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Das sind die beliebtesten Rezepte bei Chefkoch.de

Rezepte aus dem Internet sind gefragt wie nie. Wer wählt die Ideen eigentlich aus? Und hat das Kochbuch bald ausgedient?

Besser kochen mit dem Handy: Im Internet gibt es Rezepte für jeden Geschmack.
Besser kochen mit dem Handy: Im Internet gibt es Rezepte für jeden Geschmack. © 123rf

Die Restaurants sind dicht, Lieferdienste nicht jedermanns Geschmack, und viele arbeiten nach wie vor im Homeoffice: Während der Corona-Pandemie entdecken die Deutschen das Kochen wieder. Online-Rezeptseiten wie chefkoch.de, kochbar.de oder daskochrezept.de werden geklickt wie nie. „Die Zugriffszahlen erreichen Werte, die wir sonst nur zu Weihnachten, der reichweitenstärksten Zeit des Jahres, verzeichnen“, sagt Arne Wolter, Geschäftsführer von Chefkoch. Die Plattform aus dem Verlagshaus Gruner und Jahr, zu dem auch die Sächsische Zeitung gehört, zählt zu den erfolgreichsten. Rund 20 Millionen Deutsche nutzen sie jeden Monat. Laufen Rezepte aus dem Internet dem klassischen Kochbuch den Rang ab? Was kommt bei den Deutschen am häufigsten auf den Tisch? Die SZ fragte den Chef von Chefkoch.

Herr Wolter, wann haben Sie privat das letzte Mal ein Rezept von Chefkoch ausprobiert?

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Sie werden sich wundern, aber ich gucke jeden Tag mehrmals auf die Website, allein aus beruflichen Gründen. Ich persönlich nutze zwar auch gern das klassische Kochbuch, wenn es mal etwas Besonderes sein soll. Bei Standardgerichten schaue ich aber auf Chefkoch und suche mir die Rezepte heraus, die am besten bewertet sind.

Haben Sie ein Lieblingsrezept?

Meine Kinder mögen am liebsten die Lasagne al forno. Es ist auch tatsächlich eines der besten Rezepte von Chefkoch. Zu den Lieblingsplätzchen gehören Vanillekipferl. Es gibt aber auch viele ausgefallene Sachen. Wenn Sie zum Beispiel nach Hummer suchen, finden Sie um die 100 Vorschläge. Genauso gut liefern wir Ideen für Rinderfilet oder moderne Gericht mit Roter Bete.

Was mögen die Deutschen besonders?

Betrachtet man das ganze Jahr, stehen Lasagne, Pfannkuchen, Käsekuchen, Kartoffelgratin und Pizzateig ganz oben auf der Suchliste unserer Nutzer. Wer sich Samstagabend spontan entscheidet, eine Pizza zu backen, und ein Teigrezept sucht, landet bei Chefkoch. Außerdem sind sehr viele saisonale Rezepte gefragt. Im Oktober und November liegt bei den Nutzern die Kürbissuppe extrem hoch im Kurs, im Juni sind es die Spargelrezepte.

Was wird am liebsten zum Weihnachtsfest serviert?

Tatsächlich sind es die Klassiker. Vor dem Fest werden bei uns am häufigsten Rezepte für die gebratene Ente, die Rinderroulade und die Gänsekeule gesucht. Die beliebtesten Plätzchen sind Vanillekipferl und das 1a-Spritzgebäck.

Als Beilage wird am liebsten das klassische Rotkraut serviert.
Als Beilage wird am liebsten das klassische Rotkraut serviert. © chefkoch.de
Zum Fest kommt Traditionelles auf den Tisch: Knusprige Gänsekeulen mit Bratäpfeln gehören zu den gefragtesten Festtagsbraten der Deutschen. Beliebter sind nur noch die gebratene Ente, klassisch und knusprig sowie klassische Rinderrouladen.
Zum Fest kommt Traditionelles auf den Tisch: Knusprige Gänsekeulen mit Bratäpfeln gehören zu den gefragtesten Festtagsbraten der Deutschen. Beliebter sind nur noch die gebratene Ente, klassisch und knusprig sowie klassische Rinderrouladen. © chefkoch.de
Es folgen das herzhafte Kartoffelgratin und Serviettenknödel (Foto).
Es folgen das herzhafte Kartoffelgratin und Serviettenknödel (Foto). © chefkoch.de

Und nach Silvester starten viele Menschen mit guten Vorsätzen ...

Ja, wir können beobachten, dass zu Jahresbeginn sehr viele Low-Carb-Gerichte gesucht werden. Viele Menschen wollen abnehmen. Sie nehmen sich vor, ins Fitnessstudio zu gehen und sich eben auch anders oder gesünder zu ernähren. Fleischgerichte werden im Januar weniger gesucht. Es wäre aber auch überraschend, wenn es nicht so wäre.

Es gibt also saisonale Unterschiede?

Sagen wir so: Wenn es regnerisch und kalt ist, ist Chefkoch-Wetter. Der Oktober, November und Dezember sind die stärksten Monate. Im vergangenen Advent haben etwa 22 Millionen Deutsche die Seite chefkoch.de und die Chefkoch-Apps genutzt. Ab März gehen die Klickzahlen in der Regel etwas zurück, nur Ostern gibt es noch mal einen Ausschlag nach oben. Juli und August sind typischerweise die schwächeren Monate mit etwa 18 bis 19 Millionen Nutzern. Das ist aber auch logisch, die Menschen sind im Urlaub und gehen öfter auswärts essen.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf das Klickverhalten?

Das war interessant. In der ersten Woche des Lockdowns im März haben wir gar nichts bemerkt. Die Menschen saßen zwar den ganzen Tag zu Hause am Rechner, haben aber vor allem Nachrichten-Seiten genutzt. Nach etwa einer Woche gingen unsere Zugriffszahlen durch die Decke und waren so hoch wie sonst nur in der Weihnachtszeit. Im April nutzten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum teilweise doppelt so viele Menschen chefkoch.de und die Apps. Sie wollten im Homeoffice nicht nur Tiefkühlpizza essen und sich über Corona informieren, sondern auch für die Familie kochen. Nachdem die Zahlen im Sommer zurückgegangen sind, liegen wir seit dem Lockdown light Anfang November wieder deutlich über dem Vorjahr.

Werden die Rezepte eigentlich nachgekocht, bevor sie online gestellt werden?

Wir bekommen pro Woche rund 200 neue Rezepte. Sie alle nachzukochen, wäre viel zu aufwendig. Aber sie werden alle von unseren Rezeptbearbeitern, die von Anfang an schon dabei sind, auf Herz und Nieren geprüft. Besonders wichtig ist für uns, dass die Gerichte und die hochgeladenen Bilder nicht irgendwo geklaut sind. Wir dürfen keine Urheberrechte verletzen. Ist alles in Ordnung, werden die Rezepte den verschiedenen Kategorien und Schlagwörtern zugeordnet, das ist ganz schön komplex.

Gibt es Rezepte, die wieder rausfallen?

Nein, selbst wenn ein Rezept gar nicht geklickt wird, bleibt es auf der Seite. Aber es kann vorkommen, dass Rezepte von vornherein abgelehnt werden, wenn sie zum Beispiel überwiegend aus Fertigmischungen oder Doseninhalten bestehen.

Haben sich die Vorlieben Ihrer Nutzer verändert?

Manche Trends können wir durch leichte Schwankungen im Suchverhalten unserer Nutzer schon sehen, je nachdem, was momentan gefragt ist. Grundsätzlich ist das Suchverhalten jedoch recht stabil. Chefkoch bildet das Ess- und Kochverhalten aller Deutschen ab. Die Zahl der Menschen, die sich beispielsweise vegetarisch ernähren, liegt seit Jahren relativ stabil bei etwa acht Prozent. Und diese haben auch schon immer vegetarische Rezepte gesucht. Um den verschiedenen Vorlieben unserer Nutzer gerecht zu werden und ihnen immer passendere Inhalte anzubieten, arbeiten wir momentan an verschiedenen Möglichkeiten der Personalisierung.

Arne Wolter (46) ist Geschäftsführer von Chefkoch und für das Digitalgeschäft bei Gruner und Jahr zuständig.
Arne Wolter (46) ist Geschäftsführer von Chefkoch und für das Digitalgeschäft bei Gruner und Jahr zuständig. © Tanja Hirner

Hat das gute alte Kochbuch also ausgedient?

Wir wissen alle, dass sich die Mediennutzung ändert. Es wird immer wichtiger, wie komfortabel ein Angebot genutzt werden kann, wie schnell und einfach es verfügbar ist. Schauen Sie, ein Kochbuch muss man erst mal kaufen, ein Rezept darin suchen, dann steht es beim Kochen am Herd und wird vollgespritzt, die Seite schlägt zu. Wer bei Chefkoch ein persönliches Kochbuch anlegt, kann seine Lieblingsrezepte in Kategorien wie Backen, vegetarisch, Fleisch oder Kindergeburtstag abspeichern, dazu persönliche Notizen hinterlegen und alles bequem auf dem Smartphone aufrufen.

Ist das Ihre neue Vision?

Allein im vergangenen November haben rund eine Million Deutsche ihre digitale Rezeptsammlung bei uns aufgerufen. Beim Streaming von Musik funktioniert das ja ganz ähnlich. Unsere Vision ist es, eine Art Spotify für Rezepte zu werden. Was für Spotify die Musikstücke sind, sind für Chefkoch die Rezepte. Und Kochbücher sind die Playlists. Jeder kann so seine Lieblingsrezepte jederzeit wiederfinden und erhält dazu noch passende Rezept-Empfehlungen. Wir versuchen, unser Produkt immer weiterzuentwickeln.

Erklärt das Ihren Erfolg?

Es ist auch das Glück der frühen Geburt. Wir haben 1998 angefangen, seitdem haben unsere Nutzer 350.000 Rezepte hochgeladen. Es gibt zwar Koch-Plattformen, die sogar mehr Rezepte liefern, aber auf Chefkoch passieren die meisten Interaktionen. Das Lasagne-Rezept zum Beispiel, das 2020 am meisten genutzt wurde und den Pfannkuchen überholt hat, bekam mehr als 1.800 Kommentare. Das zeigt, dass sich die Menschen tatsächlich damit beschäftigen. Es wurden mehr als 300 Fotos zu der Lasagne hochgeladen. Die Menschen erkennen also: Okay, bei den anderen sieht es auch nicht top de luxe aus. Das macht das Kochen für jedermann zugänglich.

Das Gespräch führte Kornelia Noack.

Lesen Sie außerdem in der Serie "Frohes Fest. Jetzt erst recht":

  • Einkaufen ohne Stress (Mittwoch, 16. Dezember)
  • Essen zum Mitnehmen (Donnerstag, 17. Dezember)
  • Die perfekten Klöße (Freitag, 18. Dezember)
  • Weihnachtsmarkt daheim (Sonnabend, 19. Dezember)

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