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Trotz Corona: Auflegen statt aufgeben!

DJs und Clubbetreiber haben es in der Krise schwer. Seit Monaten gibt es keine Arbeit für sie. Wie sie ihr Publikum dennoch bei Laune halten.

DJ Romano Meinert (l.) und sein Chef Chris Gasch haben im Akustik Center Kamenz die "Home-Bühne" installiert. Hier kann professionell gestreamt werden. An den Wochenenden nutzen das angesagte DJs der Region.
DJ Romano Meinert (l.) und sein Chef Chris Gasch haben im Akustik Center Kamenz die "Home-Bühne" installiert. Hier kann professionell gestreamt werden. An den Wochenenden nutzen das angesagte DJs der Region. © Matthias Schumann

Bautzen/Kamenz. Die Stühle bleiben hoch gestellt, die Schweinwerfer weiterhin aus. Corona hat die Welt im Griff - und damit auch die Partyszene. DJs, Clubbesitzer und Discobetreiber mussten seit März von Hundert auf Null herunterfahren. Das ist für viele nicht nur hart, sondern existenzbedrohend. Die meisten aus der Zunft arbeiten mittlerweile seit Monaten wieder in früheren Berufen, fahren auf Montage auf den Bau oder halten sich mit artfremden Gelegenheitsjobs über Wasser. Das Geschäft mit der Party ist ohnehin besonders. Was tun, wenn keiner zum Feiern kommen darf?

"Wir müssen alle nach Alternativen suchen - um einfach nicht in Vergessenheit zu geraten", sagt DJ Romano Meinert aus Uhyst bei Burkau. Aus den Augen, aus dem Sinn - davor haben alle Angst. "Wenn die Leute nicht feiern gehen dürfen, dann müssen wir zu ihnen ins Wohnzimmer - virtuell zumindest", sagt der 35-Jährige.

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Gemeint sind Live-Streams, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. In Echtzeit kann man dabei den DJs gemütlich in der eigenen Stube zuhören, Kommentare abgeben, Grüße senden, im besten Fall einfach lostanzen in Hausschlappen und so interaktiv irgendwie dabei sein.

DJ erobern mit Live Streams die Wohnzimmer

Erst letzten Sonnabend standen Romano Meinert und sein Chef Chris Gasch stundenlang auf der "Home-Bühne" des Kamenzer Akustik Centers - und unterhielten über die Plattform Twitch das Publikum daheim. "Die Abonnentenzahl steigt wöchentlich, das zeigt, das wir auf dem richtigen Weg sind", freut sich Meinert. Dass es zum Beispiel auch bei der Rettungswache Radeberg viele Mithörer gebe, mache ihn stolz. So baue man sich gegenseitig auf.

Der DJ aus Uhyst ist in der Lausitz bekannt. Wenn er nicht am Pult steht, arbeitet er im Akustik Center. Auch dort ist die Krise angekommen. Wo man sich sonst mit Reparaturen, Kabelanfertigung, Verleih von Technik und Projektplanung für größere Gigs beschäftigt ist, stehen nun andere Dinge an. "Wir kümmern uns um Lautsprecher fürs Auto oder Heimkinoanlagen, planen Licht-Installationen für daheim. Zurzeit rüsten wir auch Schwibbogen auf LED um oder beleuchten die Häuser der Kundschaft mit ausgefallenen Outdoor-Lasern im Advent", sagt Romano Meinert. Not macht erfinderisch und Nachfrage regelt das Angebot. Trotz Corona hat ein Azubi mit der Lehre zum Kaufmann im Einzelhandel angefangen. "Aufgeben ist nicht", lautet das Motto von Chef Chris Gasch.

Auch die Faschingssaison bricht weg

Im Center hatte man die Idee zur "Home-Bühne". Auf dieser können sich DJs sonnabends verausgaben - mit perfekter Licht- und Soundtechnik. Sie tun das kostenlos, um fürs Publikum da zu sein. Und weil ihnen das Auflegen fehlt. "Das Angebot steht übrigens für alle Künstler oder Firmen, die sich werbetechnisch live an ihr Publikum wenden wollen", sagt Chris Gasch. Dann kostet die Anmietung der Home-Bühne 29,90 Euro pro Stunde.

Wie viele aus der Branche hatte Romano Meinert Anfang des Jahres zahlreiche Gigs im Terminbuch stehen. "Es waren über 70. Gelenauer Musiktage, Open Air in Straßgräbchen, Déjà-vu-Festival - alles abgesagt", bedauert er. Doch alle hofften, dass es irgendwann besser wird. Nun ist Dezember, und die Bilanz sieht schlecht aus.

"Der erneute Lockdown macht uns wenig Hoffnung, dass sich in der nächsten Zeit etwas ändert. Uns bricht zum Beispiel auch die Faschingssaison in unserer Faschingsbar in Wittichenau weg. Das hat Tradition, gab Spaß und brachte feste Einnahmen", bedauern Gasch und Meinert. Wäre da nicht das Live-Streaming, wäre die Laune noch mehr am Boden. "Dickes Lob an meinen Chef, dass er das alles möglich macht", freut sich DJ Romano Meinert.

Keine Einnahmen, aber Kosten im Mono Bautzen

Auch Mirko Wendt kennt die Probleme. Der Kamenzer betreibt seit Januar 2016 die Eventlocation "Mono" in Bautzen. Im Normalfall von der Wintersaison bis in den Mai. Denn über den Sommer ist auch er sonst als DJ, Moderator oder mit seinem Veranstaltungsservice unterwegs. Das fiel corona-bedingt weg. "Und seit 9. März sind die Türen des Clubs geschlossen, ich habe keine Einnahmen. Die gesamten Kosten laufen allerdings weiter", sagt er. Mehrere tausend Euro seien das im Monat.

"Seit der Zeit halten wir mit Stammgästen und Freunden Verbindung über den Internet-Radiosender Fox4you aus Rothenburg", erzählt Wendt. Jeden zweiten Freitag gibt es „Freitag nach 8, ab in die Nacht“ auf die Ohren. Und Sonnabendnacht schaltet man sich meistens noch live aus Gelenau mit verschiedenen DJs zu. Mirko Wendt baute sich ein professionelles Tonstudio und streamt seitdem direkt live. "Über Telefon und WhatsApp können die Leute mit uns kommunizieren. Das tut gut!"

Auch Mirko Wendt (l.) baute sich daheim in Gelenau ein professionelles Tonstudio ein und streamt seitdem direkt live mit anderen DJ-Kollegen - vor allem Sonnabendnacht. Sein Club Mono in Bautzen ist seit März geschlossen.
Auch Mirko Wendt (l.) baute sich daheim in Gelenau ein professionelles Tonstudio ein und streamt seitdem direkt live mit anderen DJ-Kollegen - vor allem Sonnabendnacht. Sein Club Mono in Bautzen ist seit März geschlossen. © privat

Auch das FirleTanz-Team aus Bautzen streamt und hofft

Das DJ-Team vom "FirleTanz" Bautzen sieht die Lage ähnlich - aber dennoch entspannter. "Glücklicherweise sind wir finanziell nicht darauf angewiesen, ob unsere Veranstaltungen stattfinden oder nicht. Fixkosten haben wir trotzdem, aber die lassen sich vorerst noch überbrücken", erklären die DJs des Teams, das von Events am Bautzener Stausee und beim Bautzener Frühling bekannt ist. Trotzdem: Das Spielen der Musik vor Publikum und die Organisation großer Events sei ihre Leidenschaft.

Daheim nehmen sie Sets zum Beispiel für "Loggia Days and Nights" oder "minimalradio.de" auf. Zum Bautzener Frühling lieferten sie einen Live-Stream im Steinhaus. Für Anfang 2021 sei Ähnliches in Planung. Aber das alles könne das Gefühl und die Energie eigener Veranstaltungen mit tanzenden Menschen nicht ersetzen, weshalb sie sich trotz der ungeklärten Lage schon oft über Ideen nach Corona austauschen.

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Vor einer Woche hätte Mirko Wendt sein vierjähriges Jubiläum gefeiert im Mono in Bautzen. "Die Leute sollen nun wenigstens ihre Erinnerungen feiern, erlebte Momente und Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben", wünscht er sich. Bis zum Wiedersehen...

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