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Corona-Hotspot in Meißner Bussen?

Die Fahrzeuge der VGM sind besonders am Morgen und Nachmittag überfüllt. Das liegt vor allem an den Schülern. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Der Meißner Busbahnhof nach Schulschluss am Nachmittag: Zwar tragen alle eine Maske, jedoch halten sie keinen Abstand ein.
Der Meißner Busbahnhof nach Schulschluss am Nachmittag: Zwar tragen alle eine Maske, jedoch halten sie keinen Abstand ein. © Claudia Hübschmann

Meißen. Gegen 14 Uhr am Busbahnhof. Kaum Menschen sind da. Vereinzelt stehen Schülergruppen, verteilt auf die Bussteige und Bänke. Noch können sie genügend Abstand zueinander halten. Doch kurz vor halb drei füllt sich der Busbahnhof stetig. Denn jetzt haben die meisten Schüler des Gymnasiums Franziskaneum Schluss. Ein paar wenige tragen sogar an den Haltestellen Maske. Damit sind sie jedoch eine Ausnahme, obwohl die Allgemeinverfügung des Landkreises Meißen dies eigentlich vorschreibt. Alle tragen dafür beim Einsteigen eine Maske. Einige Busse sind ausgelastet. Abstand halten ist nicht möglich. Steigt so das Risiko, sich mit Corona zu infizieren?

Mindestabstand kann nicht eingehalten werden

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, verbinden sich solche Situationen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko. Denn die Meißner Schüler drängen und halten auch beim Einsteigen keinen Abstand. Zwar ist das Risiko für die Jüngeren kleiner bis gering, an Covid-19 schwer zu erkranken, bei Älteren sieht das aber anders aus. An diesem Tag in Meißen fühlen sich Letztere sichtlich unbehaglich, zwischen den Schülern vor und hinter sowie links und rechts von ihnen. Denn sie schieben immer weiter.

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"Da im ÖPNV der Mindestabstand nicht einzuhalten ist, gilt hier die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung", erklärt Christian Schlemper, Pressesprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe. Auch Jens Dehnert, Geschäftsfüher der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM), weiß das. Daher wurde die Maskenpflicht auch schon frühzeitig eingeführt, erklärt er. Daran erinnert die VGM an ihren Fahrzeugen, und zwar mit einem Piktogramm.

Volle Busse sind dadurch aber nicht zu vermeiden. Gerade zur Hauptverkehrszeit am Morgen seien alle Busse im Einsatz, so Jens Dehnert. Zudem gebe es aktuell keine gesetzliche Begrenzung der Personenzahl für den ÖPNV. Die Busse der VGM können um die 80 Personen mitnehmen. Sitz- und Stehplätze zusammengerechnet. Der Geschäftsführer verspricht aber, dass eine sichere Nutzung der Busse möglich ist, und zwar durch verschiedene Hygienemaßnahmen sowie die Pflicht zum Tragen der Mund-Nase-Bedeckung. "So werden zum Beispiel alle Busse bei der VGM täglich einer desinfektionierenden Reinigung unterzogen."

Trotz dieser Mittel fällt jedoch eines auf: Die Busfahrer tragen keine Mund-Nase-Bedeckung. "Sie sind von der Maskenpflicht ausgenommen, da durch Sauerstoffmangel während der Fahrt unter Umständen eine gefährliche Situation entstehen könnte", erklärt der VGM-Geschäftsführer. Laut einem Faktencheck des Recherchezentrums Correctiv aus Essen gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass ein Sauerstoffmangel beim Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung besteht. So schreibt das Robert-Koch-Institut gegenüber Correctiv in einer E-Mail: "Dass man mehr CO2 einatmet stimmt nicht, dass die Atmung behindert wird, schon." Dadurch könne es für ältere Menschen oder solche mit chronischen Lungenkrankheiten trotzdem anstrengend sein, unter der Maske zu atmen.

Beim Ein- und Aussteigen kommt es immer wieder zum Gedränge. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verbinden sich solche Situationen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko.
Beim Ein- und Aussteigen kommt es immer wieder zum Gedränge. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verbinden sich solche Situationen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko. © Claudia Hübschmann

"Der ÖPNV ist kein Corona-Hotspot"

Zudem befinden sich Busfahrer nicht hinter Plexiglasscheiben, wie es in Geschäften mittlerweile üblich ist. Solche Schutzwände hätten erhebliche Nachteile. "Besonders gefährlich ist dabei die Blendwirkung bei Sonneneinstrahlung und Querverkehr", sagt Jens Dehnert. "Zum Schutz unserer Mitarbeiter tragen daher die Fahrgäste die Mund-Nase-Bedeckung und die erste Sitzreihe wurde gesperrt." Zudem gebe das Meißner Verkehrsunternehmen Desinfektionsmittel aus und stelle Masken zur freiwilligen Nutzung an den Haltestellen zur Verfügung.

Der VGM-Geschäftsführer verweist zudem auf eine Pressemitteilung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Der Branchenverband führte eine deutschlandweite Umfrage unter den Mitarbeitern im ÖPNV durch. Demnach gebe es nur sehr wenige Coronainfektionen in den Bussen. Insgesamt erkrankten 233 Beschäftigte von insgesamt fast 80.000, die in der Umfrage berücksichtigt wurden. Davon haben sich nachweislich nur neun im Dienst angesteckt. Allerdings kann bei 93 Fällen nicht nachgewiesen werden, wo die Infektion passiert ist. Für Ingo Wortmann ist trotzdem eindeutig: "Der ÖPNV ist kein Corona-Hotspot", teilt der VDV-Präsident mit. Er gibt aber zu bedenken, dass die Beschäftigen einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Denn sie verbringen oft Stunden in den Fahrzeugen.

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