenblatt aus. Der dafür benutzte Kugelschreiber landet in einem Blecheimer mit „Star Wars“-Werbung. Danach beginnt die Testung. Der Kino-Chef höchstpersönlich führt sie durch.

Um ein zuverlässiges Ergebnis zu erhalten, sei die korrekte Abnahme und Verarbeitung des Abstrichs wichtig, sagt Sylvia Dirscherl, Sprecherin der Elblandkliniken. So hat der Schnelltest in der Regel eine Sicherheit von 93 bis 95 Prozent im Gegensatz zur PCR von 98 bis 99 Prozent. Auf den ersten Blick klinge das nach einem geringen Unterschied, aber bezogen auf die große Zahl der Testungen im Landkreis, bedeute das eben doch eine größere Anzahl von unkorrekten Ergebnissen durch Schnelltests. Zur Sicherheit sollte deshalb immer bei Covid-verdächtigen Symptomen ein PCR-Test gemacht werden, so Sylvia Dirscherl. Damit die Schnelltest-Ergebnisse aber so sicher wie möglich sind, erhalten alle Freiwilligen in den Testzentren einen zweistündigen DRK-Kurs. Im Elblandklinikum Meißen testen wiederum Klinikpersonal und ausgebildete Soldaten.

Negatives Ergebnis: Das zeigt ein Strich nur beim C.
Negatives Ergebnis: Das zeigt ein Strich nur beim C. © Zacharie Scheurer/dpa

Seit dem 10. März führten die Mitarbeiter in der Meißner Testambulanz des Elblandklinikums 3.172 Schnelltests (Stand 15. April 2021) durch. Darunter waren 168 positive Ergebnisse. Das entspricht einer Quote von etwa fünf Prozent. In der Moritzapotheke beträgt sie zwischen 1 und 2,5 Prozent. Denn auf durchschnittlich 80 bis 100 Tests kommen in etwa ein bis zwei positive Fälle, so Oliver Morof. Im DRK-Zentrum tauchten wiederum weniger positive Fälle auf. So fanden die DRK-Helfer bei 1.073 Schnelltests von Montag bis Donnerstag in Meißen-Cölln und am Markt insgesamt sechs positive Fälle, informiert Christoph Ruppert vom DRK. Daten für das Kino waren nicht verfügbar.

Alexander Malt hat sich währenddessen blaue Gummihandschuhe und Schutzkleidung übergeworfen. Vor dem Gesicht trägt er ein Plastikvisier und darunter eine FFP2-Maske. Er fragt jeden, der sich testen lassen will, ob es das erste Mal sei. Viele beantworten das noch mit einem Ja. Das Abstrichstäbchen führt er zügig, aber vorsichtig ein. Ein kurzes Kribbeln, gefolgt von plötzlichem Niesreiz und Tränen: Dann ist der Test aber schon vorbei. 15 Minuten später sagt Doreen Pretsch: „Sie sind negativ.“ Mit dem Ergebnis darf man nun einkaufen, solange das bundesdeutsche Infektionsschutzgesetz nicht geändert wird.

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