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So viele Urlauber reisen wieder nach Dresden

Das Übernachtungsgeschäft in Dresden erholt sich langsam. Woher die Touristen kommen, wie lange sie bleiben, und wie es weitergeht - die Sommerbilanz.

Die Hufen klappern wieder auf dem Dresdner Neumarkt. Ein Zeichen dafür, dass Urlauber in der Stadt sind. Doch sind es genug?
Die Hufen klappern wieder auf dem Dresdner Neumarkt. Ein Zeichen dafür, dass Urlauber in der Stadt sind. Doch sind es genug? © dpa/Robert Michael

Dresden. Tourismus ist anfällig. Vom Pegida-Effekt sprach Dresdens frühere Tourismuschefin Bettina Bunge einmal, als die Gästezahlen infolge der Montagsdemonstrationen zurückgingen. Dieses Jahr ist es der Corona-Effekt, der der Branche zusetzt. Aber, und das zeigen die neuesten Zahlen wieder: Tourismus erholt sich auch schnell.

Täuscht es, oder ist die Stadt wieder voller?

Nein, dieser Eindruck stimmt. Mehr und mehr Touristen finden wieder nach Dresden - überwiegend Besucher aus Deutschland. In den Sommerferienmonaten Juni und Juli waren es insgesamt eine Viertelmillion, die in der sächsischen Landeshauptstadt übernachteten. Wobei vor allem der Juli den Hotels, Gaststätten, Museen und Geschäften reichlich auswärtige Kundschaft bescherte. Für August liegen noch keine Zahlen vor. Die Übernachtungszahlen entwickelten sich in ähnlichen Dimensionen.

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Es ist auch nicht so, dass Urlauber den Aufenthalt im Hotel oder in der Pension scheuen. Im Schnitt blieben die Übernachtungsgäste im Juli 2,2 Tage in Dresden - so lange wie auch vor Corona. Die Tourismusbilanz für den Sommer falle besser aus, als man befürchtet hatte, sagte Corinne Miseer am Montag. Sie führt die Dresden Marketinggesellschaft, welche die Stadt national wie international bewirbt. Mit einer Zimmerauslastung von 54,3 Prozent stünden die großen Innenstadt-Hotels auch so gut da, wie in keiner anderen deutschen Großstadt.

Warum fiel der Sommer bisher besser aus als gedacht?

Dazu hätten die vielen Freiluft-Veranstaltungen beigetragen, unter anderem der Palais Sommer, die Filmnächte am Elbufer, die zwölf Kulturinseln in der Alt- und der Neustadt sowie das Open-Air-Theater in der Jungen Garde, so Miseer. Die Kultur sei schnell gewesen und habe Formate nach dem Motto "Sommer mit Abstand" entwickelt. 

Andererseits entschieden sich die Tourismusverantwortlichen bereits im April, Dresden für die Zeit nach den Schließungen verstärkt in Deutschland statt im Ausland zu bewerben - insbesondere in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. Hintergrund waren die internationalen Reisebeschränkungen. Camping und Caravaning, Weinwanderungen, Radtouren und natürlich Dresdens Kulturtempel wurden auf Plakaten, im Internet und in TV-Werbeeinblendungen angepriesen.

Darüber hinaus schätzt Miseer, dass die vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen in Dresden nach der Wiedereröffnung der Hotels Mitte Mai halfen. Außerdem ist Dresden mehr von Urlaubern und weit weniger von Auslandstouristen und Kongressgästen abhängig. Was prinzipiell kein guter Umstand ist,  hat in sich in der Corona-Krise ausgezahlt. Bis heute seien Kongressorganisatoren deutschlandweit zurückhaltend bei der Buchung. Dasselbe gelte für Urlauber aus dem Ausland.

Woher kommen die Touristen?

Wie gesagt, sind es vor allem Urlauber aus Deutschland, die Urlaub in Dresden machen. An der Spitze stehen sächsische Touristen, gefolgt von Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen und Bayern - dort, wo viel Werbung für die Landeshauptstadt gemacht wurde. Dabei handelt es sich vermehrt um kaufkräftige Kundschaft, erzählt Sonja Schilg vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Statt einer Flasche Wein werde eine Kiste gekauft. Mit den Corona-Werbekampagnen sei Publikum aus den westlichen Bundesländern angesprochen worden, dass man sonst nicht so schnell erreicht hätte.

Wie sieht es mit ausländischen Touristen aus?

Von den insgesamt 161.102 Touristen im Juli kamen lediglich 22.077 aus dem Ausland. Für gewöhnlich kommen aus Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und den USA die meisten ausländischen Touristen. Das ist zwar immer noch so. Doch verglichen zum Juli 2019 kamen diesen Juli knapp 85 Prozent weniger US-Amerikaner, fast 50 Prozent weniger Österreicher, gut 30 Prozent weniger Polen und Tschechen sowie reichlich ein Viertel weniger Niederländer und Schweizer.

Reisewarnungen bremsten und bremsen schon wieder die Reiselust weltweit.

Ist denn wirklich alles wie früher?

Nein. Zwar erholt sich der Dresden-Tourismus. Zu alter Stärke hat er aber noch nicht zurückgefunden. Über das gesamte Jahr gesehen fehlen knapp 50 Prozent Touristen. Und selbst im Juli lag die Zahl der Übernachtungsgäste auf dem Niveau vom Februar - einem der schwächsten Monate im Beherbergungsgewerbe. Es muss bezweifelt werden, dass diese Verluste bis zum Jahresende ausgeglichen werden können. Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) - Meißen ist Teil der Tourismusregion Dresden-Elbland - brachte es am Dienstag auf den Punkt: Man müsste die Hotelzimmer in den kommenden Monaten schon doppelt belegen, um die Verluste auszugleichen.

"Die wirtschaftlichen Schäden sind immens, und wir wissen, dass es Jahre dauern wird, bis die entstandenen und weiterhin entstehenden Einbußen überwunden werden können", sagte Dresdens Kultur- und Tourismusbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) am Dienstag.

Welche Bedeutung hat der Tourismus für Dresden?

Einer Studie zufolge geben Übernachtungsgäste im Schnitt 292 Euro pro Person und Reise aus. Ein Drittel davon lassen sie in Dresdens Geschäften, 23 Prozent geben sie für die Übernachtungen aus und 21 Prozent für Essen und Trinken in den Gaststätten. Im Jahr macht das einen Bruttoumsatz von rund einer Milliarde Euro aus. Geld, mit dem mehr als 24.000 Jobs finanziert werden, das aber auch in Form von Steuern in den Haushalt fließt. Hinzu kommt die Übernachtungssteuer, die Dresden direkt bekommt. Je weniger Gäste also einchecken, umso weniger steht der Stadt für Pflichtaufgaben und Investitionen zur Verfügung, und umso weniger Jobs können finanziert werden.

Was unternimmt Dresden, um die Branche zu stützen?

Die Museen sind wieder geöffnet, ebenso die Theater und Opernhäuser. Das sind erst einmal gute Voraussetzungen. "Ich glaube, wir sind grundsätzlich gut für den Winter aufgestellt", schätzt Klepsch ein. Ein großes Fragezeichen schwebt noch über den Weihnachtsmärkten. Können sie stattfinden und unter welchen Bedingungen? 

Der Dezember gehört neben dem August zum stärksten touristischen Monat in Dresden. Der Striezelmarkt ist der Magnet schlechthin. Man müsse nun versuchen, den Striezelmarkt stattfinden zu lassen, so Klepsch weiter. Angesichts unterschiedlicher Infektionszahlen im Bundesgebiet nütze es nichts, einheitliche Maßstäbe zur Durchführung von Weihnachtsmärkten in Deutschland anzulegen. Vieles spreche dafür, den Striezelmarkt und die vielen anderen Dresdner Weihnachtsmärkte durchzuführen. Konzepte gebe es bereits, zum Beispiel die Vergrößerung der Flächen. Ungewiss bleibt hingegen, wie sich das Reiseverhalten bei ausländischen Touristen sowie das Buchungsverhalten von Kongressorganisatoren entwickeln wird.

Wie geht es weiter - was schätzen die Experten?

Die kurzfristigen Prognosen würden gut aussehen, sagt Corinne Miseer. Für September wird eine Zimmerauslastung von durchschnittlich 56 Prozent vorhergesagt. Danach gelte es, die touristische Infrastruktur - also die Hotels, Gaststätten, Museen - über den Winter zu bringen. "Genügend Reiseanlässe sind jedenfalls vorhanden."

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