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Der lange Weg zum Impfen

Etwa 6.000 Menschen im Landkreis sind bereits geimpft. Es könnten mehr sein, wenn der Corona-Impfstoff nicht rar wäre. Jetzt hakt es auch noch beim Transport.

Im Impfzentrum in Pirna sind derzeit nur zwei der vier Impfstrecken ausgelastet.
Im Impfzentrum in Pirna sind derzeit nur zwei der vier Impfstrecken ausgelastet. © Daniel Schäfer

Die Corona-Impfungen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge verlaufen weiter nur schleppend. Mit Stand von Dienstag, dem 8. Februar, waren im Impfzentrum in Pirna-Jessen sowie von mobilen Impfteams 6.547 Impfdosen ausgegeben worden. Etwa 1.600 Personen erhielten bereits die zweite Impfung. Das entspricht 2,7 bzw. 0,7 Prozent der Gesamtbevölkerung von SOE. Das teilte das DRK Sachsen auf Nachfrage mit. Hinzu kommen noch Impfungen von Klinikpersonal, was die Krankenhäuser eigenständig organisieren.

Das DRK koordiniert die Logistik für das Impfzentrum und das mobile Impfen in Pflegeeinrichtungen. Bei Letzteren wurden für Bewohner und Personal 2.674 Impfdosen gespritzt, im Testzentrum 2.244. Hier erhielten bereits 742 Personen die Zweitimpfung. Die mobilen Teams haben an 887 Personen bereits die zweite Impfung ausgegeben. Diese ist nötig, damit der Impfstoff die volle Wirkung der Immunisierung entfaltet. Zwischen der ersten und zweiten Impfung sollen 21 Tage liegen.

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Um die volle Wirkung gegen das Coronavirus entfalten zu können, sind zwei Impfungen nötig.
Um die volle Wirkung gegen das Coronavirus entfalten zu können, sind zwei Impfungen nötig. © Daniel Schäfer

Rund 1.000 Geimpfte pro Woche

Seit 11. Januar ist das Impfzentrum in Pirna-Jessen in Betrieb. Dazu wurde ein ehemaliger Aldi-Markt umgebaut. Anspruch auf eine Impfung haben bis jetzt nur Personen der Priorität 1. Dazu zählen über 80-Jährige, Bewohner und Personal in Pflegeheimen sowie medizinisches Personal.

Damit konnten im Landkreis in fünf Wochen rund 5.000 Personen geimpft werden. Geht das Impfen derer, die es wünschen, im bisherigen Tempo weiter, würde es noch mindestens bis Ende Juni dauern, bis wenigstens die Gruppe mit der höchsten Priorität vollständig geimpft ist.

Im Landkreis sind allein 22.000 Menschen über 80 Jahre alt. Hinzu kommen Pflegeheimbewohner, die etwas jünger sind, sowie Tausende Beschäftigte bei Pflegediensten oder in Kliniken. Das macht rund 30.000 Personen in der höchsten Priorität.

Frustration wegen zu weniger Impftermine

Bis jetzt ist im Landkreis nur ein ganz kleiner Teil der Gesamtbevölkerung geimpft. Welche Quote ist jedoch nötig, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen? Anfangs der Pandemie wurde von Wissenschaftlern eine Durchseuchungs- oder Impfquote von 60 bis 70 Prozent als nötig angesehen. Angesichts der neuen Virusvarianten hieß es vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen inzwischen aber, dass bis zu 80 Prozent der Bevölkerung immun sein müssten.

Dass im Landkreis bisher nur so wenige geimpft sind, liegt laut DRK keineswegs an mangelnder Impfbereitschaft. Die sei insbesondere in den Pflegeeinrichtungen hoch. Dort gab es schließlich auch die meisten Toten mit Covid-19-Erkrankungen.

"Wir registrieren eher eine Frustration bei den Menschen, dass nicht genügend Impftermine angeboten werden können", sagt Kai Kranich, Pressesprecher des DRK Sachsen. Ob die Impfbereitschaft die avisierten 80 Prozent erreicht, könne er aber nicht sagen, dazu fehlten dem DRK Daten. Nach Umfragen im Januar würden sich in Deutschland aktuell etwa zwei Drittel der Bevölkerung impfen lassen. In Sachsen war die Bereitschaft etwas geringer.

Strenger Winter verlangsamt Impftransporte

Doch selbst für diejenigen, die sich impfen lassen möchten, müsste es erst mal genügend Impfstoff geben. Im Landkreis wird ausschließlich jener von Biontech und Pfizer ausgegeben. Es ist inzwischen zwar auch welcher von Moderna und Astra-Zeneca angekündigt. Beim DRK rechnet man allerdings erst im März mit zusätzlichen Lieferungen.

Aktuell wäre man froh, wenn die Transporte von Biontech/Pfizer planmäßig ankommen würden. Die Straßenverhältnisse nach dem harten Wintereinbruch haben zu Verzögerungen geführt. Spätestens am Mittwoch dieser Woche hätte Nachschub kommen müssen. Anderenfalls hätte sich die ohnehin schon niedrige Zahl an täglichen Erstimpfungen in Sachsen reduziert. "Die angekündigten 34.000 Impfdosen für Sachsen sind noch rechtzeitig angekommen", hieß am Mittwochnachmittag die erlösende Nachricht vom DRK.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wird derzeit nur der Impfstoff von Biontech und Pfizer ausgegeben.
Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wird derzeit nur der Impfstoff von Biontech und Pfizer ausgegeben. © Daniel Schäfer

Kliniken in SOE impfen ihr Personal selbst

Wie sieht es mit den Impfungen in den Krankenhäusern aus? Wie die Helios-Kliniken in Pirna, Freital und Dippoldiswalde erklärten, sind etwa 30 Prozent der Beschäftigten - also mehrere hundert - geimpft. Zunächst waren jene des ärztlichen Dienstes und der Pflege mit besonders hohem Expositionsrisiko, etwa in Notaufnahmen, in der Betreuung von Covid-19-Patienten sowie mit engem Kontakt zu gefährdeten Gruppen wie beispielsweise in der Onkologie oder Geriatrie an der Reihe.

In der Hohwald-Klinik und in Sebnitz ist der Stand ähnlich. Auch dort warten noch viele, dass sie an die Reihe kommen.

Dass noch nicht mehr Beschäftigte geimpft sind, habe damit zu tun, dass so wenig Impfstoff zur Verfügung steht. "Sobald weitere Impfdosen verfügbar sind, werden wir weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend der Priorisierung nach Corona-Virus-Impfverordnung impfen", teilen die Helios-Kliniken auf Nachfrage mit. Eine Antwort der Sebnitzer Klinik steht noch aus.

DRK ist auf Mehrarbeit vorbereitet

Im Impfzentrum in Pirna-Jessen sind derzeit maximal zwei der vier eingerichteten Impfstrecken ausgelastet. So wie mehr Impfstoff zur Verfügung steht, könnte die Kapazität personell und logistisch sofort erhöht werden, heißt es vom DRK. Vor März wird aber nicht mehr mit höheren Liefermengen gerechnet.

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Das gilt ebenso für die mobilen Impfteams. Diese Aufgabe übernehmen im Landkreis die Johanniter in Kooperation mit dem DRK. Aktuell sind zwei Impfteams täglich unterwegs. Das könnte schnell auf fünf bis sechs erhöht werden, heißt es.

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