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So sieht der Oster-Lockdown in Sachsen aus

Wandern ist möglich, von Reisen wird abgeraten. Nach den Ferien soll für Schulen ein neues Modell gelten. Ein Überblick.

Eine Passantin geht an als Osterhasen verkleideten Modepuppen in einem Schaufenster eines Bekleidungsgeschäfts in Dresden vorbei.
Eine Passantin geht an als Osterhasen verkleideten Modepuppen in einem Schaufenster eines Bekleidungsgeschäfts in Dresden vorbei. © Sebastian Kahnert/dpa

Sachsen will nach der jüngsten Bund-Länder-Runde am 29. März eine neue eigene Corona-Schutzverordnung beschließen. Diese soll vom 1. April bis 18. April gelten, kündigten Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag an. Kretschmer rief im Vorfeld vor allem die Kommunen auf, sich mit individuellen Vorschlägen an der Ausarbeitung der neuen Verordnung zu beteiligen. Sowohl die Landkreise und Städte im Freistaat als auch die Landtagsfraktionen werden im Verlauf dieser Woche zu den von der Regierung geplanten Detailregelungen angehört, wodurch sich noch Änderungen ergeben können, betonten Kretschmer und Köpping.

Osterurlaub stark eingeschränkt

Wer über die Feiertage verreisen will, kann das innerhalb Deutschlands nur, wenn er eine private Unterkunft bei Verwandten oder Freunden hat. Wie auch in allen anderen Bundesländern bleiben in Sachsen Hotels und Ferienwohnungen für Touristen geschlossen. Das gilt zudem für die Gastronomie. Wanderungen und Ausflüge in mehr als 15 Kilometer vom Wohnort entfernte Gebiete wie zum Beispiel der Sächsischen Schweiz sind aber möglich, da Sachsen auch in der neuen Schutzverordnung auf eine entsprechende Begrenzung verzichten will. Gleichzeitig soll über Ostern aber auch im Freistaat die von der Bundesregierung und den anderen Ländern geplante fünftägige Ruhezeit von Gründonnerstag bis Ostermontag gelten. An diesen Tagen müssen alle Betriebe und Unternehmen – auch am Gründonnerstag – schließen. Dazu zählen auch Kitas. Vom Arbeitsverbot ausgenommen sind dann nur systemrelevante Bereiche.

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Einkaufen über die Osterfeiertage

Erlaubt werden soll in Sachsen über Ostern vorerst nur das Öffnen von Lebensmittelgeschäften am Karsamstag. Diese dürfen dann ihr gewohntes Sortiment anbieten – also im Fall von großen Supermärkten auch andere Produkte als nur Lebensmittel. Ob entgegen der Bundesvorgaben aber auch eine Öffnung von sächsischen Lebensmittelgeschäften am Gründonnerstag gestattet wird, werde derzeit noch beraten, so Kretschmer. Eine endgültige Entscheidung dazu sei noch nicht gefallen. Entscheidend sei hier der Punkt, ob sonst mit Hamsterkäufen gerechnet werden müsse und ob es tatsächlich eine große Nachfrage nach einer Öffnung von Lebensmittelläden am Gründonnerstag gibt.

Oster-Gottesdienste und -Feiern

Die Oster-Tage vom 1. bis 5. April sind ausdrücklich zu einer „Erweiterten Ruhezeit zu Ostern“ erklärt. Zusätzliche Kontaktbeschränkungen sind aber nicht geplant. Sowohl über Ostern als auch bis zum 18. April soll es bei der bereits jetzt schon gültigen Reglung bleiben: Private Zusammenkünfte sind demnach auf maximal fünf Personen aus zwei Hausständen beschränkt. Kinder bis 14 Jahre werden dabei nicht mitgezählt, Paare gelten als ein Haushalt. Zunächst hieß es, die Kirchen sollten möglichst auf Gottesdienst-Feiern verzichten und religiöse Versammlungen sollten nur virtuell durchgeführt werden. Doch die Kirchen reagierten überrascht und gaben an, am höchsten christlichen Feiertag im Jahr darauf nicht völlig verzichten zu wollen. Auch Sachsens Kirchen hoffen nach den jüngsten Beschlüssen der Bund-Länder-Runde weiter auf Gottesdienst-Angebote unter Einhaltung aller Hygiene-Auflagen. Auch über das Osterreiten „müsse gesprochen werden“, sagte Regierungschef Kretschmer. Die „Menschen vor Ort müssten sich darüber Gedanken machen und dann eine Entscheidung treffen“.

Testpflicht soll Schließung verhindern

Für die Zeit nach Ostern bis zunächst Mitte April kündigte Ministerin Köpping eine neue Strategie an, mit der die Schließung von Einrichtungen auch bei einem Anstieg der Infektionszahlen verhindert werden soll. Demnach sollen die Angebote zum Termin-Einkaufen (Click & Meet) künftig inzidenzunabhängig möglich bleiben, wenn im Gegenzug eine Testpflicht für Kunden durchgesetzt wird. Das gilt auch für Museen und Zoos sowie für den Individualsport. Auch körpernahe Dienstleistungen, Kosmetik- und Tattoo-Studios sowie Friseure sollen weiter öffnen dürfen, wenn Kunden und Personal einer Testpflicht nachkommen.

Tests auch bald in Grundschulen

Um Sachsens Schulen auch bei Inzidenzwerten über 100 offen zu halten, sollen künftig Lehrer und Schüler – dann auch an den Grundschulen – zweimal pro Woche getestet werden. Köpping und Kretschmer kündigten an, dass Sachsen mit einer starken Ausweitung der Testpflicht und der Testmöglichkeiten vor allem die Zeit bis Ende Mai überbrücken wolle. Bis dahin, so ihre Hoffnung, würden die in den kommenden Wochen erwarteten zusätzlichen Lieferungen von Impfstoffen sowie die dadurch mögliche höhere Zahl von Impfungen erste positive Wirkungen zeigen. Am kommenden Montag beginnen in Sachsen die zweiwöchigen Osterferien. Danach soll es die Tests flächendeckend geben. Gelingt das, können wohl auch derzeit geschlossene Schulen in Hotspots nach den Ferien wieder öffnen. Köpping sagte am Dienstag, es sei nicht völlig auszuschließen, dass die Schulöffnung bei hohen Infektionsgeschehen auch um eine Woche verschoben werden könnte. Notbetreuung soll in jedem Fall möglich sein.

Aufforderung zu Hause zu bleiben

Die Vereinbarung von Bund und Ländern definiert das Prinzip für die Osterfeiertage mit einem modernen Twitter-Hashtag: #WirBleibenZuHause heißt die hier originalgetreu zitierte Formel. Bund und Länder appellieren eindringlich an die Bevölkerung, über Ostern auf Reisen im Inland sowie ins Ausland zu verzichten. Der Bund will das Infektionsschutzgesetz ändern und eine generelle Testpflicht vor dem Start zur Einreisevoraussetzung bei Flügen nach Deutschland machen. Zudem verweist der Beschluss auf die Quarantänepflicht etwa für Urlauber bei der Einreise aus ausländischen Risikogebieten nach Deutschland.

RB Leipzig kann auf Fans hoffen

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Für das Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga zwischen RB Leipzig und Bayern München am 3. April sind derzeit diverse Szenarien denkbar. Kretschmer wollte sich noch nicht festlegen, ob die Partie überhaupt stattfinden wird: „Das werden die nächsten Tage zeigen, ob das so ist.“ Andererseits kann sich RB sogar Hoffnungen machen, gegen Bayern wieder Zuschauer ins Stadion lassen zu dürfen. Köpping kündigte an, Modellversuche unabhängig von der Inzidenz zu ermöglichen. Die von Leipzig für den Versuch beantragten 1.000 Fans müssen negativ getestet werden und sich an strenge Hygieneregeln halten. Kann allerdings gar kein Profisport über die Feiertage stattfinden, fällt auch das Drittligaspitzenspiel aus: Dynamo Dresden gegen Hansa Rostock. Noch ist nichts entschieden.

Kommunen drängen auf neuen Wert

Bereits am Montag drängte der Städte- und Gemeindetag auf Neuerungen. Das Gremium brachte einen Schwellenwert ins Gespräch, der neben Inzidenzen auch Krankenhausauslastung und Impfquote als Maßstab für Lockerungen erfasst. (mit dpa)

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