merken
PLUS Pirna

SOE: Schulen bleiben weiter geöffnet

Der Landkreis profitiert vom Melde-Chaos. Die Rettung reicht genau bis zu den Ferien. Danach sollen Tests helfen. Viele Schüler verweigern den jedoch.

Der Schulleiter des Glückauf-Gymnasiums in Dippoldiswalde und Altenberg, Volker Hegewald,
hatte zuletzt besonders häufig auf Corona-Statistiken geschaut.
Der Schulleiter des Glückauf-Gymnasiums in Dippoldiswalde und Altenberg, Volker Hegewald, hatte zuletzt besonders häufig auf Corona-Statistiken geschaut. © Karl-Ludwig Oberthür

Mit bangem Blick schaute zuletzt Schulleiter Volker Hegewald jeden Morgen auf die aktuellen Corona-Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. "Die Schülerinnen und Schüler brauchen den Präsenzunterricht, insbesondere die Abschlussklassen", sagt er. Dazu durfte bis vergangenen Freitag der Inzidenz-Wert die Marke von 100 aber nicht übersteigen. Zwar stieg die Zahl zuletzt stetig, blieb aber am entscheidenden Tag bei 96,9 stehen.

Wie bleibt der Landkreis unterm Grenzwert?

Das war deshalb wichtig, weil die aktuelle Corona-Schutz-Verordnung des Freistaates festgelegt hatte, dass sämtliche Schulen wieder geschlossen werden müssen - bis auf die Notbetreuung -, wenn die Inzidenz an fünf Werktagen in Folge die Marke von 100 Neuinfektionen in sieben Tagen je 100.000 Einwohner übersteigt. Das entspricht einem Anteil von 0,1 Prozent der Bevölkerung.

Anzeige
Dresdens Weltklasse-Provinz sucht Sie!
Dresdens Weltklasse-Provinz sucht Sie!

Sie möchten Natur, Familie, Arbeit und Leben miteinander verbinden? Dann ist die Region Altenberg | Glashütte gern Ihre neue Heimat.

Seit Sonnabend, 20. März, meldet das RKI Inzidenz-Werte über 100. Da der Sonntag kein Werktag ist, wird er demzufolge nicht mitgezählt. Die fünf Werktage würden am Donnerstag ablaufen. Demzufolge müsste am Freitag, dem 26. März, verfügt werden, dass die Schulen in der darauffolgenden Woche geschlossen bleiben. Dann sind jedoch schon Osterferien. "Die Schulen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bleiben bis Freitag offen", teilt das Kultusministerium mit.

Der Landkreis profitiert dabei von seiner Meldepraxis. Weil erst komplett mit Kontaktnachverfolgung abgeschlossene positive Fälle vom Gesundheitsamt weiter Richtung RKI gemeldet werden, sind für den aktuellen Tag so gut wie keine Neuinfektionen in der Berechnung. Das hält den Inzidenz-Wert etwas niedriger, als er eigentlich schon ist. Die Melde-Praxis ist in jedem Landkreis unterschiedlich.

Gibt es Testverweigerer unter Lehrkräften?

Allerdings nimmt die Anzahl der Tests enorm zu. Unter anderem hat das mit der Testpflicht an Schulen zu tun. Seit 15. März darf laut Corona-Schutz-Verordnung in Sachsen kein Schulgebäude mehr ohne negativen Corona-Test betreten werden. Schüler ab Klassenstufe 5 müssen ihn einmal pro Woche nachweisen, Lehrkräfte zweimal. Für Grundschüler gilt das nicht.

Im Landkreis haben vorige Woche 8.701 Schülerinnen und Schüler vor dem Betreten der weiterführenden staatlichen Schulen einen Selbsttest gemacht. Davon fielen 17 Tests und damit 0,2 Prozent positiv aus. 262 Schüler hatten einen Selbsttest verweigert. Das sind etwa drei Prozent. Sachsenweit waren es etwa 2,3 Prozent der Schüler. Beiden Gruppen wurde der Zutritt zur Schule verwehrt. Die positiv Getesteten wurden aufgefordert, einen PCR-Test machen zu lassen.

Lehrkräfte und das weitere schulische Personal wie etwa Hausmeister haben 1.507 Tests an weiterführenden staatlichen Schulen im Landkreis absolviert. Ein einziger davon war positiv, teilt das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) mit. Einen Selbsttest verweigert hat in der Gruppe der Beschäftigten niemand. In ganz Sachsen waren es 25 Personen.

Weshalb sind zwei Grundschulen geschlossen?

Trotz der Inzidenz-Werte für den Landkreis, die eigentlich das Offenhalten aller Schulen ermöglicht, hat das Sächsische Sozialministerium im Einvernehmen mit dem Kultusministerium die Schließung der Friedrich-Märkel-Grundschule in Wehlen und der Julius-Mißbach-Grundschule in Neustadt verfügt. Dazu wurde eine Allgemeinverfügung erlassen.

An den Grundschulen herrscht zwar keine Testpflicht, aufgrund von Infektionsfällen und der vom Gesundheitsamt angeordneten Quarantäne war kein regulärer Schulbetrieb mehr aufrechtzuerhalten. In Wehlen waren zwei der Lehrerinnen positiv getestet worden. Für diese und eine weitere wurde Quarantäne angeordnet, ebenso für 58 der 79 Schülerinnen und Schüler.

In Neustadt sind drei der 16 Lehrkräfte infiziert, für fünf weitere wurde Quarantäne angeordnet. Von den 230 Schülerinnen und Schüler sind drei infiziert und insgesamt 79 in Quarantäne, teilt das Lasub auf Nachfrage mit.

Wie sollen zukünftig Schließungen verhindert werden?

Wie sich die Infektionslage bis nach den Osterferien entwickelt, ist nicht vorhersehbar. Der Freistaat plant jedoch eine Änderung der Corona-Schutz-Verordnung beim Thema Schulschließungen. Das erklärten Sozialministerin Petra Köpping (SPD) als auch Kultusminister Christian Piwarz (CDU) kürzlich auf einer Pressekonferenz.

Man wolle weg von der starren Inzidenz-Regelung. Mit den verpflichtenden Tests werde das Risiko von Infektionsketten trotz Inzidenzen von über 100 erheblich reduziert. Worauf sich die Landesregierung einigt, ist aber noch unklar.

Weiterführende Artikel

"Ich lasse mein Kind nicht testen"

"Ich lasse mein Kind nicht testen"

Jana Seidel aus Pirna lehnt Corona-Schnelltests für ihre Tochter ab. Kultusministerium und Herder-Gymnasium halten sie indes für wichtig - und sinnvoll.

Corona-Inzidenzen unter 100: nur Trickserei?

Corona-Inzidenzen unter 100: nur Trickserei?

Gesundheitsämter können die für Schul- und Ladenschließungen entscheidende Zahl beeinflussen. Das belegen Beispiele aus Bautzen, Pirna und Nordsachsen.

Es ist falsch, nur auf Inzidenzen zu schauen

Es ist falsch, nur auf Inzidenzen zu schauen

Infektionszahlen sind nur ein Indiz für die aktuelle Corona-Lage. Politik muss flexibel bleiben.

Schulen könnten dann auch Vorbild-Funktion für weitere Öffnungen in Kultur und Tourismus sein. Neben der Inzidenzwerte müsse auch die Auslastung der Krankenhäuser und Testmöglichkeiten eine Rolle bei der Bewertung spielen, hieß es in einer Mitteilung von der Ministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch (CDU).

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Pirna