merken
PLUS Pirna

SOE: Amateursportler fordern Lockerungen

Der Breitensport fühlt sich den Profis gegenüber abgehängt, nun auch im Nachwuchsbereich. Das von VfL Pirna-Copitz initiierte Bündnis wächst.

Leere Ränge im Stadion des VfL Pirna-Copitz. „Gut, dass die Basis weiter in Bewegung gerät. Es gilt doch gleiches Recht für alle."
Leere Ränge im Stadion des VfL Pirna-Copitz. „Gut, dass die Basis weiter in Bewegung gerät. Es gilt doch gleiches Recht für alle." © Marko Förster

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Knapp 20.000 Abmeldungen von Mitgliedern in Sportvereinen wurden im Vorjahr sachsenweit registriert, davon entfielen rund 13.000 auf Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre. „Das ist ein deutliches Zeichen an die Politik, vor allem den Kinder- und Jugendsport so schnell wie möglich wieder zu öffnen“, sagt Ulrich Franzen, Präsident des Landesportbundes.

Ungleichbehandlung gegenüber den Profis

Anfang der Woche gingen acht Vereine, unter anderem der VfL Pirna-Copitz als Initiator sowie der SC Freital, der ESV Lok Pirna, der SC Einheit Bahratal-Berggießhübel und der SV Birkwitz-Pratzschwitz zählen, mit einem Appell an die Öffentlichkeit. „Solidarisch bleiben, gemeinsam handeln“, lautet das Motto. Die Initiative verweist auf die zunehmende Ungleichbehandlung exklusiver Anspruchsgruppen und der um ihre Existenz kämpfenden lokalen Sportvereine und der damit einhergehenden Verschärfung der Lage.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Wie sollen Trainer und Ehrenamtliche den Kindern und Jugendlichen an der Basis vermitteln, dass sie noch nicht wieder einzeln auf der Tartanbahn trainieren oder sich zu zweit ein paar Bälle zupassen dürfen, während verschiedene Altersgruppen von Nachwuchsleistungszentren dieses Privileg längst erhalten haben? Eine Frage, die das Bündnis auch an die politischen Entscheidungsträger richtet. So ruht etwa im Pirnaer Willy-Tröger-Stadion der komplette Trainings- und Spielbetrieb seit dem 2. November.

Lockdown setzt den Sportvereinen zu

„Sollte der Lockdown noch länger gehen, sehe ich größere Verwerfungen in den Vereinsstrukturen, denn schon in den letzten Jahren war das Hauptproblem für einen guten Trainings- und Wettkampfbetrieb die Gewinnung neuer ehrenamtlicher Übungsleiter“, meint Jörg Schneider, Präsident des SC Freital. „Alle nach dieser sehr langen sportlosen Zeit wieder zu aktivieren, könnte schwierig werden“, befürchtet er. „Auch wir begrüßen diesen offenen Appell vieler Vereine“, sagt Dietmar Wagner, der Geschäftsführer des Kreissportbundes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. „Gut, dass die Basis weiter in Bewegung gerät. Es gilt doch gleiches Recht für alle. Also muss es dann auch eine Gleichbehandlung geben. Im Nachwuchsbereich ist diese Ungleichbehandlung erst recht nicht nachzuvollziehen.“

Training per Zoom hat Grenzen

Ex-Fußball-Profi Peter Heidler, Sohn von Dynamo-Legende Gert Heidler, betreibt in Dresden eine Fußball- und Bewegungsschule für Kinder ab drei Jahre und erinnert an ein Grundprinzip: „Die Amateur- und Freizeitvereine sind die Grundlage, die breite Masse im Pyramiden-System der Nachwuchsleistungszentren. In diesen wird wieder trainiert und die Schulen werden geöffnet. Die Kids fragen uns, warum aber dürfen wir keinen Vereinssport betreiben? Ich kann es ihnen nicht erklären. Wir waren sehr kreativ, mit Challenge- und Zoom-Training. Alle Kinder haben wahnsinnig gut mitgezogen, aber jetzt sind wir an der Grenze des Machbaren angelangt.“ Challenge-Training ist eine Art „Wettkampf“. Die Trainingsleistungen der Kinder werden bewertet und am Ende ist eines der Teams das beste – quasi ein Ansporn, da es ja sonst keine Wettkämpfe gibt.

Das Bündnis bietet allen sächsischen Amateur- und Freizeitsportvereinen an, sich anzuschließen, auch, um „mit gemeinsamer Stimme“ zu argumentieren. Innerhalb von 24 Stunden schlossen sich 20 weitere Vereine der Initiative an, darunter der Heidenauer SV und der SV Bannewitz. „Der Zulauf ist enorm, der Zusammenhalt riesig“, resümiert Ronny Zimmermann, Pressesprecher des VfL Pirna-Copitz. Die Suche nach Lösungsmöglichkeiten hat für alle oberste Priorität. Ziel seien zeitnahe konstruktive Gespräche mit Verbänden und Vertretern der Politik. „Der organisierte Vereinssport in der Stadt und auf dem Dorf kann nur überleben, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen eine Chancengleichheit zulassen“, heißt es im Appell der inzwischen 28 Vereine des offenen Zusammenschlusses.​

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Pirna