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Corona: So läuft es jetzt beim Rehasport

Freizeitsport ist derzeit verboten, Bewegung auf Rezept jedoch erlaubt. Diese Regelungen gelten dabei im Landkreis Bautzen.

Rehasport im Sportzentrum Tomogara in Kamenz - auf Abstand, aber ohne Maske ist das Training in kleinen Gruppen weiterhin möglich.
Rehasport im Sportzentrum Tomogara in Kamenz - auf Abstand, aber ohne Maske ist das Training in kleinen Gruppen weiterhin möglich. © Verein/Gerd Bräunig

Bautzen. Allerorten ist Freizeitsport derzeit verboten, doch Training auf Rezept bleibt auch im Teil-Lockdown in den nächsten Wochen erlaubt. Eine etwas umstrittene Formulierung in der sächsischen Corona-Schutzverordnung sorgte vorübergehend für Verwirrung bei einigen Rehasport-Anbietern.  Auf der Internetseite des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt wurden nun Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen veröffentlicht. Auch der Sächsische Behinderten- und Rehabilitationsverband informierte  seine Mitglieder noch einmal konkret zum Thema, weil es viele Nachfragen gab. Der Verordnung ist zu entnehmen, dass der ärztlich verordnete Rehabilitationssport in zertifizierten Gruppen in Sachsen nach der Verordnung vom 30. Oktober 2020 weiterhin erlaubt ist. Wie bislang in weiteren acht Bundesländern.

Sächsische.de hat bei einigen Rehasport-Vereinen im Landkreis Bautzen nachgefragt, ob und wie sich die Lage aktuell verändert hat.  

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Was ist Rehasport überhaupt und wer darf ihn anbieten?

Um Rehasport anbieten zu können, müssen gewisse Grundlagen vorhanden sein: Das sind zum einen formale Voraussetzungen,  zum anderen eine strategische Zielsetzung. Grundlage ist ebenso ein Sportverein, der Mitglied in einem Behindertensportverband ist. Denn ein bundesweit einheitliches Anerkennungsverfahren gibt es nur für Sportvereine, die Mitglied in einem Landesverband des Deutschen Behindertensportverbandes sind. Auch geeignete Räume sind Voraussetzung, wie zum Beispiel ein Gymnastikraum oder ein Therapiebecken, wo pro Teilnehmer fünf Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen. Wer all das nicht vorweisen kann, hat in normalen Zeiten keinen Anspruch und in der Coronakrise  erst recht nicht.

Wieso gab es anfangs Unsicherheiten?

Drei Tage lang telefonierten sich die Geschäftsführer des Sport- und Freizeitzentrums Tomogara in Kamenz die Finger wund.  "Bei uns gab es das ein oder andere Fragezeichen", so Geschäftsführer Jan Geppert. "Nun herrscht Erleichterung, denn man kann sich vorstellen, dass dieses sportliche Training gefehlt hätte", sagt er. Ab Montag, dem 9. November, bietet das Zentrum wieder Rehasport in kleineren Gruppen an. Anders sah es beim Verein Pro Salus Großpostwitz aus. "Wir haben den Rehasport nicht unterbrochen und die neue Corona-Schutzverordnung so interpretiert, dass  wir weiter geplant haben", sagt Geschäftsführer Thomas Wagner.

"Doch der Rehasport sei ein bisschen eine Grauzone, da er nicht direkt zur Heilmittelerbringung zähle", so Geppert. Deshalb würde er etwas stiefmütterlich behandelt. Aber die sächsische Regierung habe wahrscheinlich die Notwendigkeit der Fortführung eines solchen Trainings gesehen. In anderen Bundesländern wie Bayern, Berlin oder Bremen ist dies bislang nicht so. 

Wer profitiert von der Sonderregelung?

Von der Sonderregelung profitieren alle die, die mit einem vom Arzt verordneten Rezept an Rehasport-Maßnahmen teilnehmen. "Bei uns sind das allein über 500 Frauen und Männer", heißt es bei Tomogara.  Auch bei Pro Salus sporteln aktuell etwa 250 Vereinsmitglieder im Alter von 14 bis 90 Jahren. "Vor Corona waren es allerdings 500", sagt Thomas Wagner. "Die Krise fordert uns alle. Bei uns trainieren auch nur noch Vereinsmitglieder, Anfragen von außen können wir gerade nicht mehr annehmen. Das rechnet sich momentan überhaupt nicht. Das Training der Mitglieder ist aber zumindest über eine Grunddeckung durch den Mitgliederbeitrag möglich." 

Allerdings sind die Kurse überall aktuell nicht voll ausgelastet. Vielen sei das Training doch zu unsicher. Und die Angst vor Ansteckung wächst mit dem Anstieg der Infizierten-Zahlen. Kursleiter, Nebenkosten und vor allem die hohen Beiträge an die Verbände müssen dennoch weiter gezahlt werden. Diese kamen ihnen bislang nicht entgegen.

Welche zusätzlichen Hygienemaßnahmen gibt es?

Um für Sicherheit zu sorgen, wurden die Trainingsgruppen verkleinert. Wie viele Personen zusammen sporteln dürfen, ist auch von der Raumgröße abhängig. "Unsere Oberzahl liegt pro Gruppe bei 15 Leuten", so Jan Geppert von Tomogara. Der Verband mache hier konkrete Vorgaben. Außerdem habe man das sogenannte Kreis-System eingeführt. "Die unterschiedlichen Gruppen begegnen sich in der Regel nicht. Ein- und Ausgänge werden gesondert geregelt", so Geppert. So gibt es auch kein Gedränge im Flur. Im Haus selbst herrscht komplett Maskenpflicht in öffentlichen Bereichen. Beim Sport darf die Maske natürlich abgesetzt werden.

Auch in allen anderen Rehasporteinrichtungen des Landkreises Bautzen ist dies ähnlich. Nach dem Training werden Räume und benutzte Sportgeräte desinfiziert, und Lüftung spielt eine große Rolle. "Wir haben auch ein Therapiebecken, in dem aktuell natürlich nur zwölf statt 30 Teilnehmer  an Kursen teilnehmen dürfen. Auf die Dauer rechnet sich das natürlich nicht", sagt Thomas Wagner. "Zumal davon auch gerade nicht alle kommen."

Darf Rehasport überall ausgeübt werden?

Nein, der  Rehasport im November ist nur in einer eigenen Sportstätte möglich. "Wir haben da natürlich einen Vorteil anderen Anbietern gegenüber. Denn öffentliche Sport- und Schwimmhallen müssen im  November geschlossen bleiben", so Jan Geppert.  

Thomas Wagner, dessen Mitarbeiter und Trainer auch außerhalb des  Hauses zu Kursen einladen, hat es da schon etwas schwerer. "Drei, vier Räume habe ich in kommunalen Häusern angemietet. Dort kann momentan nichts stattfinden. Das ist schlecht. Aber nicht zu ändern", sagt er. Anderen Rehasport-Vereinen geht es schlechter.

Auch im Haupthaus ist der Verein nur eingemietet, aber hier bei einem privaten Vermieter.  Dieser kommt  der Pro Salus Großpostwitz  mit Mietminderung entgegen, das hilft wirtschaften. Zudem konnte Wagner seine festangestellten Mitarbeit bis nächsten März in Kurzarbeit schicken. "Wie lange hält man so einen Zustand aber durch?", fragt er kritisch. Sein gerade neu eröffnetes Therapiebad in Zittaus musste er bereits wieder schließen.

Was sagt der sächsische Verband dazu?

Der Sächsische Behinderten- und Rehabilitationsverband (SVB) sieht die Entscheidung der sächsischen Landesregierung etwas zwiespältig. "Auf der einen Seite ist es positiv, dass ein Teil der Vereine nun die Möglichkeit hat, weiter tätig zu sein. Damit können negative Folgen für Menschen, die durch den Rehasport ihre Gesundheit aufrechterhalten und stärken, aufgefangen werden. Auf der anderen Seite sieht der SBV die Risiken im Hinblick auf den Infektionsschutz, trotz der bestehenden und gut umgesetzten Hygienekonzepte", heißt es auf der Homepage. Auch dass nicht alle Vereine davon profitieren können, dürfte zu Unmut führen. 

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