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Dresden: So viele starben in Pflegeheimen

Die Stadt Dresden hat aktuelle Zahlen zum Impfen, dem Impf-Status in Pflegeheimen und auch den bisherigen Corona-Toten genannt. Die Details.

Die meisten Dresdner Corona-Toten lebten laut Stadtverwaltung zuvor in Pflegeheimen.
Die meisten Dresdner Corona-Toten lebten laut Stadtverwaltung zuvor in Pflegeheimen. © dpa-Zentralbild

Dresden. Deutlich weniger Dresdner haben sich bisher impfen lassen als der Bundesdurchschnitt. Dadurch steige die Gefahr eines erneuten Lockdowns, fürchten die Mitglieder der Dissidenten-Fraktion im Dresdner Stadtrat und fordern Gegenmaßnahmen. In diesem Zuge hat Dissidenten-Stadtrat Michael Schmelich konkrete Daten von der Stadtverwaltung abgefragt. Diese bringen zum Teil erschreckende Erkenntnisse.

Die Dissidenten befürchten eine Pandemie der Ungeimpften in Dresden. Vor allem ältere Dresdner und Dresdner mit Vorerkrankungen seien gefährdet, aber auch Kinder, weil diese noch nicht geimpft werden könnten.

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Dass Infektionen mit dem Coronavirus vor allem bei Älteren und Vorerkrankten einen gefährlichen Verlauf nehmen kann, machen die Zahlen der Stadt deutlich. Diese gehen aus der Antwort von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf Schmelichs Anfrage hervor.

Wie viele Corona-Tote gab es in Pflegeheimen?

Insgesamt gibt die Stadt die Zahl der bisherigen Sterbefälle im Zusammenhang mit Corona mit 1.116 (Stand 17. September) an. Etwa Dreiviertel der Verstorbenen waren über 80 Jahre alt. Mehr als die Hälfte der bisher Verstorbenen wurde in Dresdner Pflegeheimen betreut. Laut der Antwort von OB Hilbert sind es bislang genau 627.

"Eine eindeutige Unterscheidung zwischen Personen, die an Corona verstarben und Personen, die mit Corona verstarben, ist nicht ohne weiteres möglich, da die genauen Umstände des Todes nicht immer eindeutig auf dem Totenschein dokumentiert sind", so Hilbert.

Aber: Bei 583 der 627 Verstorbenen sei dem Gesundheitsamt das klinische Bild bekannt. "Diese Fälle verstarben mit hoher Wahrscheinlichkeit an Corona", erklärt Hilbert. Für die übrigen 44 Fälle liege kein klinisches Bild vor. Deshalb sei anzunehmen, dass eine andere Ursache für den Tod ausschlaggebend war.

Wie viele ältere Dresdner sind geimpft?

Das kann die Stadt nach wie vor nicht mit Sicherheit beantworten. So liegen nur Zahlen nach den Impforten vor, nicht aber nach den Wohnorten der Geimpften. Sprich: Es kann nicht unterschieden werden, wie viele Dresdner und wie viele Auswärtige etwa im Dresdner Impfzentrum geimpft wurden. Geht man allein nach dem Impfort, so sind in Dresden bisher 285.103 Menschen vollständig immunisiert worden, darunter 118.062 Über-60-Jährige. Aber wie viele davon leben in Dresden?

"Anfragen bei der Kassenärztlichen Vereinigung blieben erfolglos", so Hilbert. Die Oberbürgermeister von Leipzig, Chemnitz und er haben die Daten mehrfach und auch schriftlich angefragt - erfolglos. Deshalb könnten keine belastbaren Aussagen getroffen werden.

Demnach hat die Stadt auch keine Daten darüber, wie viele Mitarbeiter in den stationären und ambulanten Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Dresden geimpft sind. Gleiches gilt für andere Gesundheitsvorsorgeeinrichtungen wie Physiotherapien. "Es gibt keine gesetzliche Offenbarungspflicht für den Impfstatus und keine Meldepflicht an Behörden", erklärt der OB. Es existiere kein "rechtlich legitimiertes Meldesystem". Das hat Hilbert bereits mehrfach kritisiert. Aber das Dresdner Impfzentrum habe spezielle Impftermine für diese Berufsgruppen angeboten und in den Dresdner Stadtteilen seien Impf-Mobile unterwegs.

Immerhin weiß die Stadt ungefähr, wie die Impfquoten in ihren Gesundheitseinrichtungen aussehen. Diese liegen laut Hilbert im Städtischen Klinikum bei 73 Prozent. Das ärztliche Personal ist zu 97 Prozent geimpft, Pflegekräfte zu 69 Prozent. In den Pflegeheimen der städtischen Cultus werde von einer Impfquote von teilweise bis zu 90 Prozent ausgegangen, exakte Zahlen gebe es aber nicht.

Bekommen ältere Dresdner eine dritte Impfung?

In Dresden haben bereits 911 Menschen eine dritte Corona-Schutzimpfung erhalten. Seit 1. September sind die Auffrischungsimpfungen in Sachsen möglich. Empfohlen wird sie allen Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Durchbruchsinfektionen haben. Das sind vollständig Geimpfte im Alter von über 70 Jahren sowie Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen. Die Booster-Impfung sollte mindestens sechs Monate nach der Zweitimpfung verabreicht werden.

Da die Impfzentren schließen, werde nun diskutiert, wo die Auffrischungsimpfungen in Zukunft verabreicht werden könnten, so Hilbert. Das hänge davon ab, wie sich das Land entscheidet. "Bleiben die mobilen Impfteams bestehen, ist ein Angebot dezentral in den Stadtteilen weiterhin möglich", so Hilbert. Zudem verweise das Land auf niedergelassene Ärzte, die in Pflegeheime kommen können.

Kommt die Impfpflicht für Ärzte und Pflegepersonal?

Darauf gibt es ein klares Nein von OB Hilbert. "Für eine Impfpflicht gibt es derzeit keine gesetzliche Grundlage." Es bestehen weder rechtliche Möglichkeiten noch die Absicht zur Einführung einer Impfpflicht für die Beschäftigten des Städtischen Klinikums Dresden. Auf andere Einrichtungen habe der OB keinen Zugriff.

Zudem könne auch nicht sichergestellt werden, dass ungeimpfte Pflegekräfte ungeimpfte Bewohner von Seniorenheimen betreuen. Es bestehe keine Pflicht, dies sicherzustellen. Aber im Klinikum Dresden gebe es einen Hygieneplan und ein -konzept. Diese umfassen auch die Regeln der jeweils aktuellen Coronaschutzverordnung, also derzeit Zutritt nur mit aktuellem negativen Test aus einem offiziellen Testzentrum, Impf- oder Genesenen-Nachweise.

Was fordern die Dissidenten für Dresden?

Schmelich kritisiert, dass auch nach 18 Monaten Pandemie in Dresden "elementare Informationen" fehlen, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. "Offensichtlich fehlt es an Tatkraft und Willen, auf der Basis valider Informationen zielgerichtete Maßnahmen zu ergreifen." Die Antworten seien "frustrierend". "Wer noch nicht einmal weiß, welche besonders zu schützenden Personengruppen bisher durch Genesung oder Impfung immunisiert sind, dem fehlt es an grundlegenden Voraussetzungen, um zielgerichtet in der vierten Welle die Bürgerinnen und Bürger zu schützen."

Seine Fragen seien vorwiegend mit "Nichtwissen" beantwortet worden. "Das Verantwortungslosigkeits-Mikado zwischen Land und Stadt muss endlich beendet werden", so Schmelich. "Es ist unbegreiflich, dass das Gesundheitsamt die Schuld des miserablen Managements ideen- und tatenlos auf Bund und Land schiebt."

Deshalb beantragen die Dissidenten nun, die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen und den Impfstatus der städtischen Mitarbeiter im Bildungs-, Gesundheits- und Pflegebereich abzufragen. Ungeschützte Mitarbeiter sollen nicht mehr in Bereichen eingesetzt werden, in denen sie auf Menschen ohne Impfschutz treffen. Zumindest dann, wenn der Schutz nicht durch "engmaschige PCR-Tests" sichergestellt werden kann. In Einrichtungen, die nicht von der Stadt betrieben werden, soll dafür geworben werden, ebenso zu verfahren.

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Außerdem solle die Stadt künftig bei den Angaben zu den Zahlen von Infektionen und Krankenhausbehandlungen auch Alter und Impfstatus ausweisen. "Die verheerende Situation in Dresdner Pflegeheimen darf sich nicht wiederholen", so Schmelich. "Oberbürgermeister Hilbert muss endlich dafür sorgen, dass das Gesundheitsamt den Schutz vulnerabler Gruppen priorisiert."

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