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SOE: Macht 2G die Kulturbranche kaputt?

Wegen neuer Regeln bleiben Besucher aus, Konzerte werden abgesagt. Die Stimmung bei Veranstaltern zwischen Pirna und Neustadt ist wenig berauschend.

Von Thomas Möckel & Anja Weber
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Hinweis auf die 2-G-Regel an einer Kulturstätte: Viele Gäste sehen in dem Schutz eine Gängelung.
Hinweis auf die 2-G-Regel an einer Kulturstätte: Viele Gäste sehen in dem Schutz eine Gängelung. © dpa-Zentralbild

Nach einem gut besuchten Kultur-August im Sommer sah es wenig später in der Kleinkunstbühne „Q 24“ in Pirna schon wieder mau aus, die kulturelle Saison im September und Oktober war eher durchwachsen. „Bei uns stand viel auf dem Programm, aber offensichtlich haben sich viele Menschen nicht zu den Veranstaltungen getraut“, sagt Petra Schneider vom Q-24-Verein, der die Kleinkunstbühne betreibt.

Den Zugang zum Theater regelte bis vor kurzem die 3-G-Vorschrift, gleichwohl reagierte das potenzielle Publikum eher verhalten und unsicher. Es habe, sagt Petra Schneider, einige stark frequentierte Veranstaltungen gegeben. Aber der Verein musste gemeinsam mit Künstlern auch Konzerte mangels Nachfrage absagen – weil die 3-G-Zugangsschranke offenbar vielen nicht behagte.

Diese Fälle könnten sich jetzt weiter häufen. Es ist zwar noch keine Welle, aber viele Veranstalter canceln bereits jetzt zahlreiche Veranstaltungen. Denn mit der seit Montag geltenden 2-G-Regel ist der Zugang zur Kultur in Innenräumen nun noch stärker eingeschränkt, sodass sich jetzt für viele die Frage stellt: Macht „2G“ die Kulturbranche zwischen Pirna und Neustadt vollends kaputt?

Immenser Zusatzaufwand für Veranstalter

Vielen Veranstaltern fällt es zurzeit schwer, weit im Voraus zu planen. „Wir tasten uns jetzt von Woche zu Woche vorwärts und schauen, was möglich ist“, sagt Petra Schneider. Wegen „2G“ bleiben viele Gäste aus, viele ziehen ihre Reservierungen zurück. Das Q24 versucht dennoch, möglichst wenig Veranstaltungen abzusagen, sondern verschiebt sie lieber auf später – in der Hoffnung, dass dann Zuschauer wieder uneingeschränkt kommen dürfen.

Erschwerend kommt hinzu: Bei „2G“ gelten die Regeln von „3G“ weiter, im Q24 heißt das reduzierte Platzanzahl, Einlasskontrollen, Abstände einhalten. Anrufer erkundigen sich vermehrt nach den Regeln, weil viele nicht mehr durchblicken. „Wir müssen zurzeit viel erklären“, sagt Petra Schneider, „und die Stimmung bei uns ist gerade nicht die beste.“

Die neuen Regeln bedeuten auch einen erhöhten Personalaufwand, beispielsweise bei der Einlasskontrolle. Ein fester Stamm Engagierter kann die Dienste noch abdecken, denn man will trotz „2G“ Zuschauer begrüßen. Ob es künftig noch mehr Absagen geben wird, kann Petra Schneider nicht sagen, derzeit weiß keiner so genau, wie sich alles entwickelt. Gleichwohl schaut sie optimistisch in die Zukunft. „Irgendwann“, sagt sie, „muss die Pandemie ja mal durch sein.“

Rückkehr zu "3G" gefordert

In der Neustadthalle zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, wenngleich sich hier die Ausfälle noch im Rahmen halten. Weil einige Schauspieler der Landesbühnen erkrankt sind, gibt es vorerst kein „Dinner for five“, auch ein Abend mit Uwe Steimle ist gecancelt.

Alle anderen Veranstaltungen finden zunächst wie geplant statt. „Natürlich haben einige Besucher wegen der 2-G-Regel abgesagt, aber das ist nicht die Masse“, sagt Annett Zierenberg, Geschäftsführerin der Neustadthalle Veranstaltungs GmbH.

Wer wegen der 2-G-Regel von einem Besuch Abstand nehme, aber schon Karten gekauft habe, bekomme das Geld zurück. Auch für die seitens der Neustadthalle oder der Künstler abgesagten Veranstaltungen gebe es den Ticketpreis per Banküberweisung zurück. Unterdessen hoffen die Betreiber, dass möglichst schnell wieder bessere Zeiten anbrechen. Denn das Angebot werde sehr gut angenommen, der Vorverkauf für 2022 laufe prima. Annett Zierenberg plädiert dafür, wieder zur 3-G-Regel zurückzukehren, da sie gut funktioniert habe.

Auf der Burg Stolpen hat sich indes das Thema „2G“ auf eigene Weise erledigt, zumindest für dieses Jahr. Im historischen Gemäuer gibt es 2021 nur noch eine Veranstaltung, die humorvolle Runde „Feixen im Advent“ mit Autor Peter Ufer und Gitarrist Frank Fröhlich. Sie wurde nicht abgesagt – und findet statt.

Kaum einer will sich gängeln lassen

Bei der Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna hingegen ist schon seit geraumer Zeit eine gewisse Besucherflaute zu spüren. „Viele Menschen haben während der Pandemie umgeswitcht und gehen vielleicht lieber wandern als ins Konzert“, sagt KTP-Sprecherin Karolina Manitz. Und wer einmal derart kulturentwöhnt sei, müsse erst langsam wieder zurückfinden.

Obwohl nun wieder vermehrt Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen und Ähnliches möglich sind, beobachtet die KTP noch eine gewisse Zurückhaltung beim potenziellen Publikum. „Viele Menschen nehmen gerade erst wieder langsam Anlauf, um zur Kultur zurückzukehren“, sagt Karolina Manitz.

„2G“ könnte diesen Anlauf jetzt verlangsamen, weil sich potenzielle Gäste nun weiteren Hürden ausgesetzt sehen. „Viele wollen sich einfach nicht auf diese Weise gängeln lassen und nehmen von einem Besuch Abstand“, sagt die KTP-Sprecherin. Sie hoffe sehr, dass dieser Zustand nicht lang von Dauer ist.

So viel Kultur, wie nur geht

Gleichwohl gilt bei der KTP die Maxime: lieber Veranstaltungen verschieben, als absagen. Aber eigentlich soll alles stattfinden, möglichst wenig soll gecancelt werden. „Wir wollen ein Zeichen setzen und möglichst viel Kultur anbieten“, sagt Karolina Manitz.

Das lässt sich derzeit angesichts der verschärften Corona-Regeln in der großen Herderhalle besser bewerkstelligen als beispielsweise in der verwinkelten Stadtbibliothek, wo jetzt eine Lesung für Kinder ausfallen muss, weil sich dort einfach die geforderten Abstände nicht einhalten lassen.

Die KTP zeigt sich optimistisch, dass auch trotz „2G“ genügend Zuschauer den Weg zu den Angeboten finden, der Veranstalter will sein Programm möglichst wie geplant durchziehen. „Wir halten die Fähnchen für die Kultur hoch“, sagt Karolina Manitz, „solange es geht.“